Zu wenig Platz in Frankfurter Packstationen?

Menschen bestellen immer mehr online - auch in Frankfurt. Doch dadurch wird das Paket-Auslieferungs-System stark belastet. Was tut der DHL, um die Lieferung von Päckchen angenehmer für die Kunden zu machen?

Zu wenig Platz in Frankfurter Packstationen?

Der 33-Jährige Sebastian bestellt viel online. Weil der Mann aus dem Gallus arbeitet und sich nicht alle Pakete ins Büro liefern lassen möchte, gibt er bei der Online-Bestellung meist an, dass das Paket doch an einer Sammelstelle abgegeben werden soll. Diese ist nicht weit von seiner Wohnung entfernt.

Doch der Plan geht nicht immer auf. „Wenn ich Pakete an die Packstation in der Galluswarte bestelle, wird circa jedes zweite an die Postbank-Filiale in der Mainzer Landstraße umgeleitet“, sagt er. Gründe dafür gebe die DHL nicht an. Sebastian geht aber davon aus, dass die Packstation zu voll ist und seine Bestellung dort deshalb keinen Platz findet. Kein Wunder, schließlich gebe es derzeit fast überall einen Paket-Boom, also immer mehr Menschen, die Pakete bestellen.

Paket-Lieferungen haben sich fast verdoppelt

Das bestätigt ein Sprecher der DHL. Innerhalb von sieben Jahren hat sich die Anzahl der Pakete, die jährlich deutschlandweit versandt wurden, fast verdoppelt. Waren es im Jahr 2010 noch 2,6 Millionen Pakete pro Tag, lieferten Mitarbeiter des Paketdienstes 2017 rund 4,6 Millionen Pakete täglich aus. Bis 2020 soll der Paketmarkt nach Schätzungen von DHL jährlich um etwa fünf bis sieben Prozent wachsen. „Treiber für das Paketgeschäft ist in erster Linie das boomende E-Commerce-Geschäft“, sagt Stefan Heß, DHL-Sprecher. Das sieht das Postunternehmen allerdings mehr als Chance, statt als Herausforderung an.

„In der Filiale geht dann der Horror los.“- Sebastian, Merkurist-Leser

Doch damit die zukünftige Masse an Paketen bewältigt werden kann, müsse das Paketnetzwerk weiter ausgebaut werden. Denn bereits jetzt sind einige Postfilialen in der Stadt mehr als voll. „In der Filiale geht dann der Horror los“, beschreibt Sebastian seine Erlebnisse vor Ort. Nicht nur seien die Öffnungszeiten nicht arbeiterfreundlich. Auch müsse man viel Zeit einplanen, um an seine Bestellung zu gelangen. „Ich habe schon erlebt, dass sich 20 Minuten vor Ladenschluss ein Mitarbeiter ans Ende der Schlange stellt, damit sich vor Ladenschluss niemand mehr anstellt“, sagt der 33-Jährige.

DHL will Netz ausbauen

Vonseiten der DHL heißt es, dass die Öffnungszeiten bereits bundesweit ausgeweitet worden seien. Die meisten Stellen seien 54 Stunden pro Woche geöffnet; 1990 seien dies 18 Stunden pro Woche gewesen. Zudem würden in der nahen Zukunft mehr als 400 Zustellbasen und -depots errichtet. Die nächstgelegene Basis für Frankfurt wird allerdings in Offenbach errichtet.

„Auch in Frankfurt haben wir unser Packstationsnetz kontinuierlich enger geknüpft und werden dies weiter knüpfen.“ - Stefan Heß, DHL-Sprecher

Auch möchte das Paketunternehmen mehr mit Partner-Filialen und Paketshops zusammenarbeiten - genauer genommen mit 500 neuen in ganz Deutschland. Zusätzlich sollen rund 1000 Packstationen bundesweit in Betrieb gehen. „Auch in Frankfurt haben wir unser Packstationsnetz kontinuierlich enger geknüpft und werden dies weiter knüpfen“, sagt Heß. Dafür sucht das Postunternehmen nach Standorten an zentralen Punkten des öffentlichen Lebens, wie beispielsweise Bahnhöfe oder Supermärkte.

„Die Kapazitäten sind in der Regel ausreichend.“ - Stefan Heß, DHL-Sprecher

Durch die Weiterentwicklung gelte: „Die Kapazitäten sind in der Regel ausreichend“, so der DHL-Sprecher. Derzeit gibt es mehr als 70 Packstationen in Frankfurt. Im Gallus sind dies Sebastians Wissen nach drei. Und vielleicht wird es dort bald auch Selbstbedienungsautomaten und Drive-In-Stationen geben. Diese werden derzeit in Bad Kreuznach getestet. Wenn die Testphase erfolgreich ist, könnte DHL das Konzept bundesweit und auch in Frankfurt etablieren.

Trotz der Förderung von Abholstellen sollen Hauszustellungen in der nahen Zukunft nicht teurer werden, so Heß. Doch die Alternativen rücken immer mehr in den Fokus. Bereits heute können sich Kunden auf der DHL-Webseite ihre Wunschfiliale, ihren Wunschort oder den Wunschnachbarn für die Lieferung aussuchen oder die Ware von Post-Mitarbeitern in der Garage abstellen lassen oder ein spezielles Zeitfenster für die Auslieferung wählen. Ob Sebastian durch den Ausbau des Paketnetzes Zeit im Alltag sparen wird, bleibt abzuwarten.

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