Teestube Jona immer beliebter bei Wohnungslosen

Menschen, die auf der Straße leben, gehören zum Frankfurter Stadtbild dazu. Einige von ihnen treffen sich regelmäßig in der Teestube Jona. Doch dort herrscht Personalmangel.

Teestube Jona immer beliebter bei Wohnungslosen

Wenn sich Wohnungslose nicht auf der Straße aufhalten, sind sie meist in einer der Hilfseinrichtungen der Stadt. Oftmals auch in der Teestube Jona im Gutleutviertel. Dort sollen sie die Möglichkeit haben, zu duschen, zu entspannen, mit Gleichgesinnten zusammenzukommen oder sich von Sozialarbeitern beraten zu lassen. Während das Angebot von den Wohnungslosen immer besser angenommen wird, schrumpft das Team der Stube. Damit befinden sich die wenigen Menschen, die die Einrichtung betreiben, an der Grenze ihrer Kräfte. Sie hoffen auf Unterstützung - und das nicht nur in personeller Hinsicht.

„Wir sehen uns als Wohnzimmer für Menschen ohne Wohnung.“ - Nadine Müller, Leiterin der Einrichtung

Die Betreiber der Teestube Jona sitzen am Montagmorgen zu fünft vor den Pressevertretern - viel mehr sind sie auch generell nicht. Und das, obwohl sie einen Raum bereitstellen, in dem täglich 90 bis 130 Wohnungslose zusammenkommen. „Wir sehen uns als Wohnzimmer für Menschen ohne Wohnung“, sagt die Einrichtungsleiterin Nadine Müller.

Einen Raum im ersten Geschoss in einer Altbauwohnung, in dem sie in einer gemütlichen Atmosphäre zusammenkommen, Spiele spielen, für wenig Geld einen Kaffee, einen Snack oder sonntags eine warme Mahlzeit zu sich nehmen können. Dabei können die Gäste auch mit einem Sozialarbeiter über ihre prekäre Lage reden und langfristig vielleicht einen Ausweg daraus finden.

„Einfach mal die Tür hinter sich zumachen zu können, tut vielen sehr gut.“ - Nadine Müller, Leiterin der Einrichtung

Zudem können sie vor Ort ins Internet gehen, sich einmal im Monat die Haare schneiden lassen, ihre Kleidung waschen und in einem abgesonderten Raum bis zu 30 Minuten duschen. „Einfach mal die Tür hinter sich zumachen zu können, tut vielen sehr gut“, sagt Müller.

Durch persönlichen Kontakt das Konfliktpotential verringern

Auch gut tue ihnen der persönliche Kontakt mit den Leuten vor Ort. Das Konfliktpotential zwischen den Besuchern versucht das kleine Team möglichst gering zu halten. Das sei vor allem eine Sache der Beziehungsarbeit, indem die Mitarbeiter die Gäste mit Namen oder Spitznamen kennen und dafür sorgen, dass die Wohnungslosen auch miteinander ins Gespräch kommen. In seltenen Fällen werde auch einmal ein Hausverbot erteilt, etwa wenn Alkohol mitgebracht oder Gewalt angewandt wird. Die meisten wüssten allerdings ein paar Stunden später auch so, dass sie sich daneben benommen haben und kämen von sich aus mit einer Entschuldigung zurück.

Zum Team der Teestube Jona gehören drei festangestellte Mitarbeiter und zehn bis fünfzehn ehrenamtliche Helfer. Eine der Festangestellten, Korinna Egger, ist hauptsächlich mit dem Wohnhaus der Teestube beschäftigt und deshalb nur einen beschränkten Zeitraum in der Gutleutstraße. Egger betreut die Doppelhaushälfte in einer Straße zwischen Höchst und Sindlingen, die sieben Bewohnern als Übergangslösung zwischen der Wohnungslosigkeit und einem eigenständigen Wohnen dienen soll.

Dort geht es darum, den Bewohner nicht nur ein festes Dach über dem Kopf zu ermöglichen, sondern sie auch zu lehren, wie sie ihren Alltag strukturieren und bewältigen, mögliche Schulden regulieren und mit persönlichen und familiären Krisensituationen umzugehen. Auch dieses zusätzliche Angebot werde sehr gut angenommen, so Egger.

Schwankende finanzielle Mittel

Doch um dem Bedarf weiterhin gerecht zu werden, sucht das Team der Teestube Jona dringend Unterstützung. Neben zwei offenen Stellen für Sozialarbeiter seien Sachspenden oder Finanzspritzen immer gerne gesehen, sagt Stephan Knobel, Vorsitzender des Trägervereins „Projektgruppe Bahnhofsviertel“. Mitglieder des Vereins haben vor 36 Jahren die Teestube gegründet.

„Die Mittel, die wir haben, sind überschaubar und nicht kalkulierbar.“ - Stephan Knobel, Verein „Projektgruppe Bahnhofsviertel“

„Die Mittel, die wir haben, sind überschaubar und nicht kalkulierbar“, so Knobel. So bekommt der Verein seine Gelder vom Landeswohlfahrtsverband, der Stadt Frankfurt, von Gerichten aus dem Topf der Bußgelder und Spenden von Privatpersonen - wobei letzteres einen Großteil ausmache. Gerade im Hinblick auf die wachsende Anzahl der Wohnungslosen seien die schwankenden finanziellen Mittel ein Problem. Laut dem Pressesprecher der Teestube, Daniel Schmid, haben Schätzungen nach derzeit rund 4000 Menschen in Frankfurt keine feste Bleibe, etwa 300 schlafen jeden Tag auf der Straße.

„Es sind schließlich Menschen und da ist Respekt angebracht.“ - Nadine Müller, Leiterin der Einrichtung

Auf der Straße, wo viele Frankfurter mit ihnen in Kontakt kommen und oftmals nicht richtig wissen, wie sie mit ihnen umgehen sollen - vor allem, wenn sie aktiv nach Kleingeld fragen. „Einfach ignorieren ist nicht respektvoll“, sagt Müller. Stattdessen solle man ihnen in die Augen schauen und dann „Nein“ sagen, wenn man ihnen nichts geben möchte. „Es sind schließlich Menschen und da ist Respekt angebracht“, sagt die Leiterin weiter. „Man weiß nie, in welcher Situation sie sind.“

In einem gänzlich anderen Rahmen auf die Wohnungslosen treffen können Interessierte während eines Poetry Slams beim „Bunten Abend“ am 31. Mai ab 19:30 Uhr. Unter anderem werden der amtierende Hessenmeister im Poetry Slam Jan Cönig, die Komödiantin Melanie Gerland und die Singer-Songwriterin Daria Miller auftreten. Den Eintrittspreis können die Besucher auf Spendenbasis selbst festlegen. (mr)

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