Stadtwald: 97 Prozent der Bäume sind geschädigt

Aktueller Zustandsbericht zeigt dramatische Situation des Frankfurter Waldes

Stadtwald: 97 Prozent der Bäume sind geschädigt

Rund 97 Prozent der Bäume im Frankfurter Stadtwald sind geschädigt. Das ergibt der aktuelle Waldzustandsbericht für den Stadtwald, der am Donnerstag vom Grünflächenamt veröffentlicht wurde.

Ein großer Teil der mehr als 200.000 Bäume in Frankfurt steht auf 6000 Hektar Fläche im Stadtwald. 96,9 Prozent davon zeigen lichte Baumkronen — sie treiben weniger Blätter aus und verlieren ihr Laub früher als gewöhnlich. Laut Grünflächenamt waren seit Beginn der Waldzustandserhebungen nie so viele Bäume geschädigt wie in diesem Jahr.

Trockenheit und wenig Grundwasser

Schuld an den massiven Schäden sind laut dem Amt die beiden heißen und trockenen Sommer in diesem und im vergangenen Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr sank außerdem der Grundwasserspiegel um 1,34 Meter ab, sodass die Bäume immer schlechter mit Wasser aus tieferen Bodenschichten versorgt werden.

Bei der Auswertung unterscheidet das Amt verschiedene Schadensstufen: Stufe 1 steht für eine schwache Kronenverlichtung mit einem Blatt- und Nadelverlust zwischen 11 und 25 Prozent, Stufe 2 beschreibt eine mittelstarke Verlichtung mit einem Verlust von 26 bis 60 Prozent der Blätter und Nadeln. Rund 70 Prozent der Bäume im Stadtwald befinden sich in diesen beiden Stufen.

Rund 8 Prozent des Gesamtbestandes abgestorben

Besorgniserregend für die Verantwortlichen ist allerdings die Anzahl der Bäume in Stufe 3, die einen Blatt- und Nadelverlust von 61 bis 100 Prozent beschreibt. Waren im vergangenen Jahr noch 11 Prozent der Bäume im Stadtwald davon betroffen, hat sich der Wert in diesem Jahr mehr als verdoppelt und liegt nun bei knapp 27 Prozent. „Etwa 140 Bäume waren zum Zeitpunkt der Datenerhebung bereits vollständig abgestorben, das entspricht rund 8 Prozent des Gesamtbestandes“, so das Grünflächenamt in seiner Mitteilung zum Zustand des Stadtwaldes.

Die Zukunftsprognose der Verantwortlichen? „Wir rechnen damit, dass in den nächsten Jahren Jungbaumbestände in einer Größenordnung von etwa 20 bis 25 Hektar ausfallen“, erklärt Peter Rodenfels, stellvertretender Leiter der Abteilung Stadtforst im Grünflächenamt. „Sorgen macht uns auch die Kiefer, die wir immer für relativ widerstandsfähig gegen Hitze und Trockenheit gehalten haben.“ Auch bei ihr verzeichne das Amt große Flächen mit absterbenden Bäumen in allen Altersklassen.

Schwache Bäumen fallen Krankheiten und Schädlingen zum Opfer

Die geschwächten Bäume sind besonders anfällig für Krankheiten und Windwurf. An den Wurzeln einiger Frankfurter Buchen, die bei einem Unwetter umgestürzt waren, konnte man beispielsweise erkennen, wie trocken der Boden war. „Fehlt die Bodenfeuchte, finden die Wurzeln keinen Halt und können dem Wind keinen Widerstand mehr leisten“, so das Grünflächenamt. Auch Krankheiten wie die Rußrindenkrankheit oder Schädlinge wie Borkenkäfer schwächen angeschlagene Bäume zusätzlich.

Einen ersten richtigen Schritt für den Stadtwald sieht Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) in einer naturnahen Waldbewirtschaftung, die in Frankfurt seit einigen Jahren praktiziert wird. So seien strukturreiche Mischwälder, in denen Totholz stehen oder liegen bleibt, anpassungsfähiger gegenüber Umweltveränderungen und regenerieren sich besser.

Dennoch herrsche in Bezug auf die künftige Waldbewirtschaftung auch in Fachkreisen Ratlosigkeit. „Überstürzter Aktionismus ist im Wald nicht der richtige Weg“, so Heilig. „Vielmehr muss der Fokus der Forschung in den kommenden Jahren auf nachhaltigen Waldbaumethoden liegen, mit einer klimaangepassten Auswahl der Baumarten.“ Einen Erfahrungsaustausch mit der Fachwelt erhoffe man sich vom Waldkongress, der Ende November in Frankfurt stattfindet.

Zur Methode

Untersucht wurde bei der Waldzustandserhebung der Zeitraum von August 2018 bis August 2019. Die Zustandserhebung wird seit 1984 auf 166 fest ausgewiesenen Probeflächen durchgeführt. Dabei werden insgesamt 1660 Bäume, davon 38 Prozent Eiche, 34 Prozent Kiefer und 28 Prozent Buche inklusive Edellaubhölzer wie beispielsweise Esche und Ahorn in ihrer Entwicklung untersucht. Die Auswahl entspricht laut Grünflächenamt in etwa der Zusammensetzung der Hauptbaumarten im Stadtwald. Den vollständigen Waldzustandsbericht für den Frankfurter Stadtwald findet Ihr online. (ms)

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