So viele Handys werden in Frankfurt gefunden und nicht behalten

Das Mobiltelefon gehört zu den Dingen, die die Deutschen am häufigsten verlieren. Doch was passiert nach dem Missgeschick?

So viele Handys werden in Frankfurt gefunden und nicht behalten

„Ich brauche Hilfe“, schreibt Nicole * in der Facebook-Gruppe eines Frankfurter Stadtteils. Sie habe ihr Handy zwischen dem Rödelheimer Bahnhof und dem Alten Rödelheimer Busbahnhof oder eventuell auch im Bus 34 verloren. „Wer auch immer es findet, für mich ist dieses Handy sehr wichtig“, so Nicole.

„Ich habe mein Handy! Jemand fand es im Bus und brachte es der Polizei.“ - Facebook-Nutzerin Nicole

Einen Tag später schreibt Nicole einen weiteren Post in die Gruppe. „Ich habe mein Handy! Jemand fand es im Bus und brachte es der Polizei.“ Nicole bedankt sich beim Finder und macht ihre Freude greifbar, indem sie davon erzählt, wie sie auf dem entsprechenden Revier dem Polizeibeamten, der ihr ihr Handy überreichte, um den Hals fiel und ihn küsste. „Gott sei Dank gibt es noch ehrliche Menschen“, so ein Kommentar unter dem Post. Doch hat Nicole nur Glück gehabt, oder findet man in Frankfurt sein verlorenes Handy häufig wieder?

Viel als verloren, nur wenig als gefunden gemeldet

Auf der Webseite des „Zentralen Fundbüros“, einem Online-Fundbüro, haben knapp 200 Menschen die Suche nach ihrem verlorenen Handy gestartet. In der Altstadt und am Hauptbahnhof haben die meisten der Suchenden ihr Mobiltelefon verloren. Auch der Eiserne Steg scheint ein Hotspot dafür zu sein. Das Online-Portal bietet eine Übersicht verschiedenster Einträge von örtlichen Fundbüros sowie privat übermittelte Suchen und Fundstücke einzelner Nutzer. Der Übersicht der Webseite zufolge ist die Anzahl der Funde allerdings weit entfernt von der Anzahl der Suchen. Während 143 Menschen angegeben haben, ihr Handy in der Altstadt verloren zu haben, haben am selben Ort nur sechs Menschen ein Mobiltelefon gefunden. Auch am Hauptbahnhof stehen die 36 verlorenen Handys in keinem Verhältnis zu den zwei gefundenen.

„Die genauen Ursachen sind von uns nicht ergründbar.“ - Ralph Rohr, Sprecher Ordnungsamt

Im städtischen Fundbüro wurden laut Ralph Rohr, Sprecher des Ordnungsamts, etwa 400 Handys abgegeben. Das waren weniger, als die 800 Schlüsselbunde, die ins Fundbüro gebracht wurden und leicht mehr als die 380 Geldbörsen. Generell habe sich die Anzahl der Sachen, die im städtischen Fundbüro abgegeben werden, erheblich erhöht. „Die genauen Ursachen sind von uns nicht ergründbar“, sagt Rohr. „Fakt ist, dass mehr Menschen in Frankfurt unterwegs sind (Messen, Veranstaltungen) und die Bevölkerungszahl gestiegen ist. Inwieweit das Gründe sein können, ist jedoch fraglich.“

Fundunterschlagung ist eine Straftat

Wie viele Menschen wirklich ein gefundenes Handy zurückgeben beziehungsweise in einem Fundbüro abgeben, kann annähernd mit einer deutschlandweiten Umfrage des „Zentralen Fundbüros“ eingeschätzt werden. Auf die Frage „Bei wie viel Finderlohn würdet ihr ein iPhone S6 zurückgeben?“, antworteten 60 Prozent „immer, unabhängig vom Finderlohn“. 35 Prozent würden es nur gegen einen Finderlohn von 50 bis 150 Euro wieder aushändigen; fünf Prozent würden es behalten. Dies kann laut Rohr allerdings rechtliche Folgen haben. Behält man ein gefundenes Handy, so gelte dies als Fundunterschlagung. „Hierbei handelt es sich um eine Straftat“, so Rohr.

Was Ihr tun sollt, wenn Ihr Euer Handy verliert, verrät Rechtsanwalt Tobias Klingelhöfer gegenüber dem Focus. Zunächst solltet Ihr eine SMS mit Euren Kontaktdaten an das eigene Handy senden; dann die Passwörter Eures E-Mail-Kontos und sämtlicher anderer Accounts ändern. Wenn der Zugriff auf die Konten vom Finder bereits geändert wurde, solltet Ihr Euer Bankkonto sowie die Kreditkarte sperren lassen.

„Einige Mobilfunkunternehmen und Versicherungsgesellschaften bieten mittlerweile spezielle Handyversicherungen an.“ - Tobias Klingelhöfer, Rechtsanwalt

Zudem sei es sinnvoll, die SIM-Karte entweder über die Telefonnummer 116 116 sperren zu lassen oder dies selbst über das Online-Kundenportal des Providers zu tun. „Einige Mobilfunkunternehmen und Versicherungsgesellschaften bieten mittlerweile spezielle Handyversicherungen an“, sagt Klingelhöfer weiter. Zudem rät er, gleich nach dem Kauf des Handys die „International Mobile Equipment Identity“ (IMEI) zu notieren. Dies ist eine 15-stellige Seriennummer, die sich meist unter dem Akku befindet. Mit deren Hilfe könnt Ihr Euer Handy beim Verlust eindeutig identifizieren.

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