Wie steht es um den Frankfurter Garten?

Der Verein ist insolvent, doch das Projekt wollen viele am Leben halten. Das freut zahlreiche Nutzer. Dennoch scheint es hinter der Fassade zu brodeln. Eine kritische Gärtnerin erzählt von fehlendem Engagement und Drogenhandel im Garten.

Wie steht es um den Frankfurter Garten?

Der Frankfurter Garten auf dem Danziger Platz hat etwas Grün in das Ostend gebracht, das sich sonst eher durch seine Industrie auszeichnet. Dort sollte gemeinschaftlich gegärtnert, geerntet und auf das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit aufmerksam gemacht werden. Doch dann gab der Verein Anfang des Jahres seine Insolvenz bekannt. Die Aktivitäten auf dem Danziger Platz wurden dadurch aber nicht beeinflusst. Im Gegenteil: Im August wurde ein Bienenbaum-Wipfelpfad errichtet, der den Honigbienen ein Zuhause in der Stadt geben und deren Erhalt sichern sollte. Wie steht es nun um das Urban-Gardening-Projekt?

Spenden wurden gesammelt, aber zu wenige

„Unsere finanzielle Situation ist noch nicht geklärt“, sagt Boris Wenzel, Sprecher des Vereins. Der Spendenaufruf sei zwar erfolgreich gewesen, doch um die Schulden des Vereins zu begleichen, reiche das gesammelte Geld bei Weitem nicht aus.

„Das Projekt an sich geht weiter.“ - Boris Wenzel, Frankfurter Garten e.V.

Derzeit sieht alles danach aus, dass der Verein das Projekt aufgibt und ein neuer Träger sich dem „Urban Gardening“ in Frankfurt annimmt. „Wir sind in vertieften Gesprächen“, sagt Wenzel dazu. Deshalb ist der Vereinssprecher überzeugt: „Das Projekt an sich geht weiter.“ Cher und Corina Haurová, die sich um den Bienenbaum-Wipfelpfad kümmern, wären interessiert: „Prinzipiell können wir uns gut vorstellen, unser ehrenamtliches Engagement auf die gesamte Gartenanlage auszuweiten.“ Doch dies hänge davon ab, ob sich mehr Menschen finden, die das Projekt unterstützen.

Laut Silvia Euler, der Betreiberin des Biergartens, bleibt das Gelände, so wie es ist, bis 2022 bestehen. Ausgaben hat der Verein laut Wenzel derzeit keine. „Das Wasser wird von der Stadt gesponsert, die Zaunmiete wird vom Eigentümer gespendet.“ Auch die Erde bekommen die Aktiven von der Stadt umsonst, so eine Gärtnerin.

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Die 72-jährige Gisela Jäger sitzt auf einem Stuhl vor ihren bepflanzten Kästen und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Zuvor hatte sie ein bisschen Laub weggefegt, jetzt macht sie es sich mit einem Buch in der Hand gemütlich und genießt den goldenen Oktober.

„Die Blumen blühen zu sehen und die Gartenarbeit; das tut mir gut.“ Gisela Jäger, Gärtnerin

„Ein Stück Grün und Erde, an der man riechen kann, zu haben, ist sehr wichtig“, so die Hobby-Gärtnerin. „Die Blumen blühen zu sehen und die Gartenarbeit; das tut mir gut.“ Jäger beteiligt sich seit etwa drei Monaten am „Urban Gardening“-Projekt und hofft, dass es noch lange bestehen bleibt.

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Auch für die Anwohner sei der Frankfurter Garten wichtig, so Euler. „Es ist schon gut besucht hier.“ Vor allem Leute mit Kindern und Hunden fragen aktuell nach, wie es mit dem Garten weitergeht, sagt die Biergartenbetreiberin.

Kritische Stimmen aus den eigenen Reihen

Doch einzelne Hobby-Gärter sind unzufrieden mit dem Projekt. Eine Hobby-Gärtnerin, die lieber anonym bleiben möchte, erklärt den Frankfurter Garten für gescheitert. „Es bringt nichts mehr“, so die Seniorin. „Er ist zu groß geworden und wir haben zu wenig Leute, die sich um den Garten kümmern.“ Genügend Zeit, Engagement und Begeisterung für das Projekt fehlen, sagt die Hobby-Gärtnerin weiter.

„Sie sind drei Monate lang begeistert, dann sieht man sie nie wieder.“ - Gärtnerin

Viele Aktive haben ihr Hoch-Beet schnell wieder aufgegeben. „Sie sind drei Monate lang begeistert, dann sieht man sie nie wieder.“ Zudem hielte sich im Garten unerlaubt eine Männergruppe auf, die dort abends Drogen konsumiere. „Um Mitternacht haben die noch hier gesessen. Wir nehmen an, dass sie gedealt haben.“ Die Polizei bestätigt, dass es in der Gegend um den Danziger Platz derartige Fälle gegeben hat: „Es ist nicht auszuschließen, dass es auch im Frankfurter Garten zu dem einen oder anderen Fall des Betäubungsmittelhandels kommt“, sagt Andrew McCormack, Sprecher der Polizei. „Bei der Örtlichkeit handelt es sich aber um keinen Betäubungsmittelbrennpunkt in Frankfurt.“

Anwohner seien laut der Hobby-Gärtnerin auch keine Fans des Gartens. Bei der Stadt ist 2017 allerdings nur eine Beschwerde wegen des Gartens eingegangen. Im Juni sei es nachts laut auf dem Gelände geworden. „Das ist für uns überhaupt kein Beschwerdebrennpunkt“, sagt Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamts.

Schließen oder am Leben lassen?

Selbst kein Vereinsmitglied, zeigt sich die Seniorin empört, wenn es um den Verein geht. „Um den Garten ging es denen nie, sondern nur ums Konsumieren“, sagt die Hobby-Gärtnerin. Sie ist mit dem Biergarten und den regelmäßigen Flohmärkten nicht einverstanden. „Ich würde den Garten schließen und den Bienenbaum-Wipfelpfad offen lassen“, so die Seniorin.

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Doch das scheint unwahrscheinlich, haben Wenzel und der Verein doch bereits Flohmärkte, Workshops mit Schulen und Veranstaltungen zur Buchmesse und Luminale für das kommende Jahr geplant. Derzeit hat der Frankfurter Garten am Wochenende für Besucher geöffnet. Am 31.Oktober, 17 Uhr, endet die Gartensaison mit einem Kürbisfest. Ende Februar macht der Garten dann wieder auf - so die aktuelle Planung.

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