Darum ist der Main sauberer als früher

Früher war alles besser? Nicht wenn es um die Wasserqualität des Mains geht: Der Fluss ist dank neuer Vorschriften und moderner Technik heute wieder sauberer. Schwimmen kann man hier aber trotzdem nicht.

Darum ist der Main sauberer als früher

Das waren noch Zeiten, als man einfach so im Main planschen konnte und zahlreiche Strandbäder die Ufer des Flusses säumten. Heute ist das undenkbar, da der Main nicht die Kriterien eines EU-Badegewässers erfüllt. Wer hier baden geht, riskiert krank zu werden.

Aus diesen Umständen könnte man leicht schließen, dass der Main früher deutlich sauberer gewesen sein muss. Ob das wirklich stimmt, fragte uns ein Merkurist-Leser und brachte damit eine überraschende Erkenntnis ans Licht: Der Main ist heute deutlich sauberer, als noch vor einigen Jahrzehnten.

Früher mangelhaft, heute gut

Die Industrialisierung und die steigende Bevölkerungsdichte seien für die Sauberkeit des Mains ein Problem gewesen, erklärt Jens Mayer vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (Hlnug). 1970 wurde der Fluss für seine Wasserqualität in Schulnoten ausgedrückt als mangelhaft bewertet. Heute sieht das allerdings anders aus: „Es hat eine kontinuierliche Verbesserung in den vergangenen zehn Jahren gegeben“, so Mayer. Heute freut sich der Main über eine gute Bewertung.

Verbesserte Kläranlagen

Das liege vor allem daran, dass die Reinigungsmaßnahmen in den vergangen Jahren immer mehr ausgebaut wurden, so Mayer. Große Fabriken am Main haben eigene Kläranlagen. Kleine Betriebe nutzen die städtischen Abwasseranlagen.

„Wir sind Industrie und machen Dreck, das geht heute nicht mehr.“ - Jens Mayer

Für die Industrie gebe es genaue Vorschriften von der Politik, sagt Mayer. Doch auch die Fabriken selbst würden sich große Mühe geben, um den bei ihrer Produktion entstehenden Schmutz umweltfreundlich zu entsorgen. „Wir sind Industrie und machen Dreck, das geht heute nicht mehr“, sagt Mayer. Heute zähle es zum guten Ruf eines Betriebs, umweltfreundlich zu produzieren. Durch die Kläranlagen habe man es geschafft, Stickstoff und Phosphor aus dem Wasser zu entfernen. Was auch zur guten Wasserqualität des Mains beitrage, sei die große Wassermenge, die sich in dem Fluss befindet. Dadurch käme es zu einem „Verdünnungseffekt der Belastungseinflüsse“, so Mayer.

Neue Stoffe im Main gefunden

Obwohl der „Main auf einem guten Weg ist“, finden Analysten heute dennoch Stoffe im Fluss, die früher nicht im Wasser gefunden wurden. So etwa Medikamentenrückstände und Teilchen von Pflanzenschutzmitteln.

„Wir können jetzt viel mehr sehen.“ - Jens Mayer

Das könne zum einen daran liegen, dass heute neue Medikamente und Pflanzenschutzmittel auf dem Markt sind. Zum anderen sei die Technik nun weiter, um diese Stoffe zu finden.„Wir können jetzt viel mehr sehen“, sagt Mayer. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hätten ihre Kläranlagen schon weiter entwickelt und könnten diese speziellen Stoffe filtern. „Es ist aber nicht leicht, eine Technik zu finden, um alle Stoffe zu eliminieren“, so Mayer.

Daher bleibt das Bad im Main auch weiter ein sommerlicher Traum. So stellt das Gesundheitsamt auf seiner Webseite fest,„dass das Schwimmen im Main und der Nidda nicht befürwortet werden kann, da ein sehr hohes Infektionsrisiko besteht“. Aufgrund der Keime im Wasser drohen sowohl Magen- und Darmerkrankungen, als auch Erkrankungen anderer Organe und der Haut.

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