Dinosaurier mit Federn

Große Freude im Senckenberg: Mit den „Gefiederten Dinosauriern“ hat ein neuer Ausstellungsbereich eröffnet. Das absolute Schmuckstück ist ein gut erhaltenes Archaeopteryx-Fossil, von denen bis dato nur 13 Exemplare gefunden wurden.

Dinosaurier mit Federn

Dinosaurier sind wieder da – oder waren sie etwa nie weg? Der Film „Jurassic World 2“ beweist ein ungebrochenes Interesse an den Urzeitwesen. Und mit dem Sachbuch „Ausgestorben, um zu bleiben“ (DuMont, 2018) hat der Biologe Bernhard Kegel ein erstes Nachschlagewerk für Erwachsene auf den Markt gebracht. Dies war längst überfällig, schließlich, so Kegel, haben 85 Prozent der uns heute bekannten Dinosaurier ihren Namen erst nach 1990 erhalten. In seinem Buch vertritt der Naturwissenschaftler auch die inzwischen als gesichert geltende These, dass viele Dinosaurier gefiedert waren. Tyrannosaurus rex mit Federn – wer kann sich das vorstellen? Definitiv erwiesen ist, dass Dinos die Vorfahren von Vögeln waren, oder umgekehrt: dass nicht Echsen, sondern Vögel kleine Dinosaurier sind.

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Übergang vom Dinosaurier zum Vogel

Sich dies vorzustellen, mag den meisten Menschen, die durch popkulturelle und mediale Bilder wie der besagten „Jurassic Park“-Filmreihe geprägt sind, äußerst schwerfallen. Da ist es hilfreich, sich den Archaeopteryx genauer anzusehen. Der als „Urvogel“ bekannte Archosaurier kann nämlich gut und gerne als Übergangswesen vom Dinosaurier zu den uns heute bekannten Vogelarten beschrieben werden. Fossilien von Archaeopteryxen sind äußerst wertvoll, bisher wurden neben dem Abdruck einer Feder nur dreizehn Skelettreste gefunden, und die meisten davon sehr unvollständig. Im Senckenberg Museum freut man sich, dass man seit Kurzem den Archaeopteryx mit der Nummer 11 ausstellen kann.

„Der elfte Archaeopteryx ist ein besonders wichtiges Fossil, er hat nämlich das mit Abstand am besten erhaltene Federkleid“, freut sich Philipe Havlik über den Neuzugang. Havlik, Projektleiter des neuen Ausstellungsbereichs „Gefiederte Dinosaurier“ im Senckenberg, betont mehrfach die Bedeutung des Fossils: „Das ist ein super wichtiges, super ikonisches Fossil, das mehrere Millionen Euro wert ist; Archaeopteryxe gehören zu den teuersten Fossilien überhaupt.“ Bei den wenigen Skeletten wundert das kaum. Havlik revidiert das sogar noch: „Das letzte Fundstück, die Nummer 13 also, wurde im April dieses Jahres entdeckt. Es ist, wie die meisten Archaeopteryx-Fossilien, aber nichts Tolles, sondern nur ein kleiner Knochenhaufen. In der Fachsprache wird das auch Chicken Wing genannt.“ Was die Bedeutung von Nummer 11 weiter untermalt – denn der ist wahrlich mehr als nur ein Chicken Wing.

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Echte Bayern: Archaeopteryxe

Archaeopteryxe sind echte Bayern, alle wurden in Steinbrüchen der Fränkischen Alb gefunden, erzählt Havlik. Sie sind Wesen aus dem Oberjura, lebten also vor gut 150 Millionen Jahren in einem subtropischen Klima mit vermutlich üppiger Vegetation. Ob die Fundorte allerdings bedeuten, dass Archaeopteryxe nur Bayern bevölkerten, ist schwierig zu sagen. „Das ist natürlich die Gretchenfrage“, so Philipe Havlik. „Nach unserem jetzigem Kenntnisstand ja. Aber mit einem neuentdeckten Fossil kann sich plötzlich alles ändern!“

Im Senckenberg freut man sich sehr über den Archaeopteryx. „Es stammt aus Privatbesitz“, verrät Projektleiter Havlik. „Der Besitzer, der mit dem Senckenberg paläontologisch vielseitig verbunden ist und uns für die Forschung viele Objekte seiner riesigen Fossiliensammlung zur Verfügung stellt, wollte das Fossil einem großen Publikum zugänglich machen.“ Da war das Senckenberg als eine der (wenn nicht sogar die) zentralsten naturforschenden Einrichtungen in Deutschland genau richtig. Fünf Jahre wird der Archaeopteryx dort zu sehen sein, mit Option auf Verlängerung. Und dank der großzügigen Unterstützung der Lipoid-Stiftung geht das Museum nicht nur mit den „Gefiederten Dinosauriern“ langsam gen Zukunft: „Zu diesem Ausstellungsbereich gibt es digitale Animationen“, sagt Havlik. „Und bis zum Ende des Jahres soll es für das gesamte Museum einen Mediaguide geben.“ Ebenfalls geplant: eine Virtual-Reality-Rauminstallation mit einer Tiefseetauchfahrt.

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Archaeopteryx is coming home

Der erste Archaeopteryx wurde übrigens im Jahre 1863 gefunden (erst ab den 1970ern „purzelten sie reihenweise aus dem Boden“, wie Havlik es formuliert), im Jahr zuvor hatte man den Abdruck der Feder entdeckt. Entsprechend bedeutet der Name Archaeopteryx übersetzt auch „die in Stein geschriebene Ur-Feder“. Ausgedacht hat sich diesen poetischen Begriff kein anderer als Hermann von Meyer – Frankfurter Paläontologe und seines Zeichens Mitglied der Senckenberg Gesellschaft. Der Kreis schließt sich also. Oder, um es mit den Worten Philipe Havliks zu sagen: „Archaeopteryx is coming home.“

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