Wird nur noch über Straßenfeste gemeckert?

Sobald die Straßenfest-Saison beginnt, teilen viele Anwohner mit, wie genervt sie von den Festivitäten sind. Doch die Feste sind laut den Veranstaltern wichtig für die Stadtteile. Ohne sie könnten die Straßen nicht aufgewertet werden.

Wird nur noch über Straßenfeste gemeckert?

Mit der Sommersaison finden auch wieder die vielen Frankfurter Straßenfeste statt. Doch während sich der eine oder andere auf ein Glas Wein, ein kühles Bier oder eine Bratwurst mit musikalischer Unterhaltung freut, fliehen einige Anwohner vor dem jeweiligen Fest. Der Lärm der großen Gästemasse, der zurückgelassene Müll und die Männer, die lieber in anliegende Vorgärten und an Hauswände pinkeln als in die dafür vorgesehenen Dixi-Klos, gehen vielen auf die Nerven. Sind die Straßenfeste überhaupt noch beliebt bei den Anwohnern oder nehmen sie die Veranstaltungen eher als Ärgernis wahr?

„Viele vereisen über das Wochenende des Festes.“ - Kaweh Nemati, Interessengemeinschaft Untere Berger Straße

Eines der größten Straßenfeste der Stadt ist das Bergerstraßenfest. Veranstaltet wird es von der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße. Dessen 1. Vorsitzender Kaweh Nemati kennt die Beschwerden der Anwohner nicht nur, sondern kann sie auch selbst nachvollziehen. Denn der Geschäftsinhaber wohnt selbst seit rund 29 Jahren in der Berger Straße. „Viele verreisen über das Wochenende des Festes“, sagt Nemati. „Es ist ihnen zu laut.“

Beschwerden hat es schon immer gegeben

Doch das sei nichts Neues. „Früher sind auch schon viele für die zwei Tage weggegangen“, so der Veranstalter. Das kann Nemati verstehen. Als seine Kinder noch klein waren, habe er sie auch für die zwei Tage zu den Großeltern geschickt. Besonders der Lärm sei für viele Anwohner ein Problem. Doch dies könne man als Veranstalter wenig beeinflussen. Vor allem die Massen nach dem offiziellen Ende des Bergerstraßenfests seien während der Nachtruhe laut.

„Die komplette Straße ist abhängig vom Bergerstraßenfest.“ - Kaweh Nemati, Interessengemeinschaft Untere Berger Straße

Nemati und die anderen Mitglieder der Interessengemeinschaft kommen deshalb gezielt mit den Anwohnern ins Gespräch und erklären ihnen, dass das Fest dennoch wichtig für die Straße sei. „Die komplette Straße ist abhängig vom Bergerstraßenfest“, sagt Nemati. „Die meisten verstehen das.“ Vor rund 30 Jahren habe die Straße noch keiner gekannt, sie sei heruntergekommen gewesen. Nun kommen Menschen sogar aus Städten wie Würzburg zum Straßenfest.

Neben dem Ruf, der sich durch die Veranstaltung verbessere, sei die Straße auch auf die Einnahmen durch das Fest angewiesen. „Durch die Einnahmen können wir die Weihnachtsbeleuchtung und andere Aktivitäten auf der Straße finanzieren“, so Nemati. Um diese Einnahmen zu bekommen, müsse das Fest auch in der Größe gehalten werden wie derzeit. Die Ausgaben für Sicherheitsvorkehrungen, die Müllabfuhr und die GEMA-Gebühren, die alle unabhängig von der Größe gleichblieben, befinden sich alleine schon im fünfstelligen Bereich.

Eine Steigung der Beschwerden nimmt Nemati nicht wahr und weist auch auf einige Anwohner hin, die immer noch gerne das Fest besuchen - vor allem die Weinhalle in der Louisenstraße sei bei ihnen beliebt.

Frankfurter in vergangenen Jahren nicht unzufriedener geworden

Die Beschwerdelage ist nicht nur beim Bergerstraßenfest konstant, sondern bei den Festen stadtweit, sagt Ralph Rohr vom Ordnungsamt. Mehr Ordnungswidrigkeiten gebe es laut ihm nicht. Wenn sich die Frankfurter beschweren, dann handele es sich in mehr als 80 Prozent der Fälle um Lärm. Danach folgen Klagen über Müll auf der Straße. Wildpinkeln auf Festen sei im Vergleich dazu selten. Es gebe schließlich Toilettenhäuschen.

„ Zwei Tage im Jahr kann man ja mal ein Auge zudrücken.“ - Torsten Schiller, Gemeinschaft Schweizer Straße

Und diese wurden auf dem Schweizer Straßenfest in den vergangenen Jahren vermehrt aufgestellt. „Zu 100 Prozent verhindern können wir das Wildpinkeln aber nicht“, sagt Dr. Torsten Schiller, 1. Vorsitzender der Gemeinschaft Schweizer Straße, Veranstalter des Schweizer Straßenfests. Das negative Feedback von Anwohnern wegen Wildpinkeln, Lärm und Müll durch die Veranstaltung habe sich im vergangenen Jahr allerdings in Grenzen gehalten, so Schiller. „Es gibt immer wieder Menschen, die sich aufregen“, sagt der Veranstalter. „ Aber zwei Tage im Jahr kann man ja mal ein Auge zudrücken.“

Immer mehr Besucher

Neben Beschwerden erhalte er aber auch positives Feedback. Viele Anwohner empfinden das Fest laut Schiller immer noch als schön, besonders der Sonntag als Familientag sei beliebt. Dass Anwohner verreisen, um das Straßenfest nicht miterleben zu müssen, habe er noch nicht gehört. Vielmehr sei vielen bewusst, dass die Veranstaltung gut für den Stadtteil sei. Von der wachsenden Besucherzahl - 2018 waren es mehr als 250.000 Menschen - profitiere ganz Sachsenhausen.

„Generell haben wir deutlich mehr Beschwerden wegen Lärmbelästigung aus Gewerbebetrieben.“ - Ralph Rohr, Ordnungsamt

Für die beiden großen Straßenfeste gehen übrigens nicht die meisten Beschwerden bei der Stadt ein. „Die meisten Beschwerden haben wir zum Osthafenfestival und zum Afrikanischen Kulturfest“, sagt Rohr. Eine Sprecherin des Veranstalter des Osthavenfestivals verbucht dies aber als „normale Randerscheinungen“. Dennoch werde das Feedback von der Stadt aufgenommen und das Festival dementsprechend verbessert. Von den Besuchern selbst sei allerdings nur Positives an die Veranstalter getragen worden.

Damit scheint die Kritik zu den Straßenfesten zwar jedes Jahr wieder laut zu werden. Das Verständnis für die Veranstaltungen ist aber immer noch größer. Mehr Beschwerden gibt es in Frankfurt in der Regel zu anderen Dingen: „Generell haben wir deutlich mehr Beschwerden wegen Lärmbelästigung aus Gewerbebetrieben oder auch Nachbarschaftsbeschwerden als Probleme mit Straßenfesten“, so Rohr. (ab)

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