Haben die Hitzerekorde etwas mit der baulichen Verdichtung in Frankfurt zu tun?

Frankfurt gilt als eine der wärmsten Städte Deutschlands und knackte vor Kurzem sogar seinen bisherigen Hitzerekord. Ist die dichte Bebauung der Stadt der Grund für die hohen Temperaturen?

Haben die Hitzerekorde etwas mit der baulichen Verdichtung in Frankfurt zu tun?

Die Skyline gilt als Markenzeichen der Stadt Frankfurt und wird von vielen Seiten bewundert. Doch die vielen Hochhäuser sind sehr dicht gebaut — genau wie der Rest der Stadt, in der es viel darum geht, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Vor wenigen Wochen wurde der bisherige Frankfurter Hitzerekord von 39,6 Grad an einer Messstation im Frankfurter Westend geknackt: mit satten 39,7 Grad. Leserin Anja vermutet einen Zusammenhang. In ihrem Snip fragt sie: „Haben die Hitzerekorde in Frankfurt etwas mit der ‘Verdichtung’ der Bebauung zu tun?“

Hitzerekord auch ohne Stadteffekt

Petra Fuchs, Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD), verneint dies. „Die Hitzerekorde wurden an hauptamtlichen DWD-Stationen gemessen. Diese Stationen sind repräsentativ für größere Gebiete und sind idealerweise nicht von Stadteffekten beeinflusst,“ sagt sie. Aus eben diesem Grund seien die Stationen eher am Stadtrand oder beispielsweise auch auf Flughäfen positioniert.

Separat werde aber auch der Stadteffekt auf das Klima untersucht. „Dafür baut der DWD derzeit ein Netz von Stadtklimastationen auf“, so Fuchs. Die bisherigen Daten dieser Stationen seien zur Ermittlung der Hitzerekorde jedoch nicht herangezogen worden.

Der städtische „Wärmeinseleffekt“

Es ist jedoch richtig, dass in Städten höhere Temperaturen gemessen werden als in ländlicheren Gegenden. Der Temperaturunterschied zwischen der wärmeren Stadt und ihrem kühleren Umland wird als „Wärmeinseleffekt“ bezeichnet. Die Differenz erreicht bei wolkenfreien und windschwachen Wetterbedingungen ihr Maximum, so Fuchs. Die städtische Lufttemperatur hänge zudem stark von den Gebäudeformen, den thermischen Eigenschaften der Bausubstanz, den Strahlungseigenschaften der Oberflächen sowie der menschlich verursachten Wärmefreisetzung, wie Bränden, Verkehr und Industrie ab.

Frankfurt verhalte sich bezüglich des Wärmeinseleffekts nicht anders als andere Städte, sagt Fuchs. „Grundsätzlich gilt, dass der Wärmeinseleffekt mit der Anzahl der Einwohner steigt.“ So spiele auch die Bevölkerungsdichte, die mit einer dichten Bebauung meist einhergeht, eine Rolle.

Kühlende Maßnahmen

Um der städtischen Überwärmung entgegen zu wirken und den Wärmeinseleffekt zu reduzieren, seien vor allem begrünte Fächer und Fassaden sowie die Verwendung von reflektierenden Materialien für Dachflächen sinnvoll.

Durch diese könne die sogenannte Albedo, das Rückstreuvermögen, von Gebäuden und versiegelten Flächen erhöht werden. Denn für ein stabiles Klima müssen sich die in den Weltraum reflektierte Wärmestrahlung und die auf der Erde ankommende Sonnenstrahlung gegenseitig ausgleichen. Weil der Mensch durch Bebauung, Landwirtschaft und die Rodung von Wäldern die Landoberfläche verändert, verändert er auch das Rückstrahlvermögen der Erde und somit das Klima.

Grünflächen können wiederum die lokale Lufttemperatur durch eine höhere Verdunstung abkühlen und die städtische Kanalisation bei Starkregenereignissen entlasten. Denn so kann der Niederschlag in den Flächen gespeichert werden oder zumindest verzögert ablaufen. Da der Anteil an innerstädtischen Flächen, die in Grünflächen umgewandelt werden können, sehr begrenzt ist, wäre die Begrünung von Dachflächen eine sinnvolle Alternative. Zudem wäre es sinnvoll, neue Grün- und Wasserflächen in der Stadt zu schaffen und Versiegelungen zwischen den Stadtgebäuden möglichst zu vermeiden, sagt Fuchs.

Eine klimagerechte Stadtentwicklung ist also dringend nötig. Aktuell stellt der DWD dafür mit dem Online-Modul INKAS eine neue Entscheidungshilfe für die Stadtplanung bereit. Damit kann man die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen, mit denen die städtische Überwärmung reduziert werden kann, ansehen und vergleichen.

In diesem Artikel über die steigenden Temperaturen in Frankfurt könnt Ihr lesen, welche Faktoren das Klima verändern. (ab)

Logo