So könnte Frankfurt das Bevölkerungswachstum bewältigen

Die Stadt wächst jährlich um tausende von Bürgern. Doch diese müssen alle irgendwo unterkommen. Wie der Bedarf an Wohnungen gedeckt werden kann, haben Vertreter des Planungsdezernats vorgestellt.

So könnte Frankfurt das Bevölkerungswachstum bewältigen

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat am Montag eine Strategie vorgestellt, wie die Stadt Frankfurt das Bevölkerungswachstum bewältigen könnte. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept wurde in Zusammenarbeit mit elf Ämtern und der Wirtschaftsförderung konzipiert und befand sich rund fünf Jahre in der Mache. Dabei wurden mehr als 200 Standorte innerhalb der Stadt auf ihr Potenzial für eine mögliche Erweiterung bis zum Jahr 2030 und folgende untersucht. Heraus kam ein Potenzial für rund 70.000 neue Wohnungseinheiten innerhalb der Stadt.

Ausgeglichene Stadtentwicklung angepeilt

„Die Herausforderungen der Stadtentwicklung können bewerkstelligt werden und gleichzeitig bleiben der Stadtwald und der GrünGürtel erhalten, Gewerbeflächen werden aktiviert und der Charakter der bestehenden Stadtteile bewahrt“, sagt Josef. Dabei schlagen die Experten und Politiker vor, innerhalb der jetzigen Bebauungsfläche 60 Prozent der neuen Wohn- und Gewerbeflächen zu errichten und 40 Prozent davon im Außenbereich - allerdings immer noch auf Frankfurter Gebiet. 30 Prozent der vorgeschlagenen Außenentwicklung fällt auf den neuen Stadtteil. Somit möchten Josef und sein Team bei der Weiterentwicklung Frankfurts sowohl auf neue Trabanten als auch auf Aufstockungen und Nahverdichtung setzten. Denn man wolle keinen Bereich in der Stadt alleine zu sehr belasten.

Schwerpunkte für die Stadtentwicklung

Und so entstanden für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept acht Schwerpunkte für die kommenden Jahre. Im Norden soll ein neuer Stadtteil errichtet werden. Das Gebiet Ginnheim, Dornbusch, Eckenheim und Preungesheim soll weiter verdichtet werden. Dort sei eine Aufstockung wegen der Erweiterung der Bundesbank nötig, so Josef. Zudem sollen Bornheim und Seckbach durch das Ernst-May-Viertel (Günthersburghöfe) und die Einhausung der A661 immer mehr miteinander verflochten werden.

„Zum Teil entwickeln wir dort überall schon.“ - Martin Huscher, Leiter des Stadtplanungsamts

In der Innenstadt sollen dafür mehr Hochhäuser konzipiert werden und eine Nahverdichtung stattfinden. Der Gutleuthafen soll als gemischtes Quartier stärker ausgebaut und das Europaviertel bis zum Römerhof erweitert werden. Für den Westen wird vorgeschlagen, sich mehr auf den Ausbau von Industrie und Gewerbe zu konzentrieren. „Zum Teil entwickeln wir dort überall schon“, sagt Martin Huscher, Leiter des Stadtplanungsamts. Doch auch neue Stadtquartiere seien dort auf derzeitigem Brachland möglich.

Versuch allen Interessen gerecht zu werden

Durch die Zusammenarbeit mit anderen Ämter wollte das Planungsdezernat sicherstellen, dass bei dem Konzept möglichst viele Interessen berücksichtigt werden. So orientiert sich die Strategie auch an der Vision, die Stadt sozial, klimafreundlich, mit viel Grün- und Erholungsflächen und wirtschaftlich stark zu gestalten. Auch wolle man Frankfurt nicht mehr als eine autogerechte Stadt denken, sondern innovative Mobilität durch die Stadtplanung fördern, erklärt Josef. Bei der Erstellung des Konzepts wurden die Bürger durch einen sogenannten „Stadt Dialog“ miteinbezogen. Dabei kam heraus, dass sich viele Frankfurter eine ausgeglichene Stadtentwicklung wünschen. Zudem wollen viele Bürger, dass die Stadtteile trotz Veränderungen ihren Charakter behalten, gibt der Planungsdezernent die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung wieder.

„Eine einfache Entwicklung wird es in Frankfurt nicht geben.“ - Mike Josef, Planungsdezernent

Doch alle Interessen könnten nicht immer berücksichtigt werden. „Jede Fläche, die wir uns angeschaut haben, hat gewisse Hürden“, sagt Josef. „Eine einfache Entwicklung wird es in Frankfurt nicht geben.“ Und einfach wird es trotz Zusammenarbeit mit zahlreichen Ämtern auch nicht werden, dieses Konzept von der Stadtverordnetenversammlung genehmigt zu bekommen. Und auch wenn der Strategie als Leitplan zugestimmt wird, muss jedes Projekt an sich noch einmal den obligatorischen Genehmigungsweg gehen. Auch hänge die Umsetzung der Flächenpotenziale von Faktoren, wie der Findung der Baufirmen ab - und natürlich davon, ob das besagte Gebiet der Stadt gehöre. Denn nur dann, könnten Mieten kontrolliert in einem bezahlbaren Rahmen gehalten werden, so Josef.

„Das ist ein ganz großer Wurf.“ - Mike Josef, Planungsdezernent

Doch der Stadtrat zeigt sich optimistisch und betont die Besonderheit des Plans: „Das ist ein ganz großer Wurf“, sagt der Planungsdezernent. Denn erstmals sei nun das Flächenpotenzial für die ganze Stadt herausgearbeitet worden. Wer das Konzept im Detail kennenlernen möchte, kann am Montag, 24. Juni, um 19 Uhr ins Planungsdezernat (Kurt-Schumacher-Straße 10) gehen. Dann wird das Integrierte Stadtentwicklungskonzept offiziell vorgestellt. (nm)

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