„Grammgenau“ will ein Zero-Waste-Café in Frankfurt eröffnen

Es gibt zwar immer mehr vegane Cafés in Frankfurt, doch noch kein plastikfreies Café. Das soll sich wenn es nach den Betreibern des Lieferservices „Grammgenau“ geht schnellstmöglich ändern. Dafür sammeln sie derzeit Geld.

„Grammgenau“ will ein Zero-Waste-Café in Frankfurt eröffnen

So wenig Müll wie möglich produzieren - das haben sich die 27-jährige Jenny Fuhrmann und der Rest des Teams von Grammgenau vorgenommen. Dabei versuchen sie vor allem, Plastik aus dem Leben der Frankfurter zu verbannen. Dies wäre laut Fuhrmann nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für den eigenen Körper. Denn: Durch den Konsum von Lebensmitteln, die in Plastik verpackt sind, gerieten Hormone aus dem Plastik in den Körper und Herz-Kreislauf-Störungen können häufiger auftreten. Um ihren Lebensstil in die Stadt zu holen und anderen als Vorbild zu dienen, ihnen zu zeigen „Hey, es geht auch ohne Plastik und das macht sogar Spaß“, möchten Fuhrmann und ihr Team nun ein „Zero-Waste-Café“ in Frankfurt eröffnen. Dazu sammeln sie derzeit finanzielle Mittel mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne.

Vom Unverpacktladen zum Café

Die Idee zum Café habe sich aus den vergangenen Aktivitäten von Grammgenau als nächster Schritt natürlich ergeben. Im Januar 2017 startete das damals vierköpfige Team ein Pilotprojekt in Frankfurt und öffnete den ersten Unverpacktladen in der Mainmetropole. Dazu stellten sie in einem Bio-Laden auf der Berger Straße Abfüllstationen für lose Lebensmittel bereit. Das sei gut angekommen.

„Wir möchten einen Ort haben, wo wir sein können und unsere Wissen weitergeben können.“ - Jenny Fuhrmann von Grammgenau

Um auch weitere Stadtteile zu erreichen, bauten sie ihr Unternehmen weniger als ein Jahr später zu einem Lieferservice aus. Dabei können Kunden lose Lebensmittel online bestellen und erhalten sie dann in einem Glas oder einem Jute- oder Baumwollsack. Der Transport erfolgt über ein Lastenfahrzeug - auch Büros versorgt Grammgenau damit seit Anfang diesen Jahres. Und das anscheinend mit Erfolg. „Wir wollen uns nun vergrößern“, sagt Fuhrmann im Gespräch mit Merkurist. „Wir möchten einen Ort haben, wo wir sein können und unser Wissen weitergeben können.“

Als sich eine Konditormeisterin dem Team anschloss, fiel der Impuls, ein plastikfreies Café zu eröffnen, in dem man auch einkaufen gehen kann. „Man soll dort seine Einkaufsliste abgeben und solange einen Kuchen essen und einen Kaffee trinken“, erzählt Fuhrmann von ihren Plänen. Während die Lebensmittel für die Gäste in Behälter und Beutel gefüllt werden, können sie sich am „All-you-can-Müsli“-Buffet, Kuchen mit essbaren Blüten, Suppen, Salaten, Quiches und veganen Alternativen bedienen. „Der Grundgedanke, keinen Müll zu produzieren, soll sich durch alle Bereiche des Cafés ziehen“, sagt Fuhrmann.

„An einem Tag wird in einem Gastronomiebetrieb so viel weggeschmissen, was eine Einzelperson innerhalb mehrerer Wochen wegschmeißt.“ - Jenny Fuhrmann, Grammgenau

Deshalb wird man in dem Café auch vergeblich nach verpackten Keksen und Zuckertütchen neben der Kaffeetasse oder den Plastikstrohhalmen suchen. Zudem werden für die Esswaren Bio-Produkte verwendet, die weitestgehend aus der Region kommen. Das heißt dann im Fall von Reis, dass dieser als Dinkelreis aus Hessen stammt. Reste sollen zudem verschenkt oder beispielsweise im Sinne von altem Brot für Desserts verwendet werden. „An einem Tag wird in einem Gastronomiebetrieb so viel weggeschmissen, was eine Einzelperson innerhalb mehrerer Wochen wegschmeißt“, weiß Fuhrmann. Das soll es in ihrem Café nicht geben. Einrichtungsgegenstände sollen zudem vom Sperrmüll oder von eBay als Secondhandware bezogen werden.

Kostet der Lebensstil mehr?

Dass Produkte im plastikfreien Café sowie dessen Betrieb teurer ist als bei gewöhnlichen Cafés, ist dem Team bewusst. „Wir wollen trotzdem darauf achten, dass sich das alle leisten können und wir als Grammgenau die Mehrkosten auf anderem Wege beispielsweise durch Workshops ausgleichen“, sagt Fuhrmann. Trotz Herausforderungen ist das Team von seiner Idee überzeugt. Allerdings werden sie sich nur an die Umsetzung des Cafés machen, wenn die Crowdfunding-Kampagne erfolgreich ist und 20.000 Euro als Vorfinanzierung eingesammelt wurden. „Das wäre für uns auch ein Zeichen, dass wir genügend Unterstützer haben“, sagt Fuhrmann. Derzeit sind dies 182 Menschen, die dem zukünftigen Café von Grammgenau bis dato 7806 Euro gespendet haben. Dafür erhalten sie je nach Spendenhöhe Gutscheine für das Café oder Jute-Beutel.

„Man muss sich entscheiden, ob es ein kleines Projekt bleibt, oder zu etwas großem wird.“ - Jenny Fuhrmann, Grammgenau

Fuhrmann wird für ihren Traum von einer plastikfreien Welt in ein paar Wochen ihren Job als PR-Beraterin aufgeben und sich in Vollzeit Grammgenau widmen. „Wenn die Kampagne so weiter läuft, wie bisher, dann ist es realistisch, dass wir die 20.000 Euro-Grenze knacken“, zeigt sich die 27-Jährige optimistisch. Über Investoren soll dann der Rest des benötigten Geldes erhalten werden. Auch bei der Stadt fragt das Team gerade wegen einer möglichen Unterstützung an. Die Stadt habe sich aber noch nicht zurückgemeldet. Zudem wurde bis jetzt noch kein geeigneter Standort gefunden. Trotzdem hat Fuhrmann ein gutes Gefühl, was ihr Projekt angeht. „Man muss sich entscheiden, ob es ein kleines Projekt bleibt, oder zu etwas Großem wird“. Sie und ihr Team haben sich für etwas Großes entschieden.

Interessierte können hier die Crowdfunding-Kampagne für das plastikfreie Café bis zum 1. Juli unterstützen.

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