Wie das Ordnungsamt mit Pfandflaschen neben dem Mülleimer umgeht

Um Flaschensammlern die Suche zu erleichtern, stellen viele Menschen ihre Pfandflaschen neben oder auf den Mülleimer. Doch das sieht nicht jeder gern. Wie das Frankfurter Ordnungsamt damit umgeht.

Wie das Ordnungsamt mit Pfandflaschen neben dem Mülleimer umgeht

Sie laufen am Mainufer entlang, über die Zeil und durch den Hauptbahnhof, haben oft eine große Tasche dabei und sind auf der Suche nach einer Sache: Pfandflaschen. Viele Menschen - unter ihnen auch viele Rentner - sammeln heutzutage Flaschen, um über die Runden zu kommen. Weil die meisten von ihnen auf das Geld angewiesen sind, wühlen sie sich auch durch die schmutzigsten Mülleimer.

Um Pfandsammlern zumindest letzteres zu ersparen, gibt es seit einigen Jahren eine Initiative, die fordert: „Pfand gehört daneben“. Auf der offiziellen Seite des Projekts heißt es dazu: „Wer Pfandflaschen nicht in den Müll wirft, sondern danebenstellt, zeigt eine kleine Geste der Solidarität den Menschen gegenüber, die mithilfe von Pfandgut ihr tägliches Leben meistern.“

Dass Pfandflaschen neben dem Mülleimer landen, sieht allerdings nicht jeder gern. In Mainz wurde zuletzt ein Mann vom Ordnungsamt darauf angesprochen, dass er seine Flasche in den Müll werfen oder ein Verwarngeld zahlen müsse. Ein Einzelfall?

Frankfurter Ordnungsamt ist kulant

In Frankfurt zumindest folgen auch viele Menschen der „Pfand gehört daneben“-Bewegung. „Ich stelle sie oben drauf, wenn machbar“, schreibt Merkurist-Leserin Anne auf Facebook. Und Frank sagt: „Ich finde das besser, als im Müll zu wühlen.“ Aber geht wie das Frankfurter Ordnungsamt damit um?

„So etwas wird von uns nicht geahndet“, sagt Jenisch, Sprecher des Ordnungsamts, gegenüber Merkurist. „So kleinlich, dass wir Anzeigen schreiben, weil jemand einem anderen gerade etwas Gutes tun will, sind wir nicht.“ Grundsätzlich komme es sowieso immer auf die Situation an: „Wenn jemand eine Flasche neben den Mülleimer oder auf den Rand stellt, ist es etwas anderes, als wenn man die Flasche bewusst unter die Parkbank wirft.“

In letzterem Fall würde das Ordnungsamt tatsächlich einschreiten und verwarnen, „auch wenn in beiden Fällen schnell jemand kommen würde, der die Flasche einsammelt“, so Jenisch. Um die 30 Euro müsste man für eine solche „Kleinmüllentsorgung“ zahlen.

Warum „Pfand gehört daneben“ nicht immer klappt

Auch wenn die Frankfurter Pfandflaschen ungestraft neben die Mülleimer in der Stadt stellen dürfen, ist nicht jeder von ihnen mit der Lösung zufrieden. „Bei den leichten Plastikflaschen bringt's nix, die bei Wind irgendwo daneben zu stellen“, schreibt Merkurist-Leser Andreas auf Facebook. Leserin Maria dagegen sieht einen Nachteil, wenn es um Glasflaschen geht:

Die optimale Lösung für viele: sogenannte Pfandhalter, die es bereits in vielen Städten, unter anderem in Offenbach und Bamberg, gibt. „Eine menschliche und soziale Einstellung, die sich unsere Stadtverwaltung mal ansehen sollte“, schreibt Merkurist-Leser Christian dazu. Doch das hat sie bereits.

Vor einigen Jahren schon wurden die Pfandhalter in Frankfurt getestet - mit ernüchternder Bilanz, wie in vielen anderen Städten. „Es gab einen Modellversuch, ich meine, am Mainufer“, erinnert sich ein Sprecher der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES). „Auch auf unsere Empfehlung hin hat die Stadt sich dann entschieden, die Pfandringe nicht flächendeckend einzuführen.“ Der Grund: Rund um die Pfandringe wurde allerhand anderer Müll entsorgt, Flaschen landeten nur bedingt darin. „Im Moment ist das deshalb kein Thema“, so der Sprecher.

Und auch in Offenbach hat das Modell schon bald ausgedient. Wie eine Sprecherin auf Anfrage sagt, wurden die Pfandringe in der Stadt kaum angenommen. Sie sollen noch in diesem Jahr abmontiert werden. (df)

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