Frankfurter Warten: Hier wurde einst nach Gegnern Ausschau gehalten

Fünf bis zehn Söldner haben im Mittelalter von den Türmen aus die Stadt bewacht. Falls Gegner wahrgenommen wurden, gaben sie mit Fahnen oder Fackeln ein Zeichen an die Männer weiter, die die eigentliche Stadtmauer schützten.

Frankfurter Warten: Hier wurde einst nach Gegnern Ausschau gehalten

An vier Stellen im Stadtgebiet tauchen sie auf und gehören genauso zu Frankfurt, wie die Skyline oder der Römer. Trotzdem werden sie von Frankfurtern und Touristen nicht unbedingt als das Aushängeschild der Stadt angesehen. Doch was wäre Bockenheim ohne die Bockenheimer Warte? Und würde in Bornheim nicht etwas fehlen, wenn am höchsten Punkt des Stadtteils nicht die Friedberger Warte stünde? Die Frankfurter Warten können zwar nicht mehr ihre ursprüngliche Funktion erfüllen, doch charakteristisch für ihren Stadtteil sind sie trotzdem noch.

Schutz vor den Kronberger Rittern und den Herren von Hanau

Als Teil der Frankfurter Landwehranlage wurden die fünf Warten im 15. Jahrhundert gebaut. Die Landwehranlage war der zweite Schutzring, der sich um die damalige Reichsstadt Frankfurt zog. Und Schutz war damals nötig: Gegnern, die in der Nähe lebten, wie etwa die Kronberger Ritter und die Herren von Hanau, gefiel die aufstrebende Entwicklung Frankfurts nicht, weshalb sie die Reichsstadt in ihre Schranken weisen wollten. Zur Verteidigung bauten die Frankfurter in Form des heutigen Anlagenrings eine steinernde Stadtbefestigung, in die mehr als 40 Türme ähnlich dem Eschenheimer Turm eingebaut waren, so der Stadtführer und Autor Christian Setzepfandt. Damit mögliche Angreifer aber nicht direkt vor der Stadt bekämpft werden mussten, errichteten die Frankfurter die Landwehr, die sich etwa zwei Kilometer vor dem ersten Schutzring befand und gleichzeitig die Stadtgrenze darstellte.

„Wenn jemand in unfriedlicher Absicht kam, hat die Besatzung der Warte ein Lichtzeichen oder ein akustisches Zeichen an die anderen Türme gegeben.“ - Christian Setzepfandt, Stadtführer

Dort beschützten Eichenbäume, deren Äste ineinander verschränkt wurden, Dornenhecken, ein sechs Meter hoher Erdwall und ein Graben die Stadt und die Äcker, die sich zwischen erstem und zweitem Schutzring befanden. „Immer dort, wo Straßen durch die Landwehr hindurchgegangen sind, standen Warten“, sagt Setzepfandt. Die Warten bestanden aus einem Aussichtsturm, einem Wehrhof, einem Mannschaftsgebäude, einem Waffenlager und teilweise einem Brunnen. Fünf bis zehn Söldner beobachteten von der Warte aus die Umgebung. „Wenn jemand in unfriedlicher Absicht nach Frankfurt kam, hat die Besatzung der Warte ein Lichtzeichen oder ein akustisches Zeichen an die anderen Türme (Stadtbefestigung) gegeben“, so der Stadtführer.

Das Ziel: Der Konflikt solle etwas vor den Toren der Stadt ausgetragen werden. Doch die Söldner führten an den Warten auch Kontrollen durch: „Wer kommt? Was hatten die mit? - das wurde dort auch kontrolliert“, sagt Setzepfandt.

Als erste Warte wurde die Galluswarte Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet. Anfangs ein hölzerner Befestigungsturm, entstand 1414 ein Steinturm, der nach dem damaligen angrenzenden Galgenfeld benannt wurde, auf dem Menschen gehängt wurden. Es folgte die Bockenheimer Warte im Jahr 1434/35, die an der Grenze zur Stadt Bockenheim stand und den Schutz der Handelsstraße nach Köln - heutige Bockenheimer Landstraße und Leipziger Straße - gewährleisten sollte. 1470/71 wurde die Sachsenhäuser Warte gebaut, sieben Jahre später die Friedberger Warte.

Hat es nun eine fünfte gegeben, oder nicht?

Ob es am heutigen Ratswegkreisel auf der Hanauer Landstraße eine Hanauer Warte gab, sei laut Setzepfandt umstritten. Die Stadt ist da anderer Meinung und stellt klar: Die Warte hat es gegeben und sie trug den Namen Röderberger-Warte. „Die Röderberg-Warte war die unbedeutendste der Warten, da sie keinen Turm hatte“, so eine Sprecherin des Dezernats für Bau und Immobilien. „Sie wurde in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts abgebrochen. Warum ist uns nicht bekannt.“ Vom Riedhof, auf dem die Warte stand, sei heute aber noch der spätgotische Torbau erhalten.

An der Friedberger Warte wehrten die Frankfurter 1546 die kaiserlichen Truppen im Schmalkaldischen Krieg erfolgreich ab. Sechs Jahre später konnten die Warten allerdings nicht einhalten, was sie versprachen. 1552 durchbrachen die Truppen des Kurfürsten von Sachsen die Landwehr an der Friedberger Straße, zerstörten die Galluswarte sowie die Sachsenhäuser Warte, raubten 3000 Stück Vieh und schlugen ihre Lager unmittelbar vor der Stadtmauer auf. Große Auseinandersetzungen mit wichtigen geschichtlichen Personen gab es an den Warten laut Setzepfandt allerdings nicht.

„Sie stellen einen Teil der Frankfurter Geschichte dar.“ - Sprecherin des Dezernats für Bau und Immobilien

Mit der Entwicklung der Waffen- und Kriegstechniken wurden die Warten dann schnell unnützlich, wurden aber - nachdem sie teilweise zerstört waren - wieder aufgebaut und stehen heute unter Denkmalschutz. Denn: „Sie stellen einen Teil der Frankfurter Geschichte dar“, so die Sprecherin des Dezernats für Bau und Immobilien. Deshalb werden sie wie etwa die Sachsenhäuser Warte saniert oder ihr Vorplatz - so geschehen bei der Friedberger Warte - auf Vordermann gebracht. „Der bauliche Zustand der Warten ist gut und nach der Sanierung wird dies auch für die Sachsenhäuser Warte zutreffen“, heißt es von Seiten der Stadt. Zudem dienen die Türme (außer die Sachsenhäuser Warte) als Abluftschächte.

„Die vier Warten sind nicht unbedingt Teil einer meiner regulären Stadtrundfahrten und haben ein bisschen an Bedeutung für die Frankfurter verloren“, sagt Setzepfandt. Trotzdem haben sie je nach Beliebtheit des Gastronomieangebots vor Ort ihren Charme für die Frankfurter, gerade auch, wenn sie und ihre Umgebung saniert werden. Mit dem neuen Vorplatz sei die Friedberger Warte eher wieder Teil der Nachbarschaft, besonders für die Neubausiedlung, die in unmittelbarer Nähe entstanden ist.

Logo