Warum es in Frankfurt jetzt eine Muttermilch-Bank gibt

Nicht jede Frau kann ihr Kind mit eigener Muttermilch stillen - dabei ist sie besonders für Frühchen sehr wichtig. Für solche Notfälle hat in Frankfurt nun Hessens erste Muttermilch-Bank eröffnet.

Warum es in Frankfurt jetzt eine Muttermilch-Bank gibt

Frauen, die mehr Muttermilch produzieren, als für ihre Kinder nötig ist, haben in Frankfurt seit kurzem die Möglichkeit, etwas Gutes zu tun. In Hessens erster Muttermilch-Bank können sie überschüssige Milch spenden, die dort gesammelt, getestet und aufbereitet wird. Insgesamt gibt es in Deutschland 23 Muttermilch-Banken.

Die gespendete Muttermilch kommt Kindern zugute, die sie besonders dringend brauchen und deren Mütter sie nicht mit eigener Milch füttern können. Vor allem Frühchen werden mit der gespendeten Milch ernährt - für sie ist Muttermilch besonders wichtig.

Verantwortlich für das Projekt sind der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen und die Frankfurter Uniklinik. „Schon seit vielen Jahren ist bewiesen, dass Frühgeborene, die die Milch ihrer eigenen Mutter erhalten, weniger Komplikationen haben. Auch die neurologische Entwicklung ist besser“, so Thomas Klingebiel, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik, bei der Vorstellung des Projekts am Montag. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Kinder so weniger lange künstlich ernährt werden müssten.

So spenden Frauen Muttermilch

Aber wie wird eine Frau zur Spenderin? Die stillenden Mütter, die mehr Milch zur Verfügung haben, werden auf der Neugeborenenstation angesprochen. Ist der Wille zu spenden da, wird die Frau aufgeklärt, untersucht und als Spenderin registriert. Die Milchspende selbst läuft dann ähnlich ab wie eine Blutspende - denn auch die Muttermilch wird streng kontrolliert.

In etikettierten Milchflaschen wird die Muttermilch schließlich via Kühlbox in die Muttermilch-Bank gebracht. Dort wird sie von den Mitarbeitern des Blutspendedienstes gewogen und untersucht. Auch das Blut der Spenderinnen wird mehrmals untersucht, bevor die Milch aufgetaut, gemischt und anschließend in Babyfläschchen in Portionen von etwa 50 Millilitern abgefüllt und pasteurisiert wird.

Bakterien werden so abgetötet, die für das Verdauungssystem der Babys wichtigen Oligosaccharide bleiben aber weitestgehend erhalten. Tiefgekühlt ist die in der Muttermilch-Bank hergestellte Milch sechs Monate haltbar. Gefüttert wird sie dann in kleinen Portionen auf der Neugeborenen-Station.

Frankfurter Bank als „einzigartiges Modell“

Über den Start des Projekts zeigten sich die Verantwortlichen am Montag sehr glücklich. „Diese Frauenmilchbank ist ein bisher einzigartiges Modell in Deutschland“, sagt Erhard Seifried, ärztlicher Direktor des DRK-Blutspendedienstes. „Die Erfahrung der Kinderärzte und Laktationsberater des Universitätsklinikums Frankfurt wird mit dem Wissen der Blutbank im Umgang mit menschlichem Material und ihren logistischen Möglichkeiten synergistisch genutzt.“

Unterstützt wird das Projekt auch von der Kinderhilfestiftung in Frankfurt und dem Frankfurter Förderverein zur Bekämpfung von Tumorerkrankungen. Insgesamt 110.000 Euro haben beide beigesteuert. „Die Muttermilch-Bank leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Verbesserung der Säuglings- und Kindergesundheit in unserer Region“, erläutert Michael Henning, Vorsitzender der Kinderhilfestiftung. (pk)

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