Die Strategien hinter der Kontrolle von Schwarzfahrern

Viele der in Frankfurt tätigen Kontrolleure sind wegen ihrer Uniform schon von Weitem als solche erkennbar. Doch wie förderlich ist dies für deren Aufgabe, Schwarzfahrer zu bestrafen, fragt ein Merkurist-Leser. Und ist dies überhaupt deren Ziel?

Die Strategien hinter der Kontrolle von Schwarzfahrern

Sie sind gefühlt in jeder zweiten Bahn präsent: Kontrolleure der Verkehrsunternehmen, die durch ihre Uniformen und das Prüfgerät in der Hand schnell zu erkennen sind. Während die Menschen mit einer Fahrkarte nach ihrem Portmonnaie greifen und das Ticket zücken, bewegen sich Schwarzfahrer strategisch immer weiter von den Kontrolleuren weg. Wenn sie sich überhaupt noch in der Bahn befinden. Denn meist steigen sie beim Anblick der uniformieren Männer und Frauen schon aus der Bahn. Merkurist-Leser Sebastian hat dieses Szenario schon oft beobachtet und dabei einen Gedanken gehabt: Wäre es nicht besser, wenn die Kontrolleure nicht so leicht als solche zu erkennen sind?

Verkehrsunternehmen sind sich darüber bewusst

Die Verkehrsunternehmen wissen darüber Bescheid. „Das ist uns sehr bewusst und auch, dass dies andere - zahlende - Fahrgäste stört“, sagt Bernd Conrads, Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF). „Aber wir machen keine Jagd auf Schwarzfahrer.“ Stattdessen sieht die Verkehrsgesellschaft ihre Kontrolleure vor allem als Service-Personal an. Und an diesem Konzept wolle man auch festhalten. Das heißt, Kontrollen in Zivil wird es im Gebiet, für das die VGF verantwortlich ist, nicht geben. Damit werden die Kontrolleure in den Straßen- und U-Bahnen weiterhin Uniformen tragen.

„Bei der S-Bahn-Rhein-Main sind 40 Prozent der Fahrkartenkontrolleure in zivil unterwegs.“ - Sprecherin der Deutschen Bahn

Bei der Deutschen Bahn sieht dies allerdings anders aus. „Um zu vermeiden, dass die Schwarzfahrer aufspringen und die Bahn verlassen, sind bei der S-Bahn-Rhein-Main 40 Prozent der Fahrkartenkontrolleure in zivil unterwegs“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Die anderen 60 Prozent der Prüfer sollen wie bei der VGF als Service-Personal Fahrgästen bei Fragen oder Problemen zur Verfügung stehen.

Kontrollen auch außerhalb der Bahnen denkbar?

Doch laut dem Merkurist-Leser entstehe durch die Präsenz der Kontrolleure so oder so Unruhe. Ein weiterer Leser schlägt vor, die Fahrgäste auch außerhalb der Bahn zu kontrollieren. Dies ist auch die Strategie der VGF, um Schwarzfahrer zu finden. „Den Kontrolldruck auf Schwarzfahrer halten wir durch Stations- oder Abgangskontrollen aufrecht, die wir regelmäßig umsetzen“, sagt Conrads. Diese werden allerdings nur an den U-Bahn-Stationen durchgeführt. Wie solche Kontrollen an Straßenbahnhaltestellen umgesetzt werden sollten, kann sich der VGF-Sprecher nicht vorstellen. Auch in diesem Punkt unterscheidet sich die Kontrollstrategie der VGF von der der Deutschen Bahn. Denn für die Deutsche Bahn kommen Kontrollen am Bahnsteig nicht in Frage. „Der Vorschlag, die Kontrollen schon vor der Bahn durchzuführen, würde größere Umbaumaßnahmen erforderlich machen, die unseres Erachtens kaum verhältnismäßig sind“, heißt es vonseiten der Deutschen Bahn.

„Hier handeln wir in der Tat kulant.“ - Bernd Conrads, VGF-Sprecher

Nicht nur die Kontrollen und deren Konsequenzen laufen je nach dem Verkehrsunternehmen, das prüft, unterschiedlich ab. Es kommt auch darauf an, von wem das Ticket zur Einsicht gefordert wird. Denn Obdachlose und Menschen mit hohen Schulden sind zahlreich unter den Schwarzfahrern vertreten. Diese können sich die Fahrt an sich nicht leisten, geschweige denn das Strafgeld zahlen. „Hier handeln wir in der Tat kulant“, sagt Conrads. „Aber die Herrschaften können ihre Fahrt nicht weitersetzen.“ Allerdings seien die Geldprobleme und die schwierigen Lebensumstände den Fahrgästen nicht immer anzusehen. Große Einnahmeeinbußen bekommt die VGF durch die Sichtbarkeit ihrer Kontrolleure und die Kulanz gegenüber Menschen, die kein Geld haben, eigenen Aussagen nach nicht. (mr)

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