Universität kämpft für eigene U-Bahn-Haltestelle

Die Station „Holzhausenstraße“ ist derzeit kurz vor und nach den Vorlesungszeiten überfüllt. Vertreter der Universität befürchten, dass sich das mit dem Wachstum des Campus noch verschlimmern wird. Eine Verlängerung der U4 zum Campus könnte helfen.

Universität kämpft für eigene U-Bahn-Haltestelle

„Wir brauchen eine eigene U-Bahn-Haltestelle am Campus Westend“, sagt Universitätspräsidentin Brigitta Wolff. Denn mit dem absehbaren Wachstum des Campus werde die Station „Holzhausenstraße“ nicht mehr groß genug sein, um von den vielen Studenten und Mitarbeitern der Universität genutzt werden zu können, ohne dass es dort zu eng wird. Schon jetzt sei die Haltestelle oft überfüllt. „Es könnte ein Verkehrskollaps drohen“, sagt Wolff.

Der Lösungsvorschlag der Universitätspräsidentin: Bei der Verlängerung der U4 könnte die Strecke so gebaut werden, dass sie an der Universität vorbeiführt und eine Haltestelle direkt am Campus errichtet werden kann. Doch für die erweiterte Strecke der U4 gibt es weitere Verlaufsvorschläge mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen.

Unter dem Grüneburgpark hindurch

Dabei hat die Führung entlang des Campus vor allem einen Nachteil: Sie ist am teuersten. Dafür müsste ein Tunnel nicht nur unter dem Botanischen Garten, sondern auch dem Grüneburgpark gebohrt werden. Um bei der Stadt trotzdem für den Vorschlag zu werben, haben sich Vertreter der Universität am Mittwochmorgen zusammengefunden und der Öffentlichkeit Argumente für eine U-Bahn-Haltestelle am Campus präsentiert.

Der Campus Westend wird sich bis 2030 stark vergrößern. So werden die Studenten der Sprach- und Kulturwissenschaften, die Universitätsbibliothek, das „Center for Humanities“, das Studierendenhaus und zwei Leibniz-Forschungszentren an den Campus ziehen.

Vertreter der Universität rechnen mit rund 12.000 zusätzlichen Menschen, die dann täglich zum Universitätsgelände im Westend fahren. Damit würden zu Stoßzeiten zwischen 30.000 und 40.000 Menschen durch die U-Bahn-Station laufen. Das seien so viele Menschen, wie die Fußballfans, die zu einem Eintracht-Spiel fahren, sagt Sönke Bästlein vom Hochschulrat. Dort reagiere die Stadt schließlich auch sofort und passe den ÖPNV an.

In „Paniksituation“ könnte es gefährlich werden

„Wir leben momentan davon, dass noch nichts passiert ist.“ - Martin Lanzendorf, Mobilitätsforscher

Ohne eine Anpassung könne es zudem gefährlich in der Station werden. Denn in einer Paniksituation sei eine Flucht nicht möglich, sagt Mobilitätsforscher Martin Lanzendorf. „Wir leben momentan davon, dass noch nichts passiert ist“, so Lanzendorf weiter. Ganz zu schweigen von dem rot markierten Übergang auf der Straße von der Haltestelle „Holzhausenstraße“ zum Universitätsgelände. Dieser Zustand sei auch äußerst gefährlich.

Sebastian Heidrich, Verkehrsreferent des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (AStA), berichtet von Studenten, die Platzangst in der U-Bahn-Station zu den Zeiten vor den Vorlesungen bekamen, weil die Station so voller Menschen war.

„Wir haben eine Kleinstadt an Studierenden, aber in der Stadtpolitik ist das kein Thema.“ - Sebastian Heidrich, AStA

Doch eine eigene Haltestelle würde nicht nur eine Entspannung in der Station „Holzhausenstraße“ bedeuten. Die Stadt würde so auch die vielen Studenten wertschätzen. „Wir haben eine Kleinstadt an Studierenden, aber in der Stadtpolitik ist das kein Thema“, sagt Heidrich. Und: Durch eine Verlängerung gebe es endlich eine Direktverbindung vom Hauptbahnhof zum Campus im Westend. Das sei besonders für die vielen Studenten, die zur Universität pendeln, wichtig.

Wo könnte die Haltestelle liegen?

Wo genau die Haltestelle errichtet werden könnte, ist noch unklar. Derzeit sind zwei Varianten im Gespräch: Frank Nagel vom Fachausschuss Verkehr der Frankfurter CDU schlägt vor, die Haltestelle zwischen dem Gebäude der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und dem Hörsaalzentrum zu bauen. Sonst könnte sie noch an der nordwestlichen Spitze des Campus errichtet werden.

Allerdings setzen beide Varianten voraus, dass sich der Verkehrsdezernent für die Linienführung, die unter dem Namen „Ginnheimer Kurve“ bekannt geworden ist, entscheidet. Als Konkurrenz dazu gibt es noch eine Variante, die von der Bockenheimer Warte direkt zum Europaturm und so nach Ginnheim führt.

„Das ist am Ende eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung.“ - Klaus Oesterling, Verkehrsdezernent

Vor einigen Monaten zeigte sich Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) noch offen für alle Varianten, zeigte aber auch klar die Nachteile einer Uni-eigenen Haltestelle auf. Die Trasse „Ginnheimer Kurve“ sei nicht nur teurer, sondern bedeute für Fahrgäste auch eine längere Fahrtzeit, da der Weg länger sei.

Man müsse nun überlegen, ob der Umweg dadurch gerechtfertigt wird, dass durch die neue Verbindung zusätzliche Fahrgäste gewonnen werden, sagte der Verkehrsdezernent im vergangenen Dezember gegenüber Merkurist. „Das ist am Ende eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung“, stellte Oesterling klar. Welche der Trassen die Verlängerungsstrecke der U4 werden soll, wird sich voraussichtlich im zweiten Quartal 2019 entscheiden. Die Stadtverordnetenversammlung muss dann darüber abstimmen. (ab/lp)

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