Wohnungsnot für Studierende: Vom Feldbett in den Wohnwagen?

Am Freitag ist die Unistartmesse. Peter Feldmann begrüßt mehr als 9000 Erstsemester an der Goethe-Universität. Das Interesse, in Frankfurt zu studieren reißt nicht ab - die verfügbaren Wohnungen werden jedoch weniger.

Wohnungsnot für Studierende: Vom Feldbett in den Wohnwagen?

Florine Mahmud beginnt zum Wintersemester ihr Studium an der Goethe-Universität. Sie kommt aus der Nähe von Stuttgart und da sie bisher noch keine Wohnung in Frankfurt gefunden hat, schläft sie momentan im „Indoorcamp“ des Astas im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim. „Für mich ist das ein super Einstieg in das Sozialleben der Uni“, sagt Mahmud. Trotzdem hätte sie gerne Klarheit, wo sie ab nächster Woche wohnen kann.

Vielen Studierenden geht es wie Mahmud. In diesem Semester beginnen mehr als 9000 Menschen ihr Studium alleine an der Goethe-Universität. Dazu kommen noch die Fachhochschule, die „School of Finance“ und die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst - und natürlich die Studierenden, die während ihres Studiums an den Main wechseln. Dem entgegen stehen 3000 Wohnheimplätze des Studentenwerks Frankfurt. „Unsere Warteliste hat genauso viele Menschen, wie wir insgesamt an Plätzen haben“, so der Geschäftsführer des Studentenwerks Konrad Zündorf.

50 Studierende schlafen im Indoorcamp

„In Frankfurt haben circa sieben Prozent der Studierenden einen Wohnheimplatz vom Studentenwerk.“ - Konrad Zündorf, Geschäftsführer Studentenwerk

Er bekomme ebenfalls mit, in welchen Notsituationen die Studierenden seien. Dem Studentenwerk fehle es an Baugrundstücken, auf denen man gezielt Wohnheime bauen könne. „In Frankfurt haben circa sieben Prozent der Studierenden einen Wohnheimplatz vom Studentenwerk. Im Bundesdurchschnitt sind es ungefähr zehn Prozent.“ Das merkt auch der Asta (Allgemeine Studierendenausschuss) der Goethe-Universität. Für dessen Indoorcamp haben sich 80 Menschen angemeldet, von denen einige jedoch noch kurzfristig eine Wohnmöglichkeit bekommen haben, sodass nun 50 angehende Studierende auf Feldbetten und Isomatten im Studierendenhaus schlafen.

Zusammen mit dem Camp hat der Asta auch einen Forderungskatalog aufgestellt. Die Mitglieder sehen vor allem die Stadt Frankfurt in der Verantwortung, den Studierenden Wohnmöglichkeiten zu bieten. Die städtische Baugesellschaft ABG müsse aufhören, Gewinne zu machen, und sich auf den sozialen Wohnungsbau konzentrieren. Es könne nicht sein, dass im Bafög-Höchstsatz eine Mietpauschale von 250 Euro veranschlagt ist, die Studierenden in Frankfurt aber 400 bis 700 Euro pro Zimmer zahlen müssen - falls sie denn eine Wohnung finden.

Wohnheimplätze vom Studentenwerk für 290 Euro

Diese Kritik richtet der Asta auch an das Studentenwerk und deren Zimmerpreise. Das möchte Geschäftsführer Zündorf so aber nicht stehen lassen. „Wir haben Zimmer ab 200 Euro Warmmiete.“ Fast alle Zimmer und Einzimmerwohnungen, die das Studentenwerk anbietet, kosten zwischen 200 und 400 Euro. „Bis auf einige Ausreißer, die drüber sind.“ Im Durchschnitt koste ein Zimmer beim Studentenwerk 290 Euro.

Einig sind sich der Asta und das Studentenwerk bei der Forderung nach mehr öffentlicher Förderung. Das Land Hessen unterstützt die Wohnheimplätze pauschal und nicht angepasst an die Studierendenzahlen. „Vor drei Jahren hat das Land Hessen im ganzen Bundesland 1000 Plätze mit je 16.000 Euro gefördert. Diese Förderung wurde eingestellt.“ Zum Vergleich: In Bayern sind es laut Zündorf 35.000 Euro pro Platz.

„Es kann nicht sein, dass in Frankfurt die gesellschaftlichen Gruppen gegeneinander ausgespielt werden.“ - Asta-Mitarbeiter

„Es kann nicht sein, dass in Frankfurt die gesellschaftlichen Gruppen gegeneinander ausgespielt werden“, so ein Mitarbeiter des Asta in Anspielung auf die Diskussion um den ehemaligen Biologie-Campus neben dem Palmengarten. Dort streiten sich die Verantwortlichen, ob eine Kindertagesstätte, eine Schule oder Wohnungen gebaut werden. Der Asta fordert, dass die Stadt dem Studentenwerk Bauland zur Verfügung stellt.

Vom Wohnwagen in die Vorlesung

Zündorf sagt, es gebe Gespräche mit der Stadt. Vor eineinhalb Jahren wurde eine Vereinbarung getroffen, dass weitere 1000 Wohnheimplätze gebaut werden sollen. Ob das in Anbetracht der steigenden Studierendenzahlen und dem Wohnraummangel genüge, bezweifelt er allerdings. Es gebe aber unter anderem Gespräche im Zusammenhang mit dem geplantem Innovationsquartier.

Diese Gespräche bringen jedoch im Moment weder Florine Mahmud noch Mischa Kasper etwas. Der Saarländer lebt ebenfalls im Indoorcamp. Wenn er bis zum Wochenende keine Wohnung finde, müsste er bei Verwandten auf die Couch ziehen. „Dann brauche ich über eine Stunde nach Frankfurt. Auch Mahmud hat eine Zwischenlösung gefunden: „Wenn ich nichts finde, habe ich zur Not einen Wohnwagen von meinen Eltern.“

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