Warum im Riederwald kein Tunnelbohrer zum Einsatz kommt

Der Bau des Riederwaldtunnels ist in Frankfurt aktuell Großprojekt - ähnlich wie die Erweiterung der U5 ins Europaviertel. Während der dortige Tunnel mit einem Tunnelbohrer entsteht, läuft es im Riederwald anders ab. Warum eigentlich?

Warum im Riederwald kein Tunnelbohrer zum Einsatz kommt

Was Ende Juni im Europaviertel angeliefert wurde, sorgte bei vielen Frankfurtern für große Augen: Dort wurde das eigens angefertigte Schneidrad für die Tunnelbohrmaschine eingebaut. Mit rund 72 Tonnen Kampfgewicht und sieben Metern Durchmesser soll sich das Rad schon bald durch den Boden unter dem Europaviertel fressen und den Tunnel für die Verlängerung der U5 graben.

Doch der Bau der U-Bahn ist nicht das einzige Tunnel-Großprojekt, das momentan in Frankfurt ansteht. Rund neun Kilometer weiter, in Seckbach, laufen die Vorbereitungen für einen weiteren langersehnten Bau: den Riederwaldtunnel. Der soll gemeinsam mit dem zukünftigen Erlenbruch-Dreieck und der neuen Anschlussstelle Borsigallee die Lücke zwischen der A66 und der Ostumfahrung Frankfurt auf der A661 schließen.

„Warum kommt im Riederwald eigentlich keine Tunnelbohrmaschine zum Einsatz?“ - Merkurist-Leser

Etwas mehr als einen Kilometer lang soll jede der beiden Tunnelröhren in Seckbach werden - gebohrt, wie im Europaviertel, wird hier allerdings nicht. Das wundert Merkurist-Leser Kolatschek. In seinem Snip fragt er: „Warum kommt im Riederwald eigentlich keine Tunnelbohrmaschine zum Einsatz - so wie jetzt im Europaviertel?“

Verschiedene Gründe gegen den Bohrer

Ob eine Tunnelbohrmaschine für den Riederwaldtunnel geeignet ist, wurde von der zuständigen Verkehrsbehörde Hessen Mobil tatsächlich untersucht. Doch die Entscheidung fiel gegen die Maschine - aus mehreren Gründen.

Welches Bauverfahren sich am besten eignet, hängt unter anderem von der Lage, dem Querschnitt und der Form der Tunnelröhre ab. Gegen eine Tunnelbohrmaschine spricht im Fall des Riederwaldtunnels zum einen die Erdstatik und die Geotechnik. So müsse die Erdschicht zwischen der Tunneldecke und der Erdoberfläche mindestens anderthalbmal dicker, als der Durchmesser des Tunnels sein, erklärt ein Sprecher von Hessen Mobil.

Um das zu erreichen, müsste der Tunnel tiefergelegt werden. Das wurde von Hessen Mobil ebenfalls geprüft. Umsetzbar ist es allerdings nicht. „Wegen geometrischen Zwangspunkten in Lage und Höhe scheidet eine Tieferlegung aus, da sich dann die Anschlüsse an den Bestand, im Westen an die A661 sowie im Osten an die A66, nicht mehr realisieren lassen“, erklärt der Sprecher.

Mehr als doppelt so groß wie im Europaviertel

„Für die Regelbreite von drei Fahrstreifen pro Röhre des Riederwaldtunnels wäre ein Durchmesser von knapp 16 Meter erforderlich.“ - Sprecher von Hessen Mobil

Und auch der Durchmesser eines Bohrers für den Riederwaldtunnel hätte es in sich. Er soll mehr als doppelt so groß wie der des Tunnels im Europaviertel werden. „Für die Regelbreite von drei Fahrstreifen pro Röhre des Riederwaldtunnels wäre ein Durchmesser von knapp 16 Meter erforderlich“, so der Sprecher. Dabei sei die Breite der Nothaltebuchten in der Tunnelmitte noch gar nicht mit eingerechnet.

Dazu kommt, dass beim Einsatz eines Tunnelbohrers ein Mindestabstand in Größe des Durchmessers zwischen beiden Tunnelröhren eingehalten werden müsste. Das Problem: So würde der komplette Riederwaldtunnel viel breiter werden. Wegen der relativ engen Straße „Am Erlenbruch“ und der denkmalgeschützten Bebauung entlang des Tunnels ist das nicht umsetzbar.

„Dabei werden in einzelnen länglichen Baugruben schrittweise die einzelnen Abschnitte des Tunnels hergestellt.“ - Sprecher von Hessen Mobil

Stattdessen wird der Riederwaldtunnel in offener Bauweise gebaut, sagt der Hessen-Mobil-Sprecher. „Dabei werden in einzelnen länglichen Baugruben – den sogenannten Baudocks - schrittweise die einzelnen Abschnitte des Tunnels hergestellt.“ Wenn der jeweilige Tunnelabschnitt fertig ist, werde die entsprechende Baugrube dann verfüllt und überschüttet.

Die Bauarbeiten am Tunnel selbst sind bislang noch nicht gestartet. Der konkrete Termin sei abhängig vom Ergebnis des 2017 beantragten Planänderungsverfahrens zum Tunnel, sagte ein Sprecher von Hessen Mobil im Februar gegenüber Merkurist. „Im Anschluss erfolgen Ausführungsplanung und ein EU-weites Vergabeverfahren der Baumaßnahmen“, so der Sprecher. Mit dem Bau des Tunnels könne frühestens im Jahr 2020 begonnen werden. (mr)

Mehr Infos zum Projekt Riederwaldtunnel findet Ihr auf der eigens dafür eingerichteten Website.

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