Der tödliche Kampfjet-Absturz von Frankfurt

Zum Flugtag auf der Rhein-Main Air Base gab es im Mai 1983 ein buntes Programm. Auch mehrere Kampfjets flogen zur Unterhaltung der Zuschauer über das Areal. Eines aber brach aus der Formation aus - und riss Sekunden später eine Familie in den Tod.

Der tödliche Kampfjet-Absturz von Frankfurt

Es sollte ein schöner Tag werden, der Pfingstsonntag 1983 auf der Rhein-Main Air Base am Frankfurter Flughafen. Zum Flugtag, dem Tag der offenen Tür am 22. Mai, hatte die US-Luftwaffe Interessierte und Familien auf den Militärflughafen eingeladen, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Einer der Höhepunkte im Programm: die Vorführung der kanadischen Luftwaffe aus Baden-Söllingen.

Fünf Düsenjäger, Typ Starfighter F-104 und Teil der Kunstflugstaffel, stiegen an diesem Tag für die Zuschauer in den Himmel über Frankfurt, als es passierte: Einer der Jets brach plötzlich aus der Formation aus. Sekunden später zerschellte er auf der B44 ganz in der Nähe des Waldstadions - direkt vor dem Auto einer Frankfurter Familie.

Sechs Menschen starben durch den Absturz

Die Familie im Wagen war die des Frankfurter Pfarrers Martin Jürges. Gemeinsam mit seiner Frau, seinen zwei Kindern, seiner Mutter und seiner Nichte war er auf dem Weg ins Grüne, als die brennenden Flugzeugteile sein Auto trafen. Bis auf die Nichte starb die ganze Familie noch an der Unfallstelle. Die Nichte erlag ihren schweren Verbrennungen einige Monate später. Der Pilot des Düsenjägers hatte sich kurz vor dem Aufprall per Schleudersitz gerettet.

In Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet hatte das Unglück Konsequenzen. Vorführungen mit Kampfflugzeugen über Ballungsgebieten wurden verboten. Im Umfeld des Pfarrers war die Erschütterung groß. Der als „Friedenspfarrer“ in der evangelischen Gutleutgemeinde aktive Jürges hatte sich zu Lebzeiten unter anderem für ein friedliches Zusammenleben aller Generationen und Nationalitäten in seinem Viertel eingesetzt.

„Sein Tod – und der seiner Familie – damals war für die Gemeinde ein großer Schock.“ - Jutta Jekel, Pfarrerin der Evangelischen Hoffnungsgemeinde

„Sein Tod damals – und der seiner Familie – war für die Gemeinde ein großer Schock“, erinnert sich Jutta Jekel, Pfarrerin der Evangelischen Hoffnungsgemeinde, zu der die Gutleutgemeinde mittlerweile gehört. „Es wurde ein Schweigemarsch veranstaltet, die Betroffenheit war enorm.“

Noch heute gibt es Gedenkorte für Familie Jürges

Noch heute ist Pfarrer Jürges Teil der städtischen Öffentlichkeit. Im Gutleutviertel wurde ein Platz nach seiner Familie benannt - der Familie-Jürges-Platz. Auf dem Platz befindet sich auch ein großer Gedenkstein, dessen Inschrift an Jürges und das Flugtagsunglück erinnert.

„Wir sind stolz darauf, diese Tradition über so lange Zeit lebendig erhalten zu haben.“ - Jutta Jekel, Pfarrerin der Evangelischen Hoffnungsgemeinde

Auch das ehemalige Gemeindehaus der Hoffnungsgemeinde ist nach Jürges benannt. „In diesem Haus in der Gutleutstrasse befindet sich heute unsere Kaffeestube“, sagt Jekel. 80 bis 100 bedürftige Menschen bekommen dort täglich ein warmes Essen. „Dies ist sicher im Sinn und Geist von Pfarrer Jürges, der in seiner Amtszeit hier ein waches soziales Bewusstsein hatte und für die Bedürftigen und Armen immer ein offenes Herz“, so Jekel. „Wir sind stolz darauf, diese Tradition über so lange Zeit lebendig erhalten zu haben.“

In dieser Woche jährt sich das Unglück zum 36. Mal. Auch in seiner ehemaligen Kirchengemeinde wird der Flugtag von 1983 dann Thema sein. „Wir werden in Gruppen und Kreisen seiner gedenken und sicher viele Erinnerungen an ihn und seine Tätigkeit in der Gemeinde wachrufen“, sagt Jekel.

Der Pilot des Düsenjägers wurde laut eines Berichts der Hessenschau von 2008 kurz nach dem Absturz nach Kanada ausgeflogen. In einer Pressemitteilung vermeldete die kanadische Luftwaffe dem Bericht zufolge, dass weder technisches noch menschliches Versagen als Unfallursache auszuschließen ist. Warum der Düsenjäger am Pfingstsonntag vor 36 Jahren vom Himmel fiel, ist deshalb bis heute nicht klar. (lo)

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