Dürfen wir vorstellen: das unbekannte Harheim

Harheim ist ein Stadtteil der Mainmetropole, in den viele Frankfurter noch nie einen Fuß gesetzt haben. Merkurist hat sich in das nördliche Dorf Frankfurts begeben und es bei einer Radtour kennengelernt.

Dürfen wir vorstellen: das unbekannte Harheim

Der Bus nach Harheim ist leer. Er ist eine der beiden Verbindungen, die es für Nicht-Autofahrer in der Stadt gibt, um einen Teil Frankfurts zu erreichen, auf den die meisten Frankfurter noch nie in ihrem Leben einen Fuß gesetzt haben. Vorbei an Feldern und Streuobstwiesen gelangt der Fahrgast dann in den Stadtteil, der beweißt, dass an dem Spruch „Frankfurt ist ein großes Dorf“ etwas dran ist.

An der Haltestelle „Tempelhof“ wartet Harheims Ortsvorsteher Frank Immel mit seinem Fahrrad. Und los geht die Tour durch das unbekannte Dorf Frankfurts. Bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen wird schnell klar, draußen lässt es sich in Harheim gut aushalten. Vorbei an Einfamilienhäusern radelt man in einer Minute ins Naturschutzgebiet - eines der wenigen, die es in der Mainmetropole gibt. Daneben ist eine Straße abgesperrt, die den Kindern und Jugendlichen gewidmet ist. Auf der Spielstraße fährt an dem Vormittag in den Sommerferien nur ein Junge im Kindergartenalter auf seinem Kettcar, an den Basketballkörben wirft einige Meter weiter ein Teenager Körbe. Normalerweise werde auch die Skateanlage von den Jugendlichen gut genutzt, erzählt Immel und fährt dabei entspannt die Straße entlang. Für die kleineren Harheimer stehen Spielgeräte umgeben von Wiesen bereit.

„Insgesamt ist es hier extrem friedlich.“ - Frank Immel, Ortsvorsteher

Orte, an denen sich Kinder austoben können, findet man im Stadtteil viele. Dabei sind die Spielplätze auffallend gut ausgestattet und sauber - auch im Rest der Stadt lässt sich wenig Müll auf den Straßen finden. „Insgesamt ist es hier extrem friedlich“, sagt Immel und ist sich dabei bewusst, dass sein Stadtteil sich auch damit von einem Großteil Frankfurts abhebt. Einbrüche und Diebstähle von Autos gebe es in Harheim dennoch genauso wie den Enkeltrick.

Ausgeprägte Vereinskultur

Doch friedlich heiße nicht, dass in Harheim nichts los ist. Als Beweis hält Immel vor dem Bürgerhaus, in dem die Kerb und die Fastnachtssitzungen stattfinden. Das Vereinsleben in Harheim sei ausgeprägt. Auch die Bezirkssportanlage sei ein zentraler Punkt für die Vereinskultur. Hier trainieren Mitglieder des Harheimer Turnvereins.

„Die Leute, die hier herziehen, haben meistens Kinder. Sie lernen sich über die Kita und den Turnverein kennen.“ - Frank Immel, Ortsvorsteher

Nicht weit davon wird gebaut - ein Bild, das man im Stadtteil an jeder Ecke antrifft. Neben der Halle wird erstmals ein Kunstrasenplatz entstehen, berichtet Immel stolz. „Von den Bambinis bis zu den Senioren sind alle Mannschaften besetzt, die brauchen den zweiten Platz“, sagt der Ortsvorsteher. „Die Leute, die hier herziehen, haben meistens Kinder. Sie lernen sich über die Kita und den Turnverein kennen.“

Landwirtschaft wichtiger Bestandteil

Anonymität gibt es im rund 5000 Einwohner starken Harheim nicht. So grüßt Immel immer wieder Passanten. Der Vater des Landwirts Axel Schmidt hält mit seinem großen blauen Traktor extra an, um Immel auf eine Enge einer Straße durch den Kanuverein aufmerksam zu machen.

Dabei blockiert der Senior selbst mit seinem Gefährt kurz die Straße. Beschwerden von dem nachkommenden Lastwagen gibt es nicht. Vielleicht auch, weil die Schmidts den größten Landwirtschaftlichen Betrieb in Harheim führen. Auf ihren Feldern werden Zuckerrüben, Raps, Getreide und Mais angepflanzt, erzählt Immel. Gekauft werden können die Produkte vor der eigenen Haustür in einem Laden, der zwischen Harheim und Nieder-Erlenbach angesiedelt ist. Neben den Schmidts kümmern sich einige Harheimer nebenberuflich um die Felder. Viele pflücken auch Äpfel von ihren eigenen Streuobstwiesen und stellen daraus Apfelwein für den privaten Gebrauch her.

