Wie in Frankfurt Muslime den Ramadan begehen

Am 16. Mai hat der islamische Fastenmonat begonnen. Während an christlichen Feiertagen alle Frankfurter frei haben, müssen Muslime ihre Feierlichkeiten meist um den Alltag herum organisieren.

Wie in Frankfurt Muslime den Ramadan begehen

Kurze Nächte, lange Tage und viel Besuch - der Ramadan hat begonnen. Für viele Frankfurter muslimischen Glaubens bedeutet dies einen Monat lang von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen und Trinken zu verzichten. Außerdem werden - abgesehen von der Enthaltsamkeit - Spiritualität und Gemeinschaftlichkeit während dieser Zeit besonders großgeschrieben. Deshalb laden zahlreiche Moscheeverbände täglich zum Fastenbrechen und anschließendem Gemeinschaftsgebet in ihre Gemeinden ein. Es sind allerdings andere Orte, an denen sich Fastende die meiste Zeit aufhalten, denn der Alltag muss nach wie vor bewältigt werden.

Herausforderung für Schüler und Lehrer?

„Die Schüler befinden sich in einem Entwicklungsprozess, daher ist es besonders wichtig, ihnen positiv und wertschätzend zu begegnen“ - Nabeela Khan, Pädagogin in der Bildungsstätte Anne Frank

Die pädagogische Mitarbeiterin der Bildungsstätte Anne Frank, Nabeela Khan, hat im Rahmen von Fortbildungen und Beratungsgesprächen mit Pädagogen Unterschiedliches festgestellt, was fastende Schüler betrifft. Das Thema Religion werde grundsätzlich oft von Lehrkräften, insbesondere in Bezug auf Muslime, als „problembehaftet“ wahrgenommen und daher gebe es auch gegenüber dem Thema Ramadan eine eher ablehnende Haltung. „Es fallen auch schon mal Aussagen wie 'schon wieder Ramadan'“, erzählt Khan.

Trotzdem gebe es durchaus auch bemühte Lehrer, die nach Rat suchen und versuchen, den fastenden Schülern so gut es geht entgegen zu kommen und Rücksicht zu nehmen. Gerade wenn es sich noch um junge Schüler handele, die eigentlich nicht fasten müssten, seien sie besorgt und versuchen die Beweggründe zu verstehen.

Eine Patentlösung habe Khan nicht, denn Fälle müsse man individuell betrachten. Allerdings möchte sie allen Lehrkräften eine Empfehlung ans Herz legen: „Man sollte sich, losgelöst vom Ramadan, in Bezug auf gesellschaftliche Debatten selbst reflektieren und versuchen, Individuen zu begreifen. Die Schüler befinden sich in einem Entwicklungsprozess, daher ist es besonders wichtig, ihnen positiv und wertschätzend zu begegnen.“

Fasten am Arbeitsplatz

„Im Durchschnitt nehmen auch 80 bis 100 Personen das Angebot wahr.“ - Maria Linden, Sprecherin für Personalthemen der Fraport

Während viele Schichtdienstarbeiter ihr Fasten in ihrer Pause brechen oder zwischendurch etwas essen, organisiert Fraport gemeinsam mit Ehrenamtlern seit zehn Jahren ein tägliches Fastenbrechen im Ramadan. Eingeladen sind primär Flughafenbeschäftigte und Fluggäste, aber auch andere interessierte Menschen. „Das Essen ist für etwa 100 Personen ausgelegt. Im Durchschnitt nehmen auch 80 bis 100 Personen das Angebot wahr“, sagt Maria Linden, Sprecherin für Personalthemen. Es werde zudem speziell darauf geachtet, dass es sich bei den Lebensmitteln ausschließlich um „Halal-Speisen“ handele.

Für den Taxifahrer Hamid A. gibt es auf der Arbeit kein gemeinschaftliches Fastenbrechen. „Normalerweise versuche ich immer Urlaub während Ramadan zu nehmen, dieses Jahr hat es leider nicht geklappt“, sagt er. Das mache ihm aber nicht viel aus, denn er habe festgestellt, dass es auch so gut funktioniere. „Wenn mich das Fasten beeinträchtigen würde, würde ich abbrechen, aber es geht“.
Seine Mahlzeit nehme er in der Spätschicht zwischendurch ein, das habe er oft auch außerhalb des Ramadans so gehandhabt. Wenn es sein Schichtplan erlaube, besuche er abends die Moschee. So habe er noch etwas von dem „Ramadangefühl“.

Der Ramadan gehört im Altenheim dazu

„Hin und wieder gibt es aber welche, die fasten möchten. Das verbieten wir nicht, es sei denn, wir müssen aus gesundheitlichen Gründen eingreifen“ - Doktor Hüseyin Kurt, Migrantenberater im Victor-Gollancz-Haus

Menschen, die gesundheitlich beeinträchtigt sind, brauchen im Islam nicht zu fasten - so auch im Altenpflegeheim Victor-Gollancz-Haus. „Die meisten Bewohner sind pflegebedürftig und kognitiv nicht in der Lage die Fastenzeit wahrzunehmen. Hin und wieder gibt es aber welche, die fasten möchten. Das verbieten wir nicht, es sei denn, wir müssen aus gesundheitlichen Gründen eingreifen“, erzählt Doktor Hüseyin Kurt, Migrantenberater im Victor-Gollancz-Haus. Die Mitarbeiter versuchen in solchen Fällen es den Bewohnern zu ermöglichen, sowohl vor Fastenbeginn als auch zum Fastenbrechen genug zu essen.

Mit 36 Muslimen von insgesamt 123 Bewohnern gehöre der Ramadan trotz weniger Fastenden zur „Tradition des Hauses“, sagt Kurt. Deshalb veranstalte das Heim jedes Jahr ein großes Fastenbrechen für alle Bewohner, Angehörige und geladene Gäste. Zudem finde seit 18 Jahren nach der Fastenzeit ein Ramadan-Fest im Heim statt.

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