Hier bringen Euch Profis bei, einen Drink zu mixen

Seit neustem wird in Frankfurt eine „ShakeNight“ angeboten. Bei der Veranstaltung lernen Interessierte, wie man bestimmte Drinks kreiert und können alle anderen Fragen loswerden, die sie einem Bartender schon einmal stellen wollten.

Hier bringen Euch Profis bei, einen Drink zu mixen

Neun Menschen hatten sich am frühen Mittwochabend in der „Barhundert“ nahe des Eschenheimer Tors zusammengefunden. Sie alle hatten eines gemeinsam: Sie wollten lernen, wie man einen Drink mixt und nahmen deshalb an der „ShakeNight“ teil. Das Event ist neu in Frankfurt. Die Gründer aus Berlin möchten dabei Anfängern das Zusammenstellen von Cocktails und alkoholischen Mischgetränken beibringen, ihnen den Beruf des Bartenders näherzubringen und eine soziale Veranstaltung schaffen, bei der Menschen offline zusammenfinden. Diesmal drehte sich alles um den Negroni. „Aperol Spritz ist das Einzige, das ich selbst herstellen kann“, sagte Teilnehmerin Bettina bevor es losging. Das sollte sich in der nächsten Stunde ändern.

Nicht nur konsumieren, sondern selbst kreieren

Bettina war gemeinsam mit ihrem Mann Karl-Heinz aus dem Taunus nahe Königsberg in die Stadt gekommen, um „nicht nur herzukommen und zu konsumieren, sondern zu schauen, was dahinter steckt“. Das Ehepaar ist im mittleren Alter und damit die ältesten der neun Teilnehmer, die auf den Barhöckern saßen und ein Shaker-Set vor sich hatten. Damit die Stimmung von Anfang an gut war, gab es einen Willkommensdrink. Dafür hatte der Inhaber der „Barhundert“ Mümatz gemeinsam mit seinem Bartender Dennian ein Getränk aus Gin, rotem Vermut, Olivenbitter und Tonic zusammengemischt.

Der Drink gab auch vor, in welche Richtung die Alkoholverkostung gehen wird: bitter und frisch und sehr alkoholintensiv.

„Ich mag es lieber süß.“ - Teilnehmerin

Bettinas Geschmack traf dies, eine andere Teilnehmerin war nicht so begeistert und verzog das Gesicht. „Die Drinks heute sind nicht so meins“, sagte sie. „Ich mag es lieber süß.“ Dennoch probierte sie offen alle Getränke weiter. Das Kreieren der Cocktails schien dann aber trotzdem allen Spaß zu machen. Für den Negroni sollten die Teilnehmer in zweier Teams jeweils drei Centiliter Gin, Vermont und Campari zwischen dicken Eiswürfeln verrühren, dann über einen sogenannten Sprawler in ein Glas - ebenfalls mit Eiswürfeln gefüllt - abkippen. Dann noch ein Teil einer Orangen- und Zitronenschale verdrehen, damit das Aroma schon einmal in den Alkohol tropfen kann und schließlich die Schalen selbst ins Glas schmeißen.

Manche Bartender reiben damit auch noch den Rand des Glases ein, sagt Dennian. Doch er selbst finde, das verfälsche zu sehr das erste Nippen am Getränk. Mehrere Teilnehmerinnen gaben noch etwas Soda dazu - was übrigens nichts anderes als eine Sorte Sprudelwasser ist -, um das Getränk weniger intensiv zu machen. „Ich hab richtig Spaß und bin jetzt schon beschwipst“, teilte Bettina mit und wartete enthusiastisch darauf, im zweiten Schritt ihre eigene Variante des Negroni zu kreieren. Entstanden ist der Drink um 1920 in Italien vom Graf Negroni. Dieser fand sich in einer Bar in Florenz wieder und bestellte als Gin-Liebhaber einen Americano. Doch der war ihm nicht stark genug. Deswegen bat er den Bartender, statt Soda Gin in das Getränk zu machen, erklärte Dennian.

Individuelle Abwandlung des Drinks mischen

So kreativ durften dann auch die Teilnehmer werden. „Ich will statt dem Campari etwas Zitroniges, ich will Aperol“, sagte Bettina. Die Teilnehmerin mit der Vorliebe für Süßes wandelte den Drink komplett ab. Sie mischte Wodka, Sekt, Aperol, Vermont und Gin zusammen. Obwohl Dennian dies seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen selbst nicht zusammengemischt hätte, ermutigte er die Teilnehmerin, kreativ zu werden. „Das kannst du probieren, warum nicht?“ Zufrieden war sie mit dem Ergebnis allerdings nicht wirklich. Während fleißig gemixt wurde, beantworteten die Bartender Fragen, die sich wohl die meisten Cocktail-Trinker schon einmal gefragt haben.

„Beim Rühren entnimmt man den Eiswürfeln das Schmelzwasser sanfter und kontrollierter als beim Schütteln.“ - Bartender Dennian

„Was ist der Unterschied zwischen Schütteln und Rühren?“, wollte Bettina wissen. „Beim Rühren entnimmt man den Eiswürfeln das Schmelzwasser sanfter und kontrollierter als beim Schütteln“, antwortete Dennian. „Gibt es einen Unterschied zwischen den Lieblingsgetränken von Frauen und Männern?“, wollte eine andere Teilnehmerin wissen, die fleißig Fotos und kurze Videos vom Mixen für Instagram aufnahm. „Frauen mögen es meist lieber süß“, sagte das Bartender. „Männer wollen meist eher was Starkes, nach dem Motto ,Ich habe gearbeitet und brauche etwas, das mich fertig macht’.“ Und schließlich schwebte noch die Frage im Raum: „Sollte man Eiswürfel in seinem Getränk schmelzen lassen?“ Dennians Antwort: „Das ist je nach Drink unterschiedlich, aber besser nicht.“ Denn sonst werden die meisten Getränke zu wässrig.

Das war am Mittwochabend nicht der Fall und so wurde das Zusammenkommen der erstmal fremden Menschen auch durch den Alkoholgehalt der Getränke immer lockerer. Doch zur Atmosphäre trugen auch die Bartender bei. So gaben sie Bettinas Wunsch nach einem kleinen Bier nach und holten sie gleich selbst hinter die Theke. Dort durfte sich die vollkommen zufriedene Teilnehmerin, selbst ihr Bier zapfen.

Außer in der „Barhundert“ findet die „ShakeNight“ im regelmäßigen Abstand auch bei „Rot & Vogel“ und der „Beef Grillbar“ statt. Der Abend dreht sich dabei immer um ein anderes Getränk, dessen Zusammenstellung Interessierte für 34 Euro lernen können. „Frankfurt hat eine wahnsinnig gute Barkultur“, sagt Gründer Wolfgang Mauer. „Von gefeierten Szenebars bis hin zu für viele Leute unbekannte Speakeasy Bars, die versteckt im Hinterhof liegen. Frankfurt hat viel zu bieten.“ Deshalb passe eine ShakeNight gut zur Mainmetropole. (df)

Logo