Umstrittener Rapper tritt im Klub Nachtleben auf

Der Rapper „King Orgasmus One“ ist wegen seiner Texte umstritten. Trotzdem plant der Klub Nachtleben einen Auftritt in Frankfurt.

Umstrittener Rapper tritt im Klub Nachtleben auf

„Keine Bühne für Sexisten!“ - So ist eine Petition überschrieben, die sich gegen den Auftritt des Rappers „King Orgasmus One“ im Klub Nachtleben an der Konstablerwache richtet. Eine „sexistische Haltung“ wird ihm darin ebenso vorgeworfen, wie „frauenverachtenden Rap“ zu produzieren.

Fragwürdige Texte

Die Texte von „King Orgasmus One“ lesen sich wie ein Sammelsurium der Frauenverachtung, auch der Rapper selbst bezeichnet sich als „Frauenfeind“. Aufgrund dessen beziehen die Initiatoren der Petition deutlich Stellung: „Unsere Forderung an das Nachtleben lautet, ‘King Orgasmus One’ auszuladen.“

„Manche Menschen finden meine Musik­ ­primitiv, asozial und sexistisch, und bei ­einigen Songs kann man das so sehen.“ - King Orgasmus One

Der Rapper war für einen Kommentar zu seinen Texten nicht zu erreichen. In Interviews mit Musikmagazinen wie Juice oder der Seite rap.de verteidigt er sich allerdings damit, dass das, was er tut, Kunst sei. Dass er damit aneckt, ist ihm allerdings bewusst, wie er der Juice gegenüber Mitte September zugab: „Manche Menschen finden meine Musik­ ­primitiv, asozial und sexistisch, und bei einigen Songs kann man das so sehen.“ Dennoch solle man nicht alles ernst nehmen, was er produziere.

Nur eine Kunstfigur?

„King Orgasmus One lebt wohl eher seine Version der künstlerischen Verbindung von Rap und Pornografie.“ - Stefan Burkard, Musikjournalist

Der Journalist und Hip-Hop-Experte Stefan Burkard findet das nachvollziehbar: „Nicht wenige Rapper schlüpfen in ihren Texten in bestimmte Rollen. Bei „King Orgasmus One vermute ich das jedoch eher nicht. Der lebt ganz einfach seine eigene Version der künstlerischen Verbindung von Rap und Pornografie.“ Trotzdem sehe Burkard keine Gefahr in den Texten von King Orgasmus und vergleicht sie mit anderen Kunstformen. So werde auch nicht jeder Horrorfilm-Fan zum Serienkiller. Studien zu der Wirkung von Rapmusik auf Kinder und Jugendliche gäbe es aber kaum, erklärt Burkard.

„Jugendliche nehmen nicht nur die Inhalte wahr.“ - Professor Jannis Androutsopoulos, Sprachwissenschaftler an der Universität Hamburg

Professor Jannis Androutsopoulos, Sprachforscher von der Universität Hamburg, schätzt die Texte als klar sexistisch ein. Eine Gefährdung von Jugendlichen sieht er aber nicht: „Jugendliche nehmen nicht nur die Inhalte wahr, sondern sie beurteilen die Texte auch im Vergleich zur Reimbildung, zu anderen Rappern und der Qualität.“ Außerdem werde es in neueren Texten von „King Orgasmus One“ klarer, dass er bewusst übertreiben wolle. Wer sich von den Texten angegriffen fühle, solle es sich einfach nicht anhören. Für Androutsopoulos steht die Freiheit der Kunst im Vordergrund und die Frage, ob man „Porno-Rap“ als Kunst anerkenne oder nicht.

Indizierung und Alteskontrolle

Die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften sah trotz anderslautender Einschätzungen von Kennern der Rap-Szene eine jugendgefährdende Wirkung durch mehrere Alben von „King Oragsmus One und hat diese auf den Index gesetzt. Auftritte sind dem Rapper trotz indizierter Texte gestattet, so wie am 2. November im Frankfurter Nachtleben. Das Publikum darf dabei jedoch nur aus Menschen bestehen, die volljährig sind.

„Wir lassen uns von den Veranstaltern eine schriftliche Erklärung geben, dass alle die hereinkommen, über 18 Jahre alt sind.“ - Heike Tschierschke, Jugendamt

Dass die Altersgrenze eingehalten wird, darauf achtet das Jugendamt, wie dessen Mitarbeiterin Heike Tschierschke erklärt. „Wir lassen uns von den Veranstaltern eine schriftliche Erklärung geben, dass alle, die hereinkommen, über 18 Jahre alt sind.“ Andernfalls wäre es ein Ordnungsverstoß, das würde die Lizenz gefährden. In einigen Fällen seien auch Mitarbeiter vor Ort, das sei aber bei dem Auftritt im aber Nachtleben nicht geplant.

Ob sich die Verantwortlichen des Nachtlebens für die Aufregung über den Auftritt interessieren, ist indes nicht bekannt. Bis zur Veröffentlichung des Textes hatte das Unternehmen nicht auf die Anfragen von Merkurist reagiert. Bei Redaktionsschluss hatten mehr als 800 Personen die Petition gegen den Auftritt unterzeichnet.

Logo