Wie Frankfurt zur Großstadt wurde und wohin dieser Weg führen könnte

Frankfurt ist eine Stadt mit vielen Facetten und befand sich immer im ungewöhnlichen Wandel. Wie und warum entwickelte sich die Stadt am Main dahin, wo sie heute ist und wohin wird der Weg noch führen?

Wie Frankfurt zur Großstadt wurde und wohin dieser Weg führen könnte

Gedankenlos schlendern wir tagtäglich durch unseren Stadtteil, gehen in denselben Straßen einkaufen, verbringen unsere Freizeit in öffentlichen Parks oder besuchen abends unsere liebsten Restaurants und Bars. Vielen Frankfurtern ist dabei nicht klar, warum diese Orte so sind, wie sie sind. Denn einige Entwicklungen in der Vergangenheit waren dafür verantwortlich, dass sich das Antlitz der Stadt verändert hat.

Frankfurt wird zu dem, was es heute ist

„Frankfurt ist trotz dessen Bedeutung zu klein.“ -Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums

Dass Frankfurt nicht wie andere Städte in die Breite wuchs ist kein Geheimnis. Die heutige Form der Stadt wurde im Wesentlichen von der Einverleibung angrenzender Ortschaften und Dörfer geprägt, die sogar bis in die Siebzigerjahre anhielt. So wurde der Stadtteil Harheim erst 1972 eingegliedert. Peter Cachola Schmal, leitender Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM) am Frankfurter Museumsufer, bewertet dies als schwierigen Prozess: „Aufgrund der damaligen Landesgrenzen konnten viele Orte, wie zum Beispiel Offenbach nicht eingegliedert werden. Frankfurt ist deswegen trotz dessen Bedeutung zu klein.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Amerikaner dem damaligen Oberbürgermeister den Vorschlag unterbreitet, aus Frankfurt einen Distrikt zu machen, in den alle umliegenden Ortschaften, wie zum Beispiel Eschborn, gefallen wären. Doch dieser lehnte ab. „Wegen solchen Faktoren haben wir spezifische Probleme wie zu wenig Bauland“, stellt Schmal fest.

Frankfurter Zentren

Der Flickenteppich aus kleineren Ortschaften spiegelt heute noch Frankfurts Einkaufs-, Industrie- und Vergnügungsviertel wieder. Die Berger Straße im 1877 eingegliederten Bornheim ist bekannt für ihre vielen Läden, Restaurants und Bars. Das entfernte Höchst mit seinen rauchenden Schornsteinen und Fabriken wurde spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Industriestandort im Umkreis Frankfurts.

Vergnügungsviertel wie Alt-Sachsenhausen sind jedem Frankfurter bekannt, aber auch an anderen Orten der Stadt ging es turbulent zu. Schmal verweist zum Beispiel auf das Bahnhofsviertel, dass in der Nachkriegszeit zum Schwarzmarkt und so für amerikanische Soldaten interessant wurde. In jüngster Zeit seien es Räume wie der Friedberger Platz, die das soziale Miteinander fördern. Wöchentlich versammeln sich tausende Menschen, um auf dem Platz zu feiern. Schmal betrachtet das positiv: „Orte wie der Friedberger Platz leiten neue Entwicklungen im Stadtleben ein.“

Finanzzentrum - heute wie früher

Natürlich darf sie nicht unerwähnt bleiben: Die Frankfurter Skyline ist in ihrer Dichte und Größe innerhalb Deutschlands unvergleichbar und macht sogar den Wolkenkratzern in Metropolen wie Paris, London oder Moskau Konkurrenz. In den vor allem während der Neunzigerjahre errichteten Türmen haben nationale und internationale Banken ihre Niederlassungen. Damit zählt Frankfurt zu den wichtigsten Finanzzentren des Kontinents.

Diesen Ruf erlangte die Stadt aber nicht kürzlich, sondern schon im 12. und 13. Jahrhundert. Schon damals fanden dort regelmäßig Handelsmessen statt, die sogar von den damaligen Kaisern gefördert wurden. So garantierten sie beispielsweise den an- und abreisenden Kaufleuten kaiserlichen Schutz bei ihrer Reise und ließen sich dieses Privileg sogar urkundlich beglaubigen.

Grüne Lebensqualität

„Die Qualität des Außenraums hat sich verbessert. Im Kontext des Klimawandels ist das wichtig.“ -Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums

Natur steigert in jeder Stadt das Lebensgefühl. Auch in Frankfurt besteht mehr als die Hälfte der Fläche aus Vegetation. Entwickelt hat sich das ähnlich wie in anderen Großstädten: Während es in Wien die Ringstraße ist, die anstelle der abgerissenen Stadtmauer errichtet wurde, sprießen in Frankfurt heute Bäume, wo früher die alte Wehranlage stand.

In den 1920er- und 1930er-Jahren etablierten sich in der Stadt außerdem riesige Volksparks wie der Niddapark und Grüneburgpark, die früher der Familie Rothschild gehörte. „Die Volksparks haben der Stadtbevölkerung viel gebracht“, so Schmal, „die Qualität des Außenraums hat sich verbessert. Im Kontext des Klimawandels ist das wichtig.“

Was die Zukunft bringt

Auch aktuell beschäftigen Frankfurt wichtige Entscheidungen, die die Optik der Stadt in Zukunft bestimmen werden. Kürzlich erhielt die Stadt mit der neuen Altstadt ein, für einige Kritiker, historisches Disneyland. Schmal bemerkt, dass die Entstehung von vielen Parteien abhängig war: „Es gab viele private Interessensgruppen, die den Entstehungsprozess einleiteten, bis die Politik involviert wurden.“ Generell sei der Diskurs bei neuen Projekten oft von Außenstimmen und wenig von der Stadt beeinflusst.

„Wir könnten vielleicht mal zu einer Millionenstadt ohne Pendler werden.“ -Peter Cachola Schmal, Direktor des deutschen Architekturmuseums

Was die Optik Frankfurts außerdem maßgeblich bestimmen wird, ist die viel diskutierte „Josefsstadt“, also der neue Stadtteil, der im Nordwesten Frankfurts an der A5 entstehen soll. Hier gibt sich Schmal zuversichtlich: „Man muss bei der Planung nur so viele Fehler vermeiden wie möglich und eine gute Strategie haben.“ Wenn bezahlbarer Wohnraum mit viel Lebensqualität entstünde, könnte sich der kritische Blick auf die Pläne ändern.

Für die schrittweise Ausbreitung Frankfurts stelle sich letztendlich die Frage, ob man die wenigen verfügbaren Flächen im Umkreis nutzt oder die umliegenden Gemeinden einbindet. Für Schmal steht fest: „Auf kurz oder lang wird die Eingemeindung geschehen. Dadurch könnten wir vielleicht mal zu einer Millionenstadt ohne Pendler werden.“ (ab)

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