Frankfurter Fans setzen mit Schweigen ein Zeichen gegen Montagsspiele

Seit dieser Saison gibt es in der Fußball-Bundesliga Spiele am Montagabend. Was für die Liga eine Möglichkeit der Vermarktung bietet, ist für viele Fans ein unzumutbarer Zustand. Vor allem bei der Eintracht formiert sich nun Widerstand.

Frankfurter Fans setzen mit Schweigen ein Zeichen gegen Montagsspiele

Die Frankfurter Eintracht spielt eine herausragende Saison. Erst am vergangenen Freitag konnte man das Team von Niko Kovac wieder bejubeln, als es im Heimspiel Borussia Mönchengladbach mit 2:0 schlug. Dies entzückte vor allem die Nordwestkurve der Commerzbank-Arena. Deren Kern, die Ultras, sind für die bedingungslose und vor allem lautstarke Unterstützung bei Heim- und Auswärtsspielen verantwortlich. Doch am 19. Februar werden sie 90 Minuten lang schweigen, denn da gibt es erstmals in der Fußball-Bundesliga einen regulären Spielbetrieb an einem Montagabend. Für viele Adler-Anhänger ist dies eine Affront gegen ihr Ideal von Fußballkultur, dass Spiele witerhin ausschließlich samstags um 15.30 Uhr stattfinden sollten.

Vermarktungs-Strategie der Liga im Vordergrund

„Es geht dabei überhaupt nicht um Kommerz und Gewinn. Aufgrund der Europa League am Donnerstag sind wir gezwungen, auf andere Termine auszuweichen.“ - Christian Seifert, Geschäftsführer Deutsche Fußball-Liga

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) begründet die Maßnahme, insgesamt fünf Spiele montags durchzuführen, mit einem „Ausweichspielplan“. DFL Geschäftsführer Christian Seifert sagt dazu: „Es geht dabei überhaupt nicht um Kommerz und Gewinn. Aufgrund der Europa League am Donnerstag sind wir gezwungen, auf andere Termine auszuweichen". Für viele aktive Fans der Frankfurter Eintracht ist das nur eine vordergründige Behauptung: Es sei ein weiterer Schritt „auf dem Weg, den Fans den Fußball wegzunehmen“, und nur noch die Vermarktung der Bundesliga im Auge zu haben: „Bis es irgendwann neun verschiedene Spieltermine gibt, die nur darauf ausgerichtet sind, dass Menschen aus möglichst vielen Ländern bequem zuschauen können - auf Kosten von uns Fans.“

„Wir werden den Verkäufern des Fußballs nicht den Rahmen bieten, den sie sich erhoffen, um ihr ,Premiumprodukt’ zu vermarkten.“ - Erklärung Fanszene Eintracht Frankfurt

Seit Jahren setzen sich bundesweit Fanszenen für den Erhalt ihrer Fußballkultur ein. So formierte sich schon Protest gegen die steigenden Eintritsspreise („Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“) oder für gerechte Anstoßzeiten („Pro 15:30“). Eine Partie am Montagabend sei nun aber noch einmal eine andere Dimension: „Montagsspiele sind eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf“, erklären die Ultras Frankfurt in einer Stellungnahme am Rande der Partie gegen Gladbach. Und da der Verband dies nun übergeht, setze man auch von Seiten der Fanszene ein Zeichen: „Wir werden den Verkäufern des Fußballs nicht den Rahmen bieten, den sie sich erhoffen, um ihr Premiumprodukt zu vermarkten.“

Anders als aber zum Beispiel in Dortmund und Bremen, wo Teile der aktiven Fanszene bei ihren Montagsspielen dem Spiel komplett fernbleiben wollen, kommen die Adler-Anhänger sehr wohl ins Stadion: „Wir werden nicht singen, keine Zaunfahnen aufhängen, keine Fahnen schwenken.“ Aber Präsenz wolle man sehr wohl zeigen.

Eintracht bereitet sich auf weitere Debatten vor

Auch die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt bleiben bei diesem Thema nicht stumm. Für sie überwiegt einerseits der Wunsch seinen Anhängern gerecht zu werden, aber andererseits schwimmen auch sie im großen Geldtopf der Bundesliga mit. Daher müsse man bald mit allen Beteiligten den Dialog suchen: „Unserer Ansicht nach sollten wir relativ schnell die Klubs, die es betrifft, zusammenholen und uns eine Meinung bilden, wie es weitergeht, und nicht das Thema auf die DFL schieben“, sagte Hellmann am Rande der Mitgliederversammlung der Eintracht.

„Wollen wir die Montage? Wollen wir sie nicht, sind wir auch bereit, auf Geld zu verzichten? In welchem Maße?“ - Axel Hellmann, Vorstandsmitglied Eintracht Frankfurt

„Wollen wir die Montage? Wollen wir sie nicht, sind wir auch bereit, auf Geld zu verzichten? In welchem Maße?“, fragte Hellmann. All das seien Fragen, die es zu klären gilt. Denn feststeht: „Es wird niemanden überraschen, dass es keinen Einzigen gibt, dem die Montagsansetzung gefällt. Das Stimmungsbild ist zu 100 Prozent eindeutig.“

Gästekurve wird allerdings weitgehend leer bleiben

Die Fans der Eintracht haben jedenfalls eine klare Meinung dazu und sehen dem Treiben auf dem Platz schweigend zu. Und auch in Leipzig, einem Verein, der beim Thema Verbandskritik eigentlich nur müde belächelt werden kann, haben sich zu Montagsspielen positioniert: Die Fans des RB bleiben dem Spiel komplett fern. So erklärten die Rasenballisten, die aktive Fangruppe der Leipziger: „Es geht uns aber in aller Entschlossenheit darum, unseren Unmut darüber zu äußern.“ Ein Unmut, für den die DFL wohl wenig Verständnis hat.

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