Anne Franks Tagebuch: Versionen a und b erstmals in einer Ausgabe

Anne Franks Tagebuch gilt in deutschen Schulen bereits als Pflichtlektüre. Nun erscheint erstmals eine Sonderedition, die sowohl die ursprüngliche als auch die nachträglich überarbeitete Version der Schriftstellerin enthält.

Anne Franks Tagebuch: Versionen a und b erstmals in einer Ausgabe

Anlässlich des 90. Geburtstags von Anne Frank am 12. Juni 2019 soll am 8. Mai eine Sonderausgabe ihres Tagebuchs vom Fischer Verlag veröffentlicht werden, in der sowohl die Originalausgabe, als auch die überarbeitete Version enthalten sind.

Dabei war die erste Version, die Anne Frank ursprünglich geschrieben hatte, nicht für eine Veröffentlichung bestimmt, da die Texte sehr persönliche und intime Details enthielten. „Sie nutzte ihr Tagebuch als eine Möglichkeit zur Reflexion und Verarbeitung ihres Alltags“, so die Kuratorin des Lernlabors „Anne Frank. Morgen mehr“ der Bildungsstätte Anne Frank, Deborah Krieg.

Nachdem Anne Frank im Radio einen Aufruf der Exilregierung gehört hatte, Dokumente zur Besatzung zu sammeln, überarbeitete sie ihr ursprüngliches Tagebuch. Für diese zweite Fassung, die sogenannte Version b, erfand sie Pseudonyme für die acht Untergetauchten und strich und ergänzte den Text. Sie hatte vor, die Schrift nach Kriegsende unter dem Titel „Das Hinterhaus“ zu veröffentlichen.

„Man begegnet Anne Frank einmal als Person, in Version a, und einmal als Schriftstellerin, in Version b.“ - Deborah Krieg, Kuratorin des Lernlabors „Anne Frank. Morgen mehr“

Das Besondere an der Sonderausgabe ist, dass der Leser Anne Frank auf zwei verschiedene Arten kennenlernen kann. „Man begegnet Anne Frank einmal als Person, in Version a, und einmal als Schriftstellerin, in Version b“, sagt Krieg. So könne man sich zum einen mit der Biografie einer verfolgten und bedrohten Jugendlichen auseinandersetzen und deren unmittelbaren Reaktion und Reflexion erfahren. Zum anderen erkenne man ihre literarische Leistung und ihre Botschaft.

Auch optisch ist diese Sonderedition besonders, da sie in Leinen gebunden ist und mit einer Illustration des weltweit bekannten Illustrators David Polonsky versehen wurde, so die Presseleiterin der Sachbücher des Fischer Verlags, Heidi Borhau. Außerdem werde das Buch durch ein Geleitwort der Generaldirektorin der UNESCO, Audrey Azoulay, ergänzt. Die UNESCO nahm das Tagebuch auch in die Liste des Weltdokumentenerbes auf. (mr)

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