„Ghost Bikes“ in Frankfurt erinnern an tote Radfahrer

Immer wieder kommt es im Straßenverkehr zu Unfällen - einige davon sind so schwer, dass sie Menschen das Leben nehmen. Sechs weiße „Ghost Bikes“ erinnern in Frankfurt an tödlich verunfallte Radfahrer und mahnen zur Vorsicht.

„Ghost Bikes“ in Frankfurt erinnern an tote Radfahrer

Schnell mit dem Fahrrad zum Bäcker um die Ecke oder eine gemütliche Fahrt bei Sonnenschein durch den Grüneburgpark - immer mehr Frankfurter steigen aufs Fahrrad und tun somit nicht nur etwas für ihre Gesundheit, sondern schonen auch die Umwelt. Leider geraten sie dabei vereinzelt in Unfälle, die tödlich enden können. Dies geschah beispielsweise in der Fürstenberger Straße oder in Kurt-Schumacher-Straße. „Ghost Bikes“ an diesen Stellen sollen an die Toten erinnern und die Stadt zum Handeln bewegen.

Weniger Tote durch bessere Infrastruktur

Dem „Verkehrsbericht 2017“ des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main ist zu entnehmen, dass es 2017 1104 verunglückte Radfahrer gab - rund sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Dies liege vor allem an der zunehmenden Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer - beispielsweise die bessere Radwege-Beschilderung. Mithilfe der „Elektronischen Unfalltypen Steckkarte“ (EUSKA) werden Unfallhäufungspunkte seit 2006 im Frankfurter Verkehr erfasst und behoben. Laut dem Bericht werden Fahrradfahrer bis 2021 rund 20 Prozent des Gesamtverkehrsaufkommens ausmachen.

Dadurch habe es 2017 weniger getötete Radfahrer gegeben. Für 2018 liegt der Verkehrsbericht noch nicht vor, doch allein im August des vergangenen Jahres haben vier Radfahrer in Frankfurt ihr Leben verloren. Dies haben die Mitglieder von „Ghost Bikes“, von denen sich viele auch noch beim Radentscheid Frankfurt, beim Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und anderen Organisationen engagieren, zum Anlass genommen ein Zeichen zu setzen. Die weiß angestrichenen Fahrräder an den Unfallstellen mit tödlichem Ausgang sollen die Toten nicht in Vergessenheit geraden lassen.

Getötete sollen nicht vergessen werden

„Tödliche Unfälle sind kein Naturgesetz, sondern in vielen Fällen vermeidbar.“ - Peter Josiger, Sprecher „Ghost Bikes“

„Alle Frankfurter, egal wie sie in der Stadt unterwegs sind, sollen daran erinnert werden, dass leider auch im 21. Jahrhundert noch Menschen ihr Leben im Straßenverkehr verlieren“, sagt Peter Josiger Sprecher von „Ghost Bikes“. Das Ziel der Initiative ist klar: „Wir möchten uns dafür einsetzten, dass die Getöteten nicht vergessen werden. Gleichzeitig geht eine Botschaft an die Politik: Tödliche Unfälle sind kein Naturgesetz, sondern in vielen Fällen vermeidbar“, erklärt Josiger.

Die Initiative „Ghost Bikes“, die sich ausschließlich aus Spenden von Privatpersonen finanziert, sei zwar über diverse Initiativen mit anderen Städten verbunden, die Mahnräder werden jedoch nur in Frankfurt aufgestellt: „In Frankfurt entwickelt sich die Radkultur trotz der Widrigkeiten gerade sehr dynamisch. Wir wollen uns nur nicht daran gewöhnen, dass Radfahren immer noch gefährlicher ist, als es sein müsste“, erzählt Josiger.

Es brauche den politischen Willen, eine sichere Infrastruktur zu schaffen, ist sich Josiger sicher. Für ihn ist eine sichere Infrastruktur kein Luxusprojekt - eine schlechte Infrastruktur gefährde jeden Tag reale Menschenleben. „Das haben viele Frankfurter Politiker leider noch nicht verstanden“, bemängelt Josiger. Tausende Menschen würden ihre Unzufriedenheit mit der jahrzehntelangen Untätigkeit in der Verkehrspolitik äußern. Frankfurt sei autozentriert geplant und die Sicherheit von Radfahrern werde erst nach tödlichen Unfällen priorisiert.

„Frankfurt investiert gerade einmal 4,30 Euro pro Einwohner in die Fahrradfahrinfrastruktur.“ - Peter Josiger

Josiger merkt an, dass es einen Zusammenhang zwischen Investitionen in den Radverkehr und dem Unfallrisiko gebe: „Ein Kopenhagener Radfahrer hat ein 13-fach niedrigeres, ein Amsterdamer Radfahrer ein achtfach niedrigeres Unfallrisiko als ein Radfahrer in Frankfurt. Die Stadt Kopenhagen investiert dafür über 35 Euro pro Einwohner im Jahr in die Fahrradfahrinfrastruktur. Frankfurt gerade mal 4,30 Euro.“ Offensichtlich könne etwas gegen Unfälle getan werden, wer nichts dagegen tue, sei mitverantwortlich.

„Wir wünschen uns, keine ‘Ghost Bikes’ mehr aufstellen zu müssen.“ - Peter Josiger

„Trotz allem lieben wir das Radfahren,“ sagt Josiger. Für die verantwortlichen Politiker sei es an der Zeit ihre Haltung zu ändern. „Wir wünschen uns, keine ‘Ghost Bikes’ mehr aufstellen zu müssen.“ (ts)

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