Groß-WG ohne Hippie-Gefühl

Beim Hausprojekt „NiKa“ erwerben Mieter gemeinsam ein Haus, verwalten es selbst und zahlen dennoch „nur“ die Miete. Wie das geht, lest ihr hier.

Groß-WG ohne Hippie-Gefühl

Eine neue Form des Wohnens scheint sich langsam immer mehr in der Stadt auszubreiten. Dabei handelt es sich um ein gemeinschaftliches Hausprojekt, wobei Mieter selbstbestimmt in einer Art WG leben können. Die Miete liegt unter der Durchschnittsmiete im jeweiligen Stadtteil und man wohnt nicht alleine, sondern mit anderen zusammen. Jeder hat sein eigenes Zimmer. Küche und Bad teilen sich die Bewohner mit ihren WG-Partnern. In Gemeinschaftsräumen kann man zusammenkommen.

Das Hausprojekt „NiKa“

Genau so ein Hausprojekt ziehen unter anderem auch Jessica Sehrt und Jeronimo Voss im Bahnhofsviertel auf. Unter dem Namen „Hausprojekt NiKa“ - benannt nach seinem Standpunkt an der Ecke Niddastraße und Karlsstraße - sollen ab Ende 2018/Anfang 2019 42 Personen in einer großen Gemeinschaft zusammen wohnen.

„Der Bedarf an alternativen Wohnformen wächst.“ - Katharina Wagner

Von der Stadt hat das Hausprojekt bereits das Okay bekommen. Das Konzept von NiKa habe überzeugt, so Katharina Wagner vom Amt für Wohnungswesen Frankfurt. „Der Bedarf an alternativen Wohnformen wächst“, sagt sie.

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Keine Hippie-Kommune, aber Unterstützung

Das haben sich auch Sehrt und Voss gedacht. „Wir wollen alleinstehende Personen wie Senioren oder Alleinerziehende in Wohngesellschaften unterbringen“, sagt Sehrt. Die Generationen sollten sich gegenseitig unterstützen und beispielsweise bei Reparaturen und beim Babysitten helfen.

„Es wird nicht eine Tasse geben, die von 15 Personen benutzt wird.“ - Jessica Sehrt

Dabei werde das Haus aber keinesfalls eine Art „Hippie-Kommune“ werden, so Sehrt. „Es gibt keinen Zwang, sich einzubringen“, sagt Sehrt. Mann müsse außerdem nicht immer aufeinandersitzen. Damit dies nicht passiert, ist das Leben im Haus auf zwei Ebenen aufgeteilt. „Es wird nicht eine Tasse geben, die von 15 Personen benutzt wird“, sagt Sehrt. Zum einen gebe es die kleine, persönliche WG-Ebene. Dort wohnen die Mieter eng zusammen. Zum anderen gebe es die Haus-Ebene, auf der Entscheidungen getroffen werden und wöchentliche Plenarsitzungen stattfinden.

Auch in Bockenheim hat sich die Wohnform bewährt

Eva Jochim, die in der seit rund 15 Jahren in Bockenheim gekauften Hausgemeinschaft des Häuser-Syndikats lebt, ist von der Wohnform immer noch begeistert. „Es findet viel Austausch statt“, so Jochim. „Mein Sohn ist mit Geschwistern groß geworden, obwohl er eigentlich keine hat.“

„Mein Sohn ist mit Geschwistern groß geworden, obwohl er eigentlich keine hat.“ - Eva Jochim

Wegen dem engen Zusammenleben wird jeder Mieter sorgfältig ausgewählt. Interessierte für das „NiKa“-Projekt stellen sich der Gruppe an bereits gefundenen Mietern - zur Zeit sind das 35 - vor. „Dann schauen wir, ob die Personen zu uns passen“, sagt Sehrt. „Wir achten aber auch auf Diversität.“ Die noch zur Verfügung stehenden Plätze möchten die Initiatoren deshalb auch Personen mit afrikanischem Migrationshintergrund anbieten und ihnen das Projekt gezielt vorstellen.

Wirtschaftliche Vorteile

Neben dem Wunsch ein Gemeinschaftsgefühl zu kreieren, sehen die Initiatoren ihr Projekt auch auf einer wirtschaftlich positiven Ebene. Das NiKa-Haus wird eine 80 Quadratmeter große mit Gras belegte Dachterrasse haben. „Alleine könnten wir uns das nicht leisten“, sagt Voss, der Initiator und zukünftiger Bewohner zugleich ist. Maximal elf Euro pro Quadratmeter werden die Mieter zahlen. Und da das Haus dem aus den Mietern bestehenden Hausverein und der „Mietshäuser Syndikat GmbH“ gehört, wird sich die Miete auch nicht ohne Absprache mit den Mietern, während diese im Haus wohnen, erhöhen.

Durch Direktkredite und Mieteinnahmen finanziert

Finanziert wird der Hauskauf mit Direktkrediten von Unterstützern. 720.000 Euro braucht das Projekt, um einen Kredit bei der Bank zu bekommen und sich somit zu finanzieren. Die Hälfte der 720.000 Euro hat das Projