Keine Neugestaltung der Hauptwache in naher Zukunft

Seit Jahren ist sie im Gespräch, doch nichts passiert: Die Neugestaltung der Hauptwache. Im vergangenen Jahr wurde dann ein Ideenwettbewerb angekündigt, doch auch auf den lässt sich warten. Dabei gibt es schon Visionen für das Areal.

Keine Neugestaltung der Hauptwache in naher Zukunft

„Die Hauptwache besteht aus vielen verschiedenen Bausteinen, die nach und nach zusammengesetzt wurden.“ Das sagt der Stadtplaner und Dozent Michael Peterek von der Frankfurt University of Applied Siences. Erst kam die S- und U-Bahn, dann wurde der Verkehr ausgesperrt. Dazwischen steht die wiederaufgebaute Wache und natürlich das „Loch“, welches in die B-Ebene führt. „Es ist sinnvoll, über eine Umgestaltung nachzudenken“, findet Peterek. Und das macht die Stadt - seit vielen Jahren.

2010 gab es erste konkrete Planungen für eine Umgestaltung. Damals wurden 17 Millionen Euro im städtischen Haushalt für das Projekt freigegeben. Das Loch sollte geschlossen werden und das in die Taunusanlage ausquartierte Schillerdenkmal zurückgeholt werden. Die Pläne verliefen aber im Sande. Im Koalitionsvertrag von SPD, CDU und Grünen 2016 wurde dann ein neuer Anlauf gestartet. Im Oktober 2017 ist die Umgestaltung erneut kurz in der öffentlichen Diskussion aufgetaucht. Ein städtebaulicher Wettbewerb sollte ausgerufen werden.

Kein Wettbewerb bevor VGF die Prüfung abgeschlossen hat

„Man muss erst das Ergebnis der VGF abwarten.“ - Mark Gellert, Sprecher Planungsdezernat

Doch auch daraufhin passierte nichts. Beim Planungsdezernat nachgefragt, heißt es von Sprecher Mark Gellert: „Es ergibt keinen Sinn, jetzt einen Wettbewerb zu starten“, denn die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) prüft gerade die unterirdische Station, da diese saniert werden müsse. „Man muss erst das Ergebnis der VGF abwarten“, sagt Gellert. Dann müsse man mit ihnen und der Deutschen Bahn, der der S-Bahntunnel gehöre über die „Entfluchtung und Entrauchung“ im Bereich der Station reden, bevor es zu einer Umgestaltung des oberirdischen Areals kommen könne.

Im konkreten Fall des „Lochs“ müsse man laut Gellert schauen, was ein Zubau hinsichtlich der Statik. „Die Fläche müsste abgestützt werden.“ Man könne vor der Prüfung nicht sagen: „Machen wir dicht“. Doch auch unabhängig dessen gebe es für den oberirdischen Bereich aktuell keine weiteren Planungen.

Hafencity Hamburg als positives Beispiel

„Es wäre nicht nur ein wichtiger Aufenthaltsort, er würde auch die Kommunikation fördern und die Ausstrahlung der Stadt positiv beeinflussen.“ - Michael Peterek, Stadtplaner

Das bedauert Stadtplaner Peterek. Eine schön gestaltete Hauptwache wäre nicht nur für die Bürger von Vorteil. „Es wäre nicht nur ein wichtiger Aufenthaltsort, er würde auch die Kommunikation fördern und die Ausstrahlung der Stadt positiv beeinflussen.“ Er denke dabei unter anderem an die Partnerstadt Lyon, in der seit den neunziger Jahren „tolle Plätze“ gestaltet wurden und an die Hafencity in Hamburg. Dort ziehe sich ein einheitliches Konzept von Straßenbelag, Mobiliar, Sitzgelegenheiten und Beleuchtung durch das Areal.

„Mit dem Mainufer haben wir einen schönen Aufenthaltsort, das ginge auch auf der Hauptwache.“ - Michael Peterek

Peterek hofft, dass gerade durch einen internationalen Wettbewerb solche positiven Beispiele Frankfurt zu Gute kommen können. Er könne sich gut vorstellen, aus der Hauptwache eine einheitliche Anlage zu machen, auf der es Grünflächen gebe und Sitzgelegenheiten. Auch kleinere Bauten ließen sich neben der Wache verwirklichen. „Mit dem Mainufer haben wir einen schönen Aufenthaltsort, das ginge auch auf der Hauptwache.“

Fragen nach Notwendigkeit tauchen immer wieder auf

Doch nicht nur für die Bürger hätte die Umgestaltung einen positiven Effekt. Auch für den Einzelhandel, der seit längerem über sinkende Umsätze klagt, wäre eine höhere Aufenthaltsqualität rund um die Hauptwache von Vorteil. Der Stadtraum werde insgesamt belebter, wenn es schön gestaltete Plätze gebe, davon würde auch der Handel profitieren, sagt Peterek. „In Tübingen und Freiburg sieht man das. Dort ist die Altstadt verkehrsberuhigt und seit dieser Maßnahme floriert dort der Einzelhandel.“

Auch wegen der Finanzierung einer Umgestaltung macht sich Peterek keine Sorgen. „Keiner stellt Kosten für unterirdische Infrastrukturmaßnahmen in Frage, im öffentlichen Raum taucht aber immer die Frage auf: Ist das notwendig?“ Man müsse bei dem Wettbewerb eine Vorgabe für die Kosten machen. Aber im Vergleich zur neuen Altstadt wäre es in jedem Fall nur ein Bruchteil der Kosten.

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