Qual und Freude im Bus der Linie 34

Viele Frankfurter fahren täglich mit einem Bus der Nummer 34. Doch angenehm ist die Fahrt für sie nicht immer. Verspätungen und unfreundliche Busfahrer sorgen für Unmut.

Qual und Freude im Bus der Linie 34

Wenn bei der Verbindungsauskunft eines Verkehrsunternehmens die Buslinie 34 als eine Möglichkeit angezeigt wird, überlegen wohl viele Frankfurter, ob sie wirklich den Bus nehmen. Oder ob sie nicht lieber in eine U-Bahn steigen - selbst wenn es einen Umweg bedeutet. Denn auf die Linie 34 ist wenig Verlass, berichten zahlreiche Merkurist-Leser. Ihren Fahrplan könne man eigentlich ganz vergessen, da sie sowieso so gut wie nie zur vorgegebenen Zeit auftauche. Die Frankfurter Rundschau betitelte die 34 kürzlich als schlimmste Buslinie der Stadt. Doch was ist dran an dieser Behauptung?

„Der 34er kommt fast immer zu spät oder es kommen gleich drei Busse hintereinander.“ - Reiner, Merkurist-Leser

Merkurist-Leserin Kathi berichtet, wie sie nach ihrer Nachtschicht im Markus-Krankenhaus unter der Unzuverlässigkeit der Busse mit der Nummer 34 leidet. „Morgens um 6:30 Uhr wartet der Bus nicht, sondern fährt meistens um 6:28 Uhr schon los“, schreibt sie auf Facebook. Und weiter: „Echt traurig für uns Schichtarbeiter.“ Wenn der Bus nicht zu früh abfahre, komme er zu spät, berichten weitere Leser. „Der 34er kommt fast immer zu spät oder es kommen gleich drei Busse hintereinander“, kommentiert Reiner.

„Machen die Busfahrer etwa gemeinsam Mittagspause?“, fragte sich eine andere Facebook-Nutzerin, um das von Reiner beschriebene Phänomen zu erklären. Wenn man es dann in einen Bus mit der Nummer 34 geschafft hat, sei man oft mit unfreundlichen Busfahrern konfrontiert, von denen einige schlecht, ruppig und ohne Gefühl für Kupplung und Bremse fahren würden. Besonders für ältere Menschen sei die Busfahrt deshalb eine Herausforderung.

Auf keiner anderen Buslinie gibt es so viele Beschwerden

Diese Beschwerden hört Klaus Linek, Sprecher der zuständigen Verkehrsgesellschaft Traffiq, nicht zum ersten Mal. 2018 sind rund 320 Beschwerden bei Traffiq hinsichtlich der Linie 34 eingegangen. Dazu kommen etwa 2300 Fälle, in denen Gebrauch von der 10-Minuten-Garantie gemacht wurde. Auf keiner anderen Buslinie hatte es so viele Beschwerden und eingeforderte Entschädigungszahlungen gegeben.

„Man muss das aber alles im Verhältnis sehen.“ - Klaus Linek, Traffiq

Im gesamten Frankfurter ÖPNV befindet sich die Buslinie 34 dabei allerdings auf Platz sechs hinter U- und Straßenbahnen. „Man muss das aber alles im Verhältnis sehen“, sagt Linek. An einem normalen Werktag fahren laut dem Traffiq-Sprecher etwa 21.500 Fahrgäste mit einem Bus der Linie 34. Zu Hochzeiten seien bis zu 19 Busse gleichzeitig auf der Strecke zwischen Mönchhofstraße und Bornheim Mitte unterwegs. Mehr Fahrgäste bedeuteten auch, dass die Wahrscheinlichkeit für Beschwerden höher ist.

Zudem ist die Linie die längste ihrer Art in Frankfurt und sei dadurch anfälliger für Verspätungen. Merkurist-Leser Adam weist auf die engen Straßen in Rödelheim hin, in denen es Falschparker den Busfahrern noch einmal erschweren, voranzukommen. Auch stecken Adams Erfahrungen nach die Busse oftmals im Verkehr fest, Ampelvorrangschaltungen wären dort von Vorteil, so der Merkurist-Leser. Doch diese Entscheidung wurde von der Stadtverordnetenversammlung noch nicht getroffen.

„Wir halten das für sehr vertretbar.“ - Klaus Linek, Traffiq

Allerdings hat Traffiq etwas anderes beschlossen. Nämlich, dass seit dem vergangenen Fahrplanwechsel ausschließlich Gelenkbusse auf der Linie fahren. Doch die größeren Busse haben auch zur Folge, dass das städtische Verkehrsunternehmen den Takt auf der Strecke ausgedünnt hat. So fahren die Busse im morgendlichen Berufsverkehr nicht mehr alle 6 Minuten, sondern alle 7,5 Minuten. In der nachmittäglichen Rush-Hour beträgt der Abstand zwischen den einzelnen Bussen 10 Minuten statt 7,5 Minuten. Dafür gebe es aber mehr Platz in den Bussen. „Wir halten das für sehr vertretbar“, sagt Linek. Schließlich müssten die Fahrgäste nur ein bis drei Minuten länger warten. Für die Umwelt und die Anwohner sei die Taktausdünnung zudem ein Vorteil.

Immer mal wieder was Neues auf der Linie 34

Die Änderung ist nicht die erste auf der Linie. „Es vergeht kein Jahr, in dem wir nicht zusätzliche Leistungen auf der Linie anbieten“, so Linek. 2015 setzte Traffiq probeweise Doppeldeckerbusse ein. Merkurist-Leser Arno erinnert sich gerne an diese Zeit zurück. „Meine schönste Erinnerung waren die Fahrten mit dem Doppeldeckerbus zum Brentano-Bad“, schreibt er auf Facebook. Doch wiederholen wird sich die Testphase nicht.

„Der Bus taugte nichts, weil die Leute selten nach oben durchgegangen sind“, so Linek. Viele Fahrgäste, die nur drei bis vier Haltestellen gefahren sind, hatten wohl Angst, nicht mehr rechtzeitig herauszukommen, wenn sie sich einmal oben hingesetzt haben. Mit dem vorhandenen Platz in den Bussen zeigen sich die Merkurist-Leser seit der Einführung Gelenkbussen etwas zufriedener. Dass man sich wie in der Sardinenbüchse fühlt, wird dadurch aber nicht immer vermieden.

„Ich liebe den 34er Bus.“ - Christa, Merkurist-Leserin

Und trotz all den Beschwerden gibt es auch Fahrgäste, die die Linie 34 wertschätzen. „Ich liebe den 34er Bus“, schreibt Leserin Christa auf Facebook. Das könnte auch daran liegen, dass der Bus wichtige Orte in der Stadt miteinander verbindet, ohne dass man, wie mit der U-Bahn, erst in die Innenstadt fahren muss. (mr)

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