Pfandbechersystem aus Bornheim soll Stadt erobern

Plastikfrei zu leben wird immer mehr zum Trend. Davon profitiert auch das Projekt „Cup2gether“ aus Bornheim. Es möchte sich in ganz Frankfurt ausbreiten, doch dafür ist die Unterstützung der Stadt nötig. Da hapert es noch.

Pfandbechersystem aus Bornheim soll Stadt erobern

Überquellende Mülleimer am Straßenrand gehören mittlerweile schon zum Frankfurter Stadtbild. Essensverpackungen, Pizzakartons und Einwegkaffeebecher stehen teilweise neben dem Eimer, da sie im Inneren keinen Platz mehr haben. Müllvermeidung wird deshalb immer mehr zum Thema, denn das Problem ist sichtbar geworden. Wahrscheinlich findet das Projekt Cup2gether deshalb derzeit so viel Anklang in Frankfurt. Die Initiatoren haben ein Pfandbecher-System in Bornheim und dem Nordend ins Leben gerufen, um Einwegbecher zu reduzieren und damit die Umwelt zu schonen. Nun will die Macher das Projekt in ganz Frankfurt verbreiten. Verhandlungen mit der Stadt laufen bereits.

Erfolgreicher Start

660 Menschen haben sich in Cafés ihre Pfandbecher bisher befüllen lassen. 43 Cafés geben die Becher aus. 158 Ehrenamtliche haben Werbung für das Pfandsystem gemacht und sind mit Informationsmaterial auf die Straße gegangen, um auf die Gefahren von Plastik aufmerksam zu machen. Damit haben die Initiatoren nicht gerechnet. Sie sind von der Teilnahme überwältigt.

„Wir sollten uns daran gewöhnen, uns bei einfachen Dingen nachhaltig zu verhalten.“ - Robert Lange, Ortsbeirat 10

Aus neun Ortsbeiräten wurden Anträge an den Magistrat gestellt. Sie wollen das Cup2gether-System auch in ihrem Stadtteil haben, wenn nicht sogar in der ganzen Stadt. „Alle Bürger Deutschlands betrifft es, dass wir vom Einwegsystem wegkommen“, sagt Robert Lange, Ortsvorsteher von Berkersheim, Bonames, Eckenheim, dem Frankfurter Berg und Preungesheim. Es werde immer mehr Mikroplastik im Meer gefunden. Dies sei nicht gut für die Umwelt und den Menschen. Deshalb ist Lange überzeugt: „Wir sollten uns daran gewöhnen, uns bei einfachen Dingen nachhaltig zu verhalten.“

Finanzierung unsicher

Gut scheinen das Projekt viele zu finden, doch die weitere Finanzierung ist laut Marlene Haas, eine der Projektleiterinnen, trotzdem nicht sicher. Das kleine Budget, das Cup2gether von einer Stiftung erhalten hat, trägt das Projekt noch bis Anfang 2019. Dann müssen weitere Sponsoren her. „Es braucht da neben privaten Sponsoren aber einfach auch die Stadt“, sagt Haas.

„Die Gelder fallen nicht vom Himmel. Deswegen ist so etwas immer eine politische Entscheidung.“ - Marlene Haas, Projektleiterin

Der Umweltschutz liege schließlich auch in deren Verantwortung. Doch Haas ist sich auch bewusst, wie es um die Verteilung von städtischen Geldern steht: „Die Gelder fallen nicht vom Himmel. Deswegen ist so etwas immer eine politische Entscheidung.“

Ausweitung in Westend, Innestadt und Bahnhofsviertel in Planung

Das hält das Team von Cup2gether allerdings nicht davon ab, in das Bahnhofsviertel, das Westend und die Innenstadt expandieren zu wollen. Für den Campus Westend liefen bereits Gespräche, auch im Bahnhofsviertel habe man schon Ansprechpartner gefunden. Hinsichtlich der Innenstadt habe sich noch nichts ergeben. Doch die Initatoren glauben fest an ihr Konzept. Zudem zeigen Städte wie Hannover und Freiburg, in denen es bereits ein Pfandbecher-System gibt, dass es möglich ist innerhalb der Stadt weg vom Einweg zu kommen, sagt Haas.

„Es ist kein intuitives Pfandsystem.“ - Marlene Haas, Projektleiterin

Allerdings hapert es bei all der Begeisterung der Teilnehmer in Frankfurt noch am Verständnis des Systems. „Es ist kein intuitives Pfandsystem“, gibt Haas zu. Jeder, der an dem Pfandystem teilnehmen möchte, muss sich online registrieren und dann in eines der 43 Cafés gehen, die die Pfandbecher verteilen. Anstatt Geld für den Pfand zu zahlen, erhält der Kunde eine Pfandmarke. Den Becher gibt er wieder im selben Café oder in einer der anderen teilnehmenden Lokalitäten ab.

Der Becher besteht aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen sowie natürlich vorkommenden Mineralien und ist somit biologisch abbaubar. Auch müsse der Kunde des Cafés immer gezielt nach dem Mehrwegbecher fragen. Wenn die Mitarbeiter der Cafés den Becher automatisch zur Auswahl stellen würden, helfe dies noch mehr, das System bekanntzumachen, sagt Haas. Derzeit sucht das Team noch nach Cafés und Unterstützern im Westend, dem Bahnhofsviertel und der Innenstadt.

„Wir wollen zeigen, dass wir die schnelllebige Kultur mit nachhaltigem Handeln verbinden können.“ - Marlene Haas, Projektleiterin

Haas hatte das Projekt Cup2gether vor eineinhalb Jahren mit Claudia Schäfer von der Kommunikationsagentur Von Wegen ins Leben gerufen. „Wir wissen alle noch nicht, was Mikroplastik mit uns macht und sollten auf andere Rohstoffe zurückgreifen“, sagt Haas. Dabei möchte das Team den Lebensstil der Frankfurter kaum verändern. „Wir wollen zeigen, dass wir die schnelllebige Kultur mit nachhaltigem Handeln verbinden können.“ Robert Lange ist überzeugt, dass dies bald von immer mehr Menschen umgesetzt wird. „Je mehr das Mode wird, desto leichter wird es, dies umzusetzen“, sagt der Ortsvorsteher. Ob sich dabei das Pfandbecher-System von Cup2gether durchsetzt oder es ein anderes geben wird, kann er nicht sagen.

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