Warum es in Frankfurt nicht mehr Rasengleise gibt

Statt auf Rasen fahren die meisten Frankfurter Straßenbahnen auf Schotter und Asphalt. Dabei haben Rasengleise sogar einige Vorteile. Werden die Gleise der Stadt in Zukunft grüner?

Warum es in Frankfurt nicht mehr Rasengleise gibt

Sandig, staubtrocken und beinah wüstenähnlich sieht der Boden zwischen den Gleisen an der Straßenbahn-Haltestelle Festhalle/Messe aus - zumindest da, wo die Straßenbahn hält. An der Messe ist diese Optik aber eine Ausnahme: Denn wenige Meter weiter fährt die Straßenbahn in beiden Richtungen auf sattgrünem Rasen.

Insgesamt rund 16 Kilometer sogenanntes Grün- oder Rasengleis gibt es in Frankfurt. Vor allem entlang der Linien 17 und 18, aber auch auf dem Riedberg und am Betriebshof Ost sind die Gleise begrünt. Doch bei insgesamt 68,7 Kilometern Streckennetz der Straßenbahn durch Frankfurt ist da noch Luft nach oben.

Das zumindest findet zum Beispiel der Frankfurter Thorsten, der über die städtische Plattform „Frankfurt fragt mich“ vorschlägt, die Gleise in der Bockenheimer Schlossstraße zu begrünen. „Ich möchte anregen, dass diese Trasse mit Erde aufgefüllt wird und darauf Gras angesetzt wird“, schreibt er. Die trostlose Fläche würde durch das Grün deutlich aufgefrischt werden.

Rasengleise haben viele Vorteile

„Bei der Bepflanzung des Grüngleises mit Blütenpflanzen wird ein zusätzlicher Lebensraum für Insekten, Stichwort Bienen, geschaffen.“ - Bernd Conrads, Sprecher VGF

Tatsächlich haben Rasengleise nicht nur optische Vorzüge. Das bestätigt auch Bernd Conrads, Sprecher der zuständigen Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). „Bei der Bepflanzung des Grüngleises mit Blütenpflanzen wird ein zusätzlicher Lebensraum für Insekten, Stichwort Bienen, geschaffen“, sagt Conrads. „Zusätzlich ist eine Reduzierung des innerstädtischen Aufheizeffekts durch stärkere Verdunstung möglich.“ Und auch Lärm und Feinstaub wirken die Rasengleise entgegen.

Doch anlegen kann man die Gleise nicht überall: Immerhin teilen sich gerade in Frankfurt an vielen Stellen Straßenbahn und Auto die Fahrbahn. Davon abgesehen gibt es aber noch andere Gründe, die gegen Rasengleise sprechen. Dazu gehört laut VGF zum einen die „intensivere Pflege“, denn das Gleis muss gegossen und gemäht werden. „Auch die Baukosten liegen je nach Bauart um ein Drittel bis zum Doppelten höher gegenüber einem Oberbau aus Schotter“, sagt Conrads.

Wo grüne Gleise entstehen könnten

„Im Durchschnitt können Mehrkosten von ca. 1000 Euro pro laufenden Meter Gleis angenommen werden.“ - Magistratsbericht von März 2019

Auch der Magistrat hat sich im März mit Rasengleisen beschäftigt. Bei der Frage nach dem Preis wurde dieser noch konkreter. Im Magistratsbericht zum Thema schreibt er: „Im Durchschnitt können Mehrkosten von ca. 1000 Euro pro laufenden Meter Gleis angenommen werden.“ Je nach Bauart würden die Preise aber deutlich schwanken.

Trotz der höheren Kosten prüft die VGF aber regelmäßig, ob grüne Gleise an einer Stelle in der Stadt sinnvoll wären. „Ideal ist ein bereits vorhandener streckenbegleitender Grünstreifen“, erklärt Conrads. „Längere Streckenabschnitte sind ebenfalls von Vorteil, da zu kurze Abschnitte eher gekünstelt aussehen und die oben genannten Nutzen nicht auftreten.“ Infrage kämen vor allem Strecken, auf denen aktuell Schottergleise liegen.

Noch in diesem Jahr sollen die Gleise an mindestens an einer Stelle in Frankfurt ergrünen: zwischen der Triftstraße und dem Niederräder Bahnhof. Dort sollen dann auch die bereits erwähnten Blütenpflanzen wachsen, die Bienen und anderen Insekten zugutekommen. (mr)

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