Verein kämpft für neues Jugendzentrum in der Nordweststadt

Der Verein „Outing Blog“ möchte in der Nordweststadt ein neues Jugendzentrum eröffnen und wendet sich in einer Petition direkt an den Oberbürgermeister. Vonseiten der Stadt kam zuvor eine Absage. Es stünden nicht genügend Gelder zur Verfügung.

Verein kämpft für neues Jugendzentrum in der Nordweststadt

Ein Raum zum „Abhängen“ und Freunde treffen und gleichzeitig ein Ort, an dem man Hilfe bekommt, wenn man sie benötigt. Offene Jugendzentren sind ein zentraler Bestandteil der Jugendarbeit. In Frankfurt gibt es davon laut Vertretern der Stadt 72 Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, verteilt auf das gesamte Stadtgebiet. Das reicht nicht aus, findet Sven Rühl, Geschäftsführer des Vereins „Outing Blog“. Er hat eine Petition gestartet mit dem Ziel, ein neues Jugendzentrum in der Nordweststadt zu eröffnen.

„Weg von den Straßen und rein in den Spaß“

„Unserer Meinung nach sollte die Stadt den Jugendlichen einen Raum bieten, an dem sie sich treffen können. Weg von den Straßen, weg vom Alkohol, weg von den Drogen und rein in den Spaß!“, begründet der Verein den Start der Petition auf seiner Webseite. Als Trägerverein wolle „Outing Blog“ einen Raum schaffen, der offen sei für alle Jugendlichen, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund, ihrer Religionszugehörigkeit und ihrer Sexualität. Das Jugendzentrum solle als Treffpunkt dienen, aber auch eine Anlaufstelle für die Jugendlichen bei Problemen sein - ein Ort zum Reden.

„Bei vielen Dingen trauen sich die Jugendlichen nicht, sich an die Eltern oder Lehrer zu wenden.“ - Sven Rühl, Outing Blog

Rühl, der mit seinen 18 Jahren selbst noch als Jugendlicher durchgeht, bringt bereits viel Erfahrung im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit mit. Der angehende Pädagoge arbeitet nicht nur an der Ernst-Reuter-Schule in der Frankfurter Nordweststadt, sondern beschäftigt sich auch als Geschäftsführer des Vereins „Outing Blog“, den er im März 2018 mitgegründet hat, tagtäglich mit den Problemen und Fragen der Jugendlichen und stellt fest: „Mit vielen Dingen trauen sie sich nicht, sich an die Eltern oder die Lehrer zu wenden“.

Den Jugendlichen bei Problemen beistehen

Um den Jugendlichen bei ihren Problemen beistehen zu können, betreibt der Verein zurzeit hauptsächlich einen Blog, der sich an Jugendliche aus ganz Deutschland richtet. Vor allem an diejenigen, die sich der LGBTQ+-Community zugehörig fühlen. Beiträge rund um die Themen Outing, die Reaktion des Umfeldes oder das Erste Mal sollen die Fragen der Jugendlichen beantworten und ihnen bei der Bewältigung ihres Alltags behilflich sein.

Durch den „Kummerkasten“, ein weiteres Angebot des Vereins, können sich die Jugendlichen mit ihren Problemen direkt und anonym an Mitarbeiter des Vereins wenden, um eine individuelle Antwort und gegebenenfalls Hilfe zu erhalten. Mit dem Jugendzentrum möchte der Verein sein Angebot nun erweitern und Jugendlichen auch direkt vor Ort beistehen. Dabei stehen sie allerdings vor einem Problem: die Finanzierung. Der Verein kann alleine nicht die Mittel aufbringen und erhofft sich daher Hilfe von der Stadt.

„Ein Jugendzentrum zu unterhalten ist sehr teuer.“ - Klaus Nattrodt (CDU), Ortsvorsteher im Ortsbezirk Nord-West

Klaus Nattrodt (CDU), Ortsvorsteher im Ortsbezirk Nord-West, kennt die Hürden, vor denen der Verein nun steht. Er selbst war lange Zeit in der Offenen Jugendarbeit engagiert und weiß: „Ein Jugendzentrum zu unterhalten ist sehr teuer“. Durch die hohen Mietpreise sei es schwerer, die vorgegebene Mindestanzahl von 250 Quadratmetern einzuhalten. Außerdem müsse es in einer solchen Einrichtung stets zwei fest angestellte Sozialarbeiter geben, deren Gehalt ebenfalls Kosten verursache. Dazu komme die materielle Ausstattung. Allerdings meint Nattrodt auch: „Wenn man gute Jugendarbeit macht, stehen einem eigentlich alle Türen offen“.

Keine Unterstützung von der Stadt

Der Verein „Outing Blog“ hat andere Erfahrungen gemacht, berichtet Rühl. Nachdem er bei der Stadt angefragt hatte, sei ihm erklärt worden, dass man für das Vorhaben keine Mittel zur Verfügung stellen werde. Begründet wurde dies vor allem mit der Existenz zweier aktiver Jugendzentren in der Nordweststadt, der „Arche“ und der Jugendclub „Kleines Zentrum“ in der Thomas-Mann-Straße 6A.

Auch ein Angebot speziell für Jugendliche der LGBTQ+ Community sei mit dem Jugendzentrum „Kuss41“ an der Konstablerwache bereits vorhanden, erklärt Manuela Skotnik, Sprecherin der Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Projekte zur Unterstützung von Jugendlichen seien zwar grundsätzlich immer unterstützenswert, allerdings könnten aus dem aktuellen Haushalt keine Mittel zur Verfügung gestellt werden, ohne die finanzielle Unterstützung für andere Projekte zu kürzen.

Mit dieser Antwort möchte sich der Verein allerdings nicht zufriedengeben. Deshalb wendet er sich nun in Form einer Petition direkt an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und hofft, so doch noch das Jugendzentrum eröffnen zu können. (mr/lo)

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