Perfekte Fotos: Wie die Nutzung von Instagram unsere Selbstliebe trüben kann

Instagram bietet Selbstdarstellern eine optimale Plattform. Viele Menschen lassen sich von perfekt inszenierten Fotos blenden, sind dadurch sehr kritisch mit dem eigenen Körper und nehmen diesen negativer wahr. Das kann sogar krank machen.

Perfekte Fotos: Wie die Nutzung von Instagram unsere Selbstliebe trüben kann

Instagram ist das Netzwerk der gestählten Körper, der perfekten Food-Fotografien und des Luxus-Lifestyles. Durch das soziale Netzwerk vergleichen wir uns, oftmals unbewusst, mit anderen Menschen. Zu sehen sind eine Vielzahl schöner Bilder - durchtrainierte Körper, streng kalorienarme und als gesund betitelte Mahlzeiten, die neuesten Modetrends sowie schön eingerichtete Wohnungen.

Wenn das eigene Leben glanzlos wirkt

Durchschnittlich 32 Minuten sind Jugendliche unter 25 Jahren laut einer britischen Studie der Royal society for public health, täglich bei Instagram aktiv. Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene fühlen sich vom Perfektionismus der sozialen Medien zunehmend unter Druck gesetzt. Denn der eigene Körper, die Mahlzeit, die Wohnung und die Kleidung wirken hingegen oft glanzlos. Es wächst der Anspruch, gut auszusehen, schöne Dinge zu besitzen und ein aufregendes Leben zu führen, um in die vermeintlich perfekte Instagram-Gesellschaft zu passen.

Auch Blogger und Influencer betroffen

Influencer und Blogger sind die Stars vieler Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen und versorgen ihre Fans regelmäßig mit Bildern, die sie und ihren perfekten Lifestyle zeigen. Dass bei der Auswahl von Mode, Styling, Accessoires und Hintergrundkulissen jedoch kaum etwas dem Zufall überlassen wird, ist dabei vielen Usern nicht bewusst. Anschließend kommen Apps oder Softwares zur Bildbearbeitung zum Einsatz. Die Hüfte etwas schmaler, die Beine länger und die Cellulite glatt gebügelt – Photoshop und Co. machen es möglich.

„Ich habe tatsächlich auch einige Bloggerinnen bei mir in der Praxis.“ - Miriam Hoff

Es scheint, Blogger und Influencer führen ein sehr beneidenswertes Leben. Doch der Perfektionismus, der hohe Anspruch, nur hervorragende Bilder zu posten und das eigene Leben nach außen immer besonders darzustellen, diese Faktoren können auch bei Bloggern und Influencern selbst zu psychischen Problemen führen, wie die Frankfurter Psychotherapeutin Miriam Hoff berichtet.

Fragwürdige Magertrends

Schonmal etwas von Collarbone Challenge oder Paper Waist Challenge gehört? Dahinter stecken sehr fragwürdige Wettbewerbe im Netz, in denen sich User untereinander dazu animieren, abzunehmen. Bei der Collarbone Challenge, die im Sommer 2015 Einzug in die sozialen Netzwerke hielt, ging es darum, möglichst viele Münzen auf dem hervorstehenden Schlüsselbein zu platzieren. Je mehr Münzen Platz finden, desto dünner und attraktiver sei die Person, so das Denken vieler User. Die sogenannte Paper Waist Challenge fordert, ein DIN A4-Blatt hochkant vor der eigenen Taille zu platzieren. Nur, wessen Taille durch das Blatt komplett bedeckt wird, gilt für manche Challenger als schlank.

Mia und Ana

Hinter den Schlagworten Ana und Mia verbergen sich bei Instagram unter anderem Bilder von Magersüchtigen und Essgestörten. Ana steht dabei für die Krankheit Anorexia, also Magersucht, Mia steht für „Bulimia Nervosa“ und damit für Bulimie. Auf solch gesundheitsgefährende Hashtags hat Instagram mit einer Sonderfunktion reagiert.

„Beiträge mit Worten oder Markierungen, nach denen du suchst, können Verhaltensweisen fördern, die Schaden anrichten oder gar zum Tod führen“- Instagram

Denn wer die Hashtags in die Suchleiste eingibt, wird vor dem Blick auf die Bilder durch das System darauf aufmerksam gemacht, dass „Beiträge mit Worten oder Markierungen, nach denen du suchst, Verhaltensweisen fördern können, die Schaden anrichten oder gar zum Tod führen“. Trotzdem hat der User die Möglichkeit, sich durch einen weiteren Klick die Bilder anzuschauen.

Britische Studie

Für die britische Studie, die die positiven und negativen Effekte von Social Media auf die Gesundheit junger Menschen untersucht hat, wurden 1500 Menschen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren befragt. Instagram wird darin der schädlichste Einfluss zugeschrieben. Sieben von zehn Personen gaben an, dass sich durch die Nutzung des Bildnetzwerks die Wahrnehmung des eigenen Körpers verschlechtert habe. Die Hälfte der befragten 14- bis 24-Jährigen gab zudem an, dass Instagram und Facebook ihre Angstgefühle verstärken. Aber warum posten wir eigentlich unsere Bilder und Videos in den sozialen Netzwerken und teilen so unser Leben mit teilweise völlig fremden Menschen?

Instagram macht...

Wer in die Suche von Google „Instagram macht“ eingibt, dem werden prompt „krank“ oder „unglücklich“ als weiterführende, am häufigsten gesuchte, Begriffe vorgeschlagen. Psychotherapeutin Hoff hat nicht nur täglich mit jungen Mädchen zu tun, die sich durch Instagram und Co. unter Druck gesetzt fühlen, sondern sie selbst kennt das Gefühl, unter hohem Schönheitsdruck zu stehen - denn die 42-Jährige war früher Schönheitskönigin. Im Alter von 20 Jahren wurde Hoff, die damals noch Ruppert hieß, zu „Miss Arabella“ in der Talkshow von Arabella Kiesbauer gekürt. Als „Miss Arabella“ wurde sie dann zur „Miss Germany 1996“ von der damaligen „Miss Germany Association“ gekrönt. Lange Zeit arbeitete Hoff als Fotomodell in Frankfurt und Paris. Durch ihren Werdegang und ihre Erfahrung mit Schönheitsidealen kann sie sich besonders gut in ihre Patienten hineinversetzen, sagt sie.

Wie lässt sich dem entgegenwirken?

Doch was könnte eine Lösung für diese Probleme sein? Wäre es vielleicht sinnvoll, Bilder, die bearbeitet und retuschiert wurden, zu kennzeichnen? Würden so mehr „echte“ Bilder gepostet? Könnte zudem der Sinn für die fehlende Realität geschärft und damit ein gesundes Körperbild gefördert werden?

Instagram sollte laut Hoff zumindest nicht verteufelt werden. Denn durch das soziale Netzwerk können wir durchaus positive Dinge tun, beispielsweise Kontakte pflegen. Instagram könne zudem unentdeckte Fähigkeiten, wie ein Talent für die Fotografie, zum Vorschein bringen und diese positiv unterstützen. Jedoch könne das Posten ausschließlich perfekter Bilder, nur um eine gute Außendarstellung zu erzielen, in Verbindung mit einem verminderten Selbstwertgefühl abhängig und unglücklich machen. Empfehlenswert sei deshalb, sich die eigenen Wünsche und die eigene Persönlichkeit klarzumachen und diese den Bildern und Videos in den sozialen Netzwerken voranzustellen.

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