„Die Kirchen sind nicht förderungswürdig“

Die Protestaktion „11. Gebot“ hat sich vor dem Römer aufgestellt und kämpft dafür, dass weniger Steuergelder an die Kirchen fließen. „Die Kirchen sollen ihre Feiern selbst bezahlen“ - so die Devise.

„Die Kirchen sind nicht förderungswürdig“

Vor dem Römer steht eine große Moses-Figur, die grimmig den Zeigefinger in die Luft streckt. Neben ihr befindet sich eine Tafel mit der Aufschrift: „11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen.“ Dahinter steckt eine Unterkategorie der Giordano-Bruno-Stiftung, die sich für Aufklärung und eine Trennung von Kirche und Staat einsetzt. Das 11. Gebot kämpft dafür, dass weniger Steuergelder an die Kirchen gezahlt werden. „Die Kirchen sollen ihre Feiern selbst bezahlen“, sagt Alexander Von der Nahmer, Mitglied des 11. Gebots.

7,3 Millionen Euro an Steuergeldern für Kirchtag

Besonders in Kirchentage fließen viel zu viele Steuergelder, so der Initiator des 11. Gebots, David Farago. So werden durchschnittlich 7,3 Millionen Euro der Steuergelder für jeweils einen Kirchentag verwendet. Doch das ist nur ein Teil der Gelder, die der Staat den Kirchen zahlt. 2009 hat der Staat die Kirchen (katholisch und evangelisch) mit etwa 540 Millionen Euro unterstützt. Für Farago und sein neun-köpfiges Team ist die Auszahlung dieser Summe ungerechtfertigt. „Die Kirchen sind nicht förderungswürdig“, sagt Farago.

„An eine Punkt habe ich die Bibel komplett gelesen und entschlossen 'Das kann ich nicht glauben'.“ - David Farago, 11. Gebot

Er begründet diese Aussage mit dem Inhalt der Bibel. Früher sei er sehr religiös gewesen. Seine Pflegeeltern seien streng katholisch. Er habe die klassische Laufbahn (Taufe, Kommunion und Firmung) durchlaufen. „An einem Punkt habe ich die Bibel komplett gelesen und entschlossen 'Das kann ich nicht glauben'“, sagt Farago. Einem Glauben, der auf einem Buch basiert, in dem Frauen geschlagen und tausende von Menschen umgebracht werden, wolle er nicht angehören.

Warum werden nur die christlichen Kirchen unterstützt?

Zum Auslöser kam es dann, als Farago mit seinem Bund für Geistesfreiheit Bayern einen „kleinen Betrag“ bei der Stadt Regensburg und beim Land Bayern als finanzielle Hilfe anforderte. Diese Bitte wurde abgelehnt, obwohl der Bund rechtlich laut Farago auch ein Recht auf Fördermittel hat. Für den Regensburger war das ungerechtfertigt. Er wollte etwas ändern.

„Das 11. Gebot ist eine Kunstaktion für die politische Willensbildung.“ - David Farago, 11. Gebot

Mitten in der Nacht kam dann die Idee zum 11. Gebot, einer Satire, die besagt, dass die elfte Gebotstafel in Regensburg gefunden wurde und die Gläubigen daran erinnert, dass sie ihre Ausgaben selbst stemmen sollen. „Das 11. Gebot ist eine Kunstaktion für die politische Willensbildung“, sagt Farago.

Protestaktion zeigt Wirkung

Erste Erfolge haben Farago und sein Team bereits erzielt. In Münster wurde eine Millionenzahlung der Stadt an die Kirche für den Katholikentag abgelehnt. In Frankfurt möchte die Stadt erstmals die Kirchenakten zur Planung des Kirchentages 2021 einsehen, bevor einer finanziellen Förderung zugestimmt wird. „Das ist ein riesen Erfolg“, sagt Farago. „Vorher wurde das nie kontrolliert.“ Doch nicht alle nehmen die Protestaktion positiv auf. „Ich wurde schon mehrmals in die Hölle gewünscht“, so Farago. Manche Gläubigen regen sich auf, wenn sie mit der Protestaktion in Berührung kommen, einige weinen.

Das 11. Gebot existiert seit 2014 und reist mit seinen Figuren quer durch Deutschland. Neben der Kritik an der Auszahlung von Steuergeldern an Kirchen, weisen die Demonstranten auf die in ihren Augen „übertriebene Darstellung von Luther“ wegen des Lutherjahres hin. „Er war eigentlich Antisemit“, sagt Von der Nahmer.

Die Pressestelle des Bistums Limburg war für eine Stellungname zur Protestaktion nicht erreichbar.

Logo