Dreck und Ekel in der Bahnstation - muss das sein?

Ein Leser beschwerte sich bei uns über Verschmutzungen in U- und S-Bahn-Stationen. Damit ist er nicht allein. Ob Taubenkot, Gestank oder Müll, wo viele Menschen unterwegs sind und ihre Spuren hinterlassen, bleibt es selten lange sauber.

Dreck und Ekel in der Bahnstation - muss das sein?

„Glänzendes Frankfurt, dreckige U-Bahn. Warum sind die U-und S-Bahn-Stationen immer so schmutzig und versifft?“, fragt sich Merkurist-Leser Philip Emnet. Wir haben uns die Situation genauer angeschaut. Und dabei fällt vor allem eins auf: Die Stationen sind auf unterschiedlichste Art und Weise verschmutzt, je nachdem was man als Verschmutzung versteht. Ob von Taubenkot verunreinigte Wartehäuschen, Uringeruch am Hauptbahnhof oder Erbrochenes in der U-Bahn-Unterführung - der Dreck im Nahverkehr hat viele Gesichter.

Besserung am Hauptbahnhof

Das alles ist nicht neu, kann im Alltag - gerade wenn man täglich besonders verschmutzte Stellen passiert - aber durchaus unangenehm sein. Die Drogen- und Dealerszene im Hauptbahnhof sorgt regelmäßig für Beschwerden, da sich Pendler und Passanten durch penetrante Gerüche, aber auch durch den offenen Drogenkonsum, gestört fühlen. Laut Polizei hat sich hier in den letzten Monaten jedoch bereits einiges verbessert. Mathias Kitze, Dienstgruppenleiter der Stadtpolizei, lobt die koordinierte Zusammenarbeit zwischen der Polizei und dem Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn.

„Die Beschwerdelage ist zurückgegangen.“ - Mathias Kitze

Seit November 2016 wurden 740 Personen überprüft, 28 Lager aufgelöst und 195 Verstöße wegen Drogenbesitzes festgehalten. Außerdem wurden 37 Hausverbote gegen Dealer und Drogenkonsumenten verhängt. Kitze stellt erste Erfolge fest: „Wenn wir auf der B-Ebene sind, dann sind so gut wie keine Dealer mehr dort“, sagt er. Auch Klaus-Dieter Strittmatter, Sonderkoordinator für die Sicherheit im Bahnhofsviertel, berichtet von positiven Veränderungen. „Die Beschwerdelage ist zurückgegangen“, so Strittmatter. Im Jahr 2017 werden außerdem die bereits 1,6 Millionen Euro starken Investitionen in Reinigungsmaßnahmen am Hauptbahnhof durch die Deutsche Bahn weiter aufgestockt.

Taubenkot bleibt ein Problem

Bei einem Schmutzproblem an anderer Stelle ist hingegen keine zeitnahe Besserung in Sicht: Taubenkot ist und bleibt ein Ärgernis in Bahnhöfen und an Bushaltestellen. An der Hauptwache, in unmittelbarer Nähe zu den Rolltreppen, gibt es besonders viel davon. Obwohl dort bereits einige gezielte Maßnahmen zur Reduzierung und Beseitigung von Taubenkot durchgeführt werden, werden die weißen Flecken auf Böden, Sitzplätzen und Tischen augenscheinlich nicht weniger. Offenbar lassen sich die Vögel von Falkenschreien vom Band, einem Lichtblitzsystem und Spikesystemen nicht so sehr beeindrucken wie nötig wäre.

„Solange es essende Menschen gibt, wird jedes Taubenabwehrsystem ins Leere verlaufen.“ - Gudrun Stürmer

Gudrun Stürmer vom Stadttaubenprojekt Frankfurt ist überzeugt: „Solange es essende Menschen gibt, wird jedes Abwehrsystem ins Leere verlaufen.“ Sie ist der Meinung, dass sich der Frankfurter daher wohl oder übel mit der Taube und ihren Hinterlassenschaften arrangieren müsse. Zwar versteht sie, dass viele Menschen den Kot der Tiere als unangenehm oder eklig empfinden, doch gesundheitliche Risiken gehen nicht davon aus, so Stürmer.

VGF auf Hinweise von Fahrgästen angewiesen

Und wie sieht es mit Verschmutzungen in den U-Bahnstationen in der Stadt aus? Dana Vietta, Sprecherin der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), empfindet nicht, dass die U-Bahnstationen prinzipiell schmutzig sind. Man sei bei der VGF natürlich auf Hinweise durch Fahrgäste angewiesen, wenn es irgendwo schlimm aussehe. „Wir als VGF stellen uns nicht hin und kippen den Müll in unsere Stationen. Das passiert leider im Betrieb, und meist durch Fahrgäste. Aber wir machen den Dreck weg“, so Vietta. Eine ganze Abteilung kümmere sich um die Stationen, Haltestellen und Tunnelanlagen, heißt es seitens der VGF. Die Reinigung läuft nicht überall gleich: „Für die stark frequentierten Stationen Hauptbahnhof, Konstablerwache und Hauptwache gibt es Präsenzreiniger vor Ort. Für alle anderen Stationen wird die Reinigung angefordert.“

„Wenn wir konkret wüssten, auf welche Stationen sich die Kritik bezieht, dann könnten wir dem nachgehen.“ - Dana Vietta

„Wenn wir konkret wüssten, auf welche Stationen sich die Kritik des Lesers bezieht, dann könnten wir dem nachgehen und das überprüfen“, erklärt die Sprecherin der Verkehrsgesellschaft. Fahrgästen, die Fragen zum Thema Sauberkeit haben, empfiehlt Vietta grundsätzlich, direkt die Beschwerde-Hotline oder auch die Facebook-Seite der VGF zu nutzen und konkrete Verschmutzungen mitzuteilen. Dann könne die Verkehrsgesellschaft entsprechend reagieren und akute Verunreinigungen möglichst zeitnah beseitigen. Den Schmutz an den Haltestellen sieht die VGF als unvermeidlich: „Bei so vielen Menschen bleibt der Dreck nicht aus.“

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