Gaststätte neben dem Naturschutzgebiet

Diejenigen, die dies nicht tun, können ihr Lieblingsgetränk in dem Apfelwein-Garten „Goldener Löwe“ genießen. Die Gaststätte ist überregional bekannt, gibt Immel stolz Kund. Erst vor Kurzem sei sie neu verpachtet worden. Der neue Besitzer biete griechische Speisen an. Im Biergarten des Restaurants lässt es sich gut aushalten. Am Vormittag ist die Gaststätte geschlossen, weshalb man den Eschbach rauschen hört. Über kleine Brücken wenn nicht viel los ist, hört man den Eschbach rauschen. Etwas weiter südlich fließt der kleine Bach in die Nidda. Kleine Brücken erlauben es Immel die Gewässer zu überqueren.

Er gelangt in den Süden des Stadtteils, wo gerade ein neues Viertel entsteht. Rund 100 neue Einfamilienhäuser werden dort gebaut. Auch dieser Anblick ist typische für Harheim. In den vergangenen 15 Jahren sei der Stadtteil um ein Drittel seiner ursprünglichen Größe gewachsen.

„Harheim ist familienfreundlich, hat eine hohe Wohnqualität und man kennt sich hier.“ - Frank Immel, Ortsvorsteher

„Die Häuser scheinen sich gut zu verkaufen“, sagt Immel und deutet auf Häuser, deren Vorgärten bereits bepflanzt und an deren Fenstern schon Gardinen zu sehen sind. Besonders bei Familien seien die Häuser beliebt. „Harheim ist familienfreundlich, hat eine hohe Wohnqualität und man kennt sich hier“, beschreibt der 55-Jährige seinen Stadtteil. Auch gebe es dort entgegen dem Rest von Frankfurt noch die Möglichkeit, ein neues Einfamilienhaus zu ergattern - vorausgesetzt man verfügt über das nötige Kleingeld, denn auch im Dorf seien die Kaufpreise hoch.

Einfamilienhäuser können dort noch ergattert werden

Immel selbst ist aus genau diesen Gründen vor elf Jahren von Sachsenhausen nach Harheim gezogen. Er wurde Vater und suchte nach einem Eigenheim. Mit dieser Entscheidung ist der Ortsvorsteher äußerst zufrieden. Damit dies so bleibt, versucht er gemeinsam mit weiteren Bewohnern trotz stetigem Wachstum den familienfreundlichen Charakter des Stadtteils zu erhalten. Dabei scheint jeder Harheimer anders vorzugehen. Einigen ist der geplante Zuzug von Asylanten ein Dorn im Auge. Am südlichen Rand werden gerade Einfamilienhäuser für Geflüchtete gebaut.

Davor gab es heftige Diskussionen, erinnert sich Immel. „Es hat da alle Stimmen gegeben.“ Er selbst ist sich nicht sicher, ob der Plan der Stadt eine gute Idee ist. „Die sozialen Gegensätze werden hier ziemlich aufeinandertreffen.“ Auch die Bebauung des Pfingstbergs passe einigen Harheimer nicht.

Immel radelt weiter in den alten Ortskern. Dort hält er vor einer Kita. Neben Wohnhäusern sind diese in Harheim zahlreich vorhanden - entgegen der Gastronomie, die recht begrenzt ist. Es gibt im alten Kern des Dorfes - ganz in der Nähe des wohl kleinsten Rathauses Frankfurts - einen Bäcker, einen Metzger, ein Blumengeschäft und einen Kiosk. Der einzige Supermarkt, ein Netto liegt im nördlichen Neubaugebiet.

Mittig liegt eine Grundschule. „Ihre Kapazität wurde in den vergangenen Jahren verdoppelt“, sagt Immel. Grund dafür sei der große Zuzug. Eine weiterführende Schule hat Harheim allerdings nicht. „Wir hoffen, dass bei dem Neubaugebiet in Bonames die geplante weiterführende Schule schnell gebaut wird“, sagt Immel. Auch auf den Ausbau der S-Bahn-Station in Berkersheim freut sich Immel. Dann ist der Anschluss an die Innenstadt besser - doch ein Auto haben die meisten Harheimer dann doch. Oder eben ein Fahrrad, um ihren Stadtteil zu durchqueren - obwohl das zu Fuß auch in rund 20 Minuten machbar ist.

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