Proteste gegen Mieterhöhungen

Auf Fahrrädern sind am Sonntag 150 Menschen durch Frankfurt gefahren, um gegen steigende Mieten und Verdrängung zu demonstrieren. Eine Station war der ehemalige Eisenbahner-Wohnblock an der Wallauer Straße.

Proteste gegen Mieterhöhungen

Es dauert nur wenige Minuten und schon ist der Innenhof des ehemaligen Eisenbahner-Wohnblocks an der Wallauer Straße voller Fahrräder. Laut Polizei nehmen 150 Menschen an der Fahrraddemonstration gegen steigende Mieten und Verdrängung teil, die unter dem Motto „Auf den Spuren einer Stadt für alle“ durch Frankfurt fährt. Ziel sind Orte, die aus Sicht der Demonstranten „die herrschende Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik auf den Punkt bringen“. Auch die gelben Häuser an der Wallauer Straße - derzeit im Besitz des Wohnungsunternehmes Vonovia - liegen auf der Route der Tour. Zahlreiche Mieter protestieren hier seit Monaten gegen eine angekündigte Erhöhung der Mieten.

„Die geplanten Erhöhungen sind viel zu hoch“, sagt Bewohner Michael Martis. Das Wohnungsbauunternehmen wolle bis zu 300 Euro mehr verlangen, da die Gebäude derzeit energetisch saniert werden und der Einbau neuer Fahrstühle geplant ist. Das würde für viele Mieter bedeuten, die Miete nicht mehr bezahlen zu können. „Ein paar Bewohner sind bereits ausgezogen“, sagt Martis.

„Was nutzen die Investitionen, wenn die Ratten im Keller sind und die Wohnungen verschimmeln?“ - Michael Martis

Die Mieter fordern daher, dass Vonovia auf den Bau der Aufzüge und die Mieterhöhung in der geplanten Höhe verzichtet. Zumal die Fahrstühle nicht in den jeweiligen Etagen, sondern nur im Zwischengeschoss halten könnten. Für Menschen mit Gehbehinderungen seien die Wohnungen nach dem Umbau also nicht besser zu erreichen, als vorher. Statt der Modernisierung fordern die Mietervertreter, dass das Unternehmen Mängel wie Schimmel und defekte Rohrleitungen in den Wohnungen beseitigen solle. „Was nutzen die Investitionen, wenn die Ratten im Keller sind und die Wohnungen verschimmeln?“, sagt Martis.

Kritik vom Ortsvorsteher

Mit dem Ergebnis eines Vermittlungsgespräches Ende Juni sind die Mieter daher nicht zufrieden. Zwar habe Vonovia nun zugesichert die Mängel beseitigen zu wollen und dafür eine Mietersprechstunde eingerichtet, vom Bau der Fahrstühle und der Mieterhöhung wolle das Unternehmen aber nicht abrücken. Das kritisiert auch Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD): „Ich finde es gut, dass die Vonovia gesprächsbereit ist, viele Fragen wurden aber nicht beantwortet.“ Die Gespräche seien für die Mieter unbefriedigend gewesen. Auch im Ortsbeirat waren bereits Vertreter der Vonovia zu Gast. „Als Ortsbeirat haben wir damit unsere Mittel ausgeschöpft, ich hoffe aber, dass das Unternehmen noch Einsicht zeigt, dass man so mit Mietern nicht umgehen kann“, sagt Strank.

„Das ist keine Modernisierung, das ist verschleierte Mietervertreibung.“ - Sieghard Pawlik

In der Stadtverordnetenversammlung soll der ehemalige Eisenbahner-Wohnblock aber Thema bleiben. „Es wird von Seiten der SPD weitere Initiativen geben“, sagt der Stadtverordnete Sieghard Pawlik (SPD). Er will gegenüber dem Magistrat und der Bauaufsicht thematisieren, dass durch den Bau der Fahrstühle das Ensemble im Innenhof gefährdert werde. Derzeit laufen zwischen dem Magistrat und dem Land Hessen auf Anfrage von Pawlik Gespräche darüber, die Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen.

Vonovia will Kosten niedrig halten

Auch den Umgang mit den Bewohnern kritisiert Pawlik: „Das Unternehmen hat erst reagiert, als massiver Druck von den Mietern ausgeübt wurde.“ Instandsetzungen seien nur in Einzelfällen umgesetzt worden. Auch die Mieterhöhungen seien in dieser Form nicht hinnehmbar. „Das ist keine Modernisierung, das ist verschleierte Mietervertreibung.“

“Wir wollen, dass Wohnen hier bezahlbar bleibt.“ - Mario Stamerra

Vonovia verweist auf Nachfrage von Merkurist darauf, dass die Gebäude saniert werden müssen. „Das versuchen wir so kostengünstig wie möglich“, sagt Mario Stamerra, Geschäftsführer für die Region Rhein-Main. Neben einer verbesserten Wärmedämmung werde man unter anderem auch Fenster, Balkone und Türen sanieren. Zudem solle in Form eines Dachgeschossausbaus neuer Wohnraum geschaffen werden. „Wir wollen, dass das Wohnen hier bezahlbar bleibt“, sagt Stamerra. Daher werde man auch nur bei drei der sechs Gebäude des Ensembles Fahrstühle einbauen. „Wir haben gesehen, dass die Aufzüge wie wir sie geplant haben zu teuer sind. Die Kosten wollen wir bis zu 30 Prozent reduzieren, was sich auch günstig auf die Mieten auswirken würde.“

Mieter kündigen weitere Proteste an

Die Durchschnittlichen Mieten lägen dann auch nach der umfangreichen Modernisierung unterhalb des Frankfurter Marktniveaus. „Heute liegt die durchschnittliche Miete bei 5,90 Euro pro Quadratmeter, diese würde für Bestandskunden auf 8,14 Euro steigen. Für den einzelnen Mieter ist das im Durchschnitt eine Erhöhung von 150 Euro im Monat“, sagt Stamerra. Prozentual würden die Mieten im Durchschnitt also um 38 Prozent steigen. Insgesamt werde man 6,3 Millionen Euro in die Häuser investieren, aber nur 1,7 Millionen Euro der Modernisierungskosten würden über die Jahre auf die Miete umgelegt.

„Die genannte Zahl von 300 Euro kommt einmalig vor, hier werden wir auch nochmal den Dialog mit dem Mieter suchen“, sagt Stamerra. Ziel sei es, die Erhöhungen gerecht zu verteilen. So sollen die Bewohner des Erdgeschosses nicht an den Kosten für die Fahrstühle beteiligt werden. Auch die Mängel in den Wohnungen sollen nun beseitigt werden. „Dafür haben wir jetzt eine Mietersprechstunde eingerichtet, in der wir zusammen mit dem Handwerksunternehmen über den Stand informieren werden.“ Die Aufträge für die Mängelbeseitigung seien bereits erteilt worden.

Hier sieht Michael Martis einen kleinen Erfolg der Proteste: „Früher war die Vonovia wegen der Mängel nie erreichbar.“ Die Mieterhöhungen seien aber weiter nicht hinnehmbar. „Eine Erhöhung von maximal zehn Prozent nach Modernisierung und Instandsetzung der Wohnungen wäre in Ordnung.“ Die Mieter wollen daher weiterhin demonstrieren zu Fuß, auf dem Rad und im Ortsbeirat.

Logo