Warum heißt der Römer eigentlich „Römer“?

Bis heute wird Frankfurt vom Römer aus regiert. Aber wie kam es zum Namen des Platzes? Hatten da etwa die Römer ihre Finger im Spiel?

Warum heißt der Römer eigentlich „Römer“?

Der Römer gilt als Herz der Stadt und ist damit ein besonderer Ort für Frankfurter. Das Rathaus zählt zu den Schönsten und Ältesten der Republik. Bis heute ist das markante Gebäude Sitz des Oberbürgermeisters.

„Auch als Hochzeitslocation ist der Römer überaus beliebt.“ - Sabine Gnau, Tourismus und Kongress GmbH

Hier trifft man sich, um der Königin von England oder den Fußballstars der Eintracht Frankfurt auf dem Römerbalkon zuzujubeln. Im Winter kommen dann Frankfurter auf einen Glühwein unter dem größten Weihnachtsbaum weit und breit zusammen. „Auch als Hochzeitslocation ist der Römer überaus beliebt“, sagt Sabine Gnau, Pressesprecherin der Tourismus und Kongress GmbH.

Aber der Römer war nicht immer das Schmuckstück der Stadt. Erst 1405 kaufte der Rat der Stadt zwei Bürgerhäuser des heutigen Römers von den Brüdern „Hinz und Kunz zum Römer“ und der Witwe „Hensels vom Römer“ für insgesamt 800 Gulden ab. In den folgenden fünf Jahrhunderten dehnte sich der Rathauskomplex durch weitere Zukäufe von den ursprünglichen zwei auf elf miteinander verbundene Bürgerhäuser aus.

Die Fassade des Römers

Die gotische Dreigiebel-Front des Römers ist weltweit bekannt, wie es auf der Website der Stadt Frankfurt heißt. Dabei wurden vor kurzem einige Kaiserstatuen sowie die „Frankofurtia“, die weibliche Verkörperung der Stadt, frisch vergoldet. Das Besondere an der Fassade ist allerdings der Römerbalkon.

Es lohnt sich aber auch ein Blick in die Seitenstraßen: Entlang der Limpurggasse befindet sich auf einer Fassade des Römers der Sinnspruch „Geht dir Rat aus - geh aufs Rathaus“. Dieser bezieht sich eher humorvoll auf den Umstand, dass für jede Lebenslage Rat aus dem Rathaus zu holen ist, erklärt Stadtführer Sascha Ruehlow. „Jedes Problem findet dort seine Lösung, egal, wie es beschaffen ist.“

Hat der Name etwas mit den alten Römern zu tun?

Die Römerfassade besteht aus drei Häusern, deren mittleres Haus das Haus zum Römer genannt wurde, sagt Ruehlow. Die erste Erwähnung des Namens findet sich dabei in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. „Ursprünglich trugen alle Häuser einen Namen, wie Goldene Waage, Haus zum Frosch oder eben hier Haus zum Römer.“

Genau deshalb hießen auch die Brüder Hinz und Kunz mit Nachnamen „zum Römer“, weil sie im Römer wohnten - und nicht weil sie ihr Haus nach sich benannten. Denn früher gab es keine Nachnamen, wie wir sie heute kennen, erklärt Historikerin Silke Wustmann auf der Website der Stadt. „Irgendwann gab es einfach zu viele Leute, die ,Hans’ oder ,Maria’ hießen – und die bekamen ihren Beruf als Nachnamen verpasst - oder den Hausnamen.“

„Italienische Kaufleute stellten im Erdgeschoss ihre Waren aus und wohnten im oberen Stockwerk.“ - Silke Wustmann, Historikerin

Ruehlow vermutet, dass der Name des Römers entweder etwas im ursprünglichen Sinne mit den Italienern zu tun hatte oder sich auf den Einfluss des deutschen Kaisers in Italien beziehungsweise zum Papst bezieht. Eine andere Erklärung liefert Wustmann: „Italienische Kaufleute stellten im Erdgeschoss ihre Waren aus und wohnten im oberen Stockwerk. Rom war das Synonym für ganz Italien.“ Ein wichtiger Hinweis sei dabei, dass auch der Name des linken Hauses neben dem Römer von Italien beziehungsweise Rom abgeleitet wurde. Früher hieß das Gebäude auf frankfurterisch „Laderam“ - in Anlehnung an den Palast des Papstes in Rom, der Lateran genannt wird. (mr)

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