Senioren zwischen Mini-Rente und steigenden Mieten gefangen

Während die Mieten in der Stadt stetig steigen, kommen einige Rentner in Bedrängnis. Sie beziehen eine kleine Rente und sehen sich immer weniger in der Lage, für die Wohnkosten aufzukommen. Wie wird ihnen geholfen?

Senioren zwischen Mini-Rente und steigenden Mieten gefangen

Die steigenden Mieten in der Stadt sind wohl etwas, das einem Großteil der Frankfurter Sorgen bereitet. Doch besonders ein Teil der Bevölkerung sieht sich der aktuellen Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt machtlos ausgeliefert: Senioren mit einer Mini-Rente. Denn anders, als ihre jüngeren Nachbarn, können sie sich wegen ihres Alters oder dem gesundheitlichen Zustand nicht noch ein paar Euro dazuverdienen, wenn das monatliche Einkommen zum Überleben nicht mehr reicht. Dieses Problem hat auch Merkurist-Leser Michael erkannt. Er fragt in einem Snip: „Zu erwartende Mini-Renten und steigende Mieten: Wie sieht Frankfurts Plan B aus?“

Wie viele Frankfurter sind von Altersarmut betroffen?

Laut Michaela Skotnik, Sprecherin des Dezernats für Soziales und Senioren, bezogen im Dezember 2018 knapp 10.5000 Frankfurter, die älter als 65 Jahre sind, die Grundsicherung im Alter. Das sind 8,97 Prozent der Altersklasse. In den vergangenen drei Jahren ist diese Zahl leicht um 0,37 Prozent gestiegen. Sie stellt die Anzahl der Rentner dar, die sich ohne eine staatliche Unterstützung ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren können.

„Wir bekommen öfter geschildert, wie schwer es für Senioren ist, ihre Miete zu zahlen.“ - Rolf Janßen, Geschäftsführer DMB Mieterschutzverein

Mit diesen Rentnern haben die Mitarbeiter des DMB Mieterschutzvereins Frankfurt am Main des öfteren Kontakt. „Wir bekommen öfter geschildert, wie schwer es für Senioren ist, ihre Miete zu zahlen“, sagt Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins Frankfurt am Main. Dabei müssten die älteren Frankfurter meist mehr als 60 Prozent ihrer Rente für die Miete aufwenden. Zwar sei ihre Wohnung meist zu groß und sie könnten auch ohne Probleme in einer kleineren leben, doch diese sei dann meist noch teurer. Zudem stelle ein Umzug die Senioren oftmals vor Herausforderungen; eine neue Umgebung und ein Kraftaufwand durch den Umzug an sich.

„Sie sehen sich einem Wohnungsmarkt ausgesetzt, wo die Mieten immer höher werden und zu keiner Relation der Renten stehen.“ - Rolf Janßen, DMB Mieterschutzverein

„Die Gruppe der betroffenen Senioren wird immer größer und es zeigt sich keine positive Perspektive für sie“, so Janßen weiter. „Sie sehen sich einem Wohnungsmarkt ausgesetzt, wo die Mieten immer höher werden und zu keiner Relation der Renten stehen.“ Merkurist-Leser Michael macht noch auf ein weiteres Problem aufmerksam:

Und so stünden einige Senioren vor dem Problem, dass sie am 20. eines Monats nicht mehr wissen, ob sie sich die Lebensmittel für den restlichen Monat leisten können.

Wohnvermittlungs-Programm

Doch für Senioren, die sich in einer solchen Lage wiederfinden, gibt es in Frankfurt zahlreiche Hilfsangebote. Sie können sich für eine Sozialwohnung bei der ABG oder der Nassauischen Heimstätte bewerben oder am städtischen Wohnvermittlungsprogramm speziell für ältere Frankfurter teilnehmen. Das Programm wird vom städtischen Wohnamt organisiert und vermittel günstige Wohnungen verschiedenster Träger an Senioren.

„Im Alter steigen die Ausgaben.“- Laura Brüggemann, Frankfurter Verband

Einer dieser Träger ist der Frankfurter Verband. „In unseren Wohnanlagen gibt es ein Betreuungsangebot, einen Hausnotruf und eine Beratung durch einen Sozialdienst“, sagt Laura Brüggemann vom Frankfurter Verband. In den Gesprächen mit den Bewohnern werde aber trotzdem deutlich, dass die finanzielle Versorgung der Senioren für diese ein Problem darstellt. „Sie haben wegen ihres Alters zusätzlich ganz andere Herausforderungen im Leben zu meistern“, sagt Brüggemann. „Im Alter steigen die Ausgaben.“ Die Rentner brauchen Medikamente, Hilfsmittel wie Rollatoren, die sie nicht vollständig von der Krankenkasse bezahlt bekommen.

„Wenn es um praktische Hilfen geht, können sie sich auch an die Caritas und die örtliche Kirche wenden.“ - Rolf Janßen, DMB Mieterschutzverein

Damit sich die älteren Frankfurter trotz der höheren Ausgaben am Sozialleben beteiligen können, gebe es in den Begegnungszentren des Frankfurter Verbands Sozialpreise. „Viele könnten es sich sonst nicht leisten, an einem Ausflug teilzunehmen“, so Brüggemann. Zudem bietet der Verband Sportkurse, Feste und Drei-Gänge-Menüs zu kleinen Preisen an. Der Arbeiterwohlfahrtsverband (AWO) und die Diakonie haben beispielsweise ähnliche Angebote. „Wenn es um praktische Hilfen geht, können sie sich auch an die Caritas und die örtliche Kirche wenden“, fügt Janßen vom DMB hinzu.

Viele kennen Angebote nicht

Auch die Stadt bietet zahlreiche Unterstützungen an. „Frankfurt ist bezogen auf die Altenhilfe sehr engagiert und gut aufgestellt“, sagt Sknotik. „Das Problem ist jedoch, dass viele Seniorinnen und Senioren die Angebote der Stadt und der freien Träger nicht kennen.“ Zudem sei es manchen älteren Frankfurtern peinlich, die Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen oder sich überhaupt erst einmal zu einer Beratungsstelle zu begeben. Neben der Grundsicherung, die eine alleinstehende Person mit bis zu 424 Euro monatlich versorgt und eine mögliche Übernahme der Miete und der Heizkosten, trage die Stadt auch in einigen Fällen die Pflegekosten. Mit der Aktion „Essen auf Rädern“, der Organisation von Altenclubs und Altentreffs, dem Frankfurter Pass und dem neuen RMV-Seniorenticket werde betroffenen Rentner auch geholfen.

„Wir müssen auch die Vereinsamung im Blick haben, die durch fehlende finanzielle Ressourcen befördert wird.“ - Manuela Skotnik, Sprecherin Dezernat Soziales und Senioren

Für die Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) sei das Thema ein wichtiges: „Aus der Sicht der Stadträtin ist Altersarmut mehr als ein finanzielle Problem“, sagt Skotnik. Und weiter: „Wir müssen auch die Vereinsamung im Blick haben, die durch fehlende finanzielle Ressourcen befördert wird.“ Und so plant die Stadt, noch mehr Werbung für ihre bereits bestehenden Angebote zu machen. (pk)

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