20 Jahre vermisst: Die Spur führt nach Frankfurt

Vor fast 20 Jahren verschwand Ertugrul Emeksiz in Kassel. Der Wagen, der mit ihm verschwand, tauchte Wochen später in Frankfurt auf - mit 7500 Kilometern mehr auf dem Tacho. Die Polizei vermutet Schlimmes.

20 Jahre vermisst: Die Spur führt nach Frankfurt

Als „Aktenzeichen XY… ungelöst“ Anfang des Jahres, am 6. Februar, von dem Vermisstenfall aus Melsungen nahe Kassel berichtet, wird Ertugrul Emeksiz seit fast 20 Jahren vermisst. Der Familienvater verschwand in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1999. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. „Die Polizei ermittelt noch immer“, sagt Moderator Rudi Cerne in der Sendung, „und befürchtet das Schlimmste.“

„Warum sollte Ertugrul Emeksiz eine so lange Strecke fahren und dann den Wagen abstellen und einfach verschwinden?“ - Andreas Vestweber, Kripo Homberg/Efze

Denn Emeksiz’ Verschwinden ist äußerst mysteriös. Mit ihm verschwand ein Firmentransporter, der rund fünf Wochen später verlassen auf einem Parkplatz im Frankfurter Stadtteil Griesheim auftauchte - mit rund 7500 Kilometern mehr auf dem Kilometerzähler. „Warum sollte Ertugrul Emeksiz eine so lange Strecke fahren und dann den Wagen abstellen und einfach verschwinden?“, fragt Andreas Vestweber von der zuständigen Kriminalpolizei in Homberg/Efze im „Aktenzeichen“-Studio.

Lieferant und Autohändler

Mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter lebt Emeksiz bis zu seinem Verschwinden in Melsungen, etwa 30 Kilometer von Kassel entfernt. Dort arbeitet er für einen Fleischgroßhandel, als Lieferant fährt er Bestellungen zu Kunden. Nebenbei verdient er Geld mit Gebrauchtwagen, kauft sie in Deutschland und bringt sie dann nach Istanbul. Sein Onkel verkauft die Autos dort weiter.

Auf einem Rückflug aus Istanbul lernt Emeksiz eine Frau aus dem Raum Frankfurt kennen. Von da an treffen beide sich regelmäßig zum Essen in Frankfurt. Vor einem der Treffen will Emeksiz offenbar noch Geschäftliches erledigen. Auf dem Hof einer Autowerkstatt wartet die Frau im Wagen. „Die junge Frau wird später keine Angaben darüber machen können, wo in Frankfurt sich die Autowerkstatt befunden hat“, sagt der Sprecher des „Aktenzeichen“-Beitrags.

„Es ist denkbar, dass eine andere Person sein Handy benutzte, um eine falsche Spur zu legen.“ - Andreas Vestweber, Kripo Homberg/Efze

Sie ist es auch, die in der Nacht seines Verschwindens zweimal von Emeksiz’ Handy aus angerufen wird. Doch sie merkt es erst am nächsten Morgen. Ob Emeksiz selbst die Anrufe getätigt hat, ist bis heute unklar. „Es ist denkbar, dass eine andere Person sein Handy benutzte, um eine falsche Spur zu legen“, sagt Vestweber von der Kripo in der Sendung.

Zwei Anrufe — am anderen Morgen ist das Handy aus

Aber was passierte vor seinem Verschwinden? Am 6. September 1999, einem Montag, holen Emeksiz und sein Chef einen Leihtransporter ab. Dann fahren die beiden bei einem Lieferanten in Dortmund vorbei. Zurück in Kassel sind sie kurz nach Mitternacht, Emeksiz liefert seinen Chef am Laden ab, nimmt den Transporter mit nach Hause. Es ist gegen 0:30 Uhr. Doch in Melsungen kommt er nie an.

Zwei Stunden später, um 2:23 Uhr, ruft Emeksiz’ Handy zweimal bei der Freundin aus dem Raum Frankfurt an. Die Polizei stellt später fest, dass das Handy zu diesem Zeitpunkt noch in Kassel gewesen sein muss. Am nächsten Morgen stellt seine Frau fest, dass es nicht nach Hause gekommen ist. Das Handy ist nicht mehr erreichbar, gemeinsam mit Emeksiz’ Chef telefoniert sie Freunde, Verwandte, Krankenhäuser ab — ohne Ergebnis.

Der Wagen stand in Frankfurt

Für eine Vermisstenanzeige ist es laut Polizei zu diesem Zeitpunkt noch zu früh. Immerhin sei Emeksiz erwachsen. Um die Regelung zu umgehen, schlägt die Polizei vor, Emeksiz wegen Unterschlagung des Firmenfahrzeugs anzuzeigen. So werde zumindest nach dem Wagen gefahndet. Kehre er zurück, könne die Anzeige einfach zurückgezogen werden.

Tatsächlich wird der Wagen gefunden, allerdings erst rund fünf Wochen nach dem Verschwinden des damals 29-Jährigen, am 15. Oktober 1999. Er steht in der Stroofstraße in Griesheim, auf einem Parkplatz nahe des Mainufers. Inzwischen gilt Emeksiz offiziell als vermisst. Die 7500 gefahrenen Kilometer stellen die Beamten vor ein Rätsel, die Spurensicherung findet im Transporter: nichts.

Jemand muss wissen, was passiert ist

Bis heute weiß die Polizei nicht, ob Emeksiz bei seinem Nebenjob auch mit Kriminellen in Kontakt gekommen ist, in zwielichtige Geschäfte verwickelt war. Nach Emeksiz’ Verschwinden sollen, so ein Zeuge, zwei türkische Männer aus Belgien nach ihm gesucht haben.

Um das Rätsel endlich zu lösen, braucht die Polizei mehr Informationen. Wer hat den grünen Renault-Kühltransporter mit dem Kennzeichen LIP zwischen dem 7. September und dem 15. Oktober 1999 gesehen? Wer glaubt, Ertugrul Emeksiz nach dem 7. September nochmal gesehen zu haben? Und wer weiß mehr über seine Kontakte, sein Verschwinden, oder sogar einen derzeitigen Aufenthaltsort?

„Bitte melden Sie sich, damit die Familie nach nunmehr 19 Jahren endlich Antworten und Klarheit bekommt.“ - Andreas Vestweber, Kripo Homberg/Efze

Bei seinem Verschwinden war Ertugrul Emeksiz 29 Jahre alt, 1,79 Meter groß und schlank. Er hatte schwarze Haare, ein Oberlippenbärtchen und war mit einem schwarzen Shirt und einer schwarzen Hose bekleidet. Unter der rechten Achselhöhle hatte er eine markante, größere OP-Narbe. Die Kripo ist sich sicher, dass es Menschen geben muss, die genau wissen, was passiert ist — und appelliert in der „Aktenzeichen“-Sendung an sie: „Bitte melden Sie sich, damit die Familie nach nunmehr 19 Jahren endlich Antworten und Klarheit bekommt.“

Hinweise zum Vermissten nimmt die Kripo Homberg/Efze unter der Telefonnummer 05681/7740 oder über das Hinweisformular auf der Fahndungsseite entgegen. Auch Informationen auf Türkisch können entgegengenommen werden. Es gibt einen türkischsprachigen Beamten. (df)

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