Autofahren in Flip-Flops - wer haftet im Schadensfall?

Flip-Flops am Steuer sind nicht verboten. Im Schadensfall kann es aber trotzdem zu Problemen mit der Versicherung kommen. Warum das so ist und wie sich das vermeiden lässt.

Autofahren in Flip-Flops - wer haftet im Schadensfall?

Es ist heiß in Wiesbaden. Wohl dem, der eine Klimaanlage in seinem Auto hat. Aber egal ob mit oder ohne — viele Autofahrer treten dieser Tage mit Flip-Flops auf’s Brems-, Gas- oder Kupplungspedal. Kein Wunder, sind die offenen Schuhe nicht nur luftig, sondern auch in Puncto Style schon lange wieder gesellschaftsfähig. Aber darf man in dem losen Schuhwerk überhaupt hinter’s Steuer?

Ja, aber …

Die kurze Antwort: Ja, darf man. Es gibt keine Regelung, die in Deutschland die Kleidung oder das Schuhwerk beim Autofahren vorschreibt. Es ist also egal, ob Stahlkappenstiefel, High-Heels oder Flip-Flops. Erlaubt ist, was gefällt. Trotzdem scheint die Frage — ob erlaubt oder nicht — jedes Jahr auf’s Neue aufzukommen.

Schließlich bieten die losen Schuhe einfach nicht den Halt, den festes Schuhwerk mit sich bringt. Egal ob herausrutschen oder einklemmen: Flip-Flops bringen einfach mehr mögliche Fehler- und Gefahrenquellen mit sich als andere Schuhe. Und so kann es auch sein, dass man bei einem Unfall 35 Euro Bußgeld oder mehr zahlen muss. Denn die Straßenverkehrsordnung besagt, dass die allgemeine Sorgfaltspflicht eingehalten werden muss. Und die könnte durch das Tragen von Flip-Flops beeinträchtigt sein.

Was sagt die Versicherung im Schadensfall?

So weit die Theorie. Wenn es dann aber wirklich mal in losen Schuhen gekracht hat, wird es kompliziert. Das weiß Marcus Schmidt, von der Versicherung Ergo aus Wiesbaden. „Gesetzlich ist das nicht verboten. Kommt es aber zu einem Unfall, kann es zu einer Teilschuld, und damit einer Quotelung kommen.“ Das heißt, dass der Fahrer einen Teil der Unfallkosten übernehmen muss. Wie hoch die Quotelung angesetzt wird, sei von Fall zu Fall unterschiedlich.

„Es ist nicht so einfach.“ - Marcus Schmidt, Ergo Versicherung

„Wenn es um einen Unfall geht, der so oder so passiert wäre, sieht die Sache anders aus, als wenn der Unfall durch ein früheres oder härteres Bremsen hätte verhindert werden können“, erklärt Schmidt. Denn dann kann dem Flip-Flop-Fahrer eine Teilschuld zugeschrieben werden. „Es ist also nicht so einfach“, fasst Schmidt zusammen.

Solche Fälle gibt es immer wieder, wie Schmidt erklärt. Sie machten jedoch keinen großen Anteil an der Gesamtzahl an Unfällen aus. „Nur wenn so etwas passiert, ist es natürlich auch eher in der Presse.“ Die Dunkelziffer könnte aber höher liegen. Denn damit die Versicherung dem Fahrer sein Schuhwerk überhaupt nachweisen kann, bedarf es oft einem Polizeibericht. „Das passiert nur, wenn die Polizei ermittelt, für die Versicherung zum Beispiel etwas unklar ist und deshalb die Schadensakte von der Polizei eingefordert wird. Dort wird dann erwähnt, ob der Fahrer Flip-Flops getragen hat.“

Im Grunde, fasst Schmidt zusammen, seien Flip-Flops eigentlich kein geeignetes Schuhwerk zum Autofahren. Dass dadurch aber auch automatisch mehr Unfälle passieren, kann aber nicht gesagt werden. (js)

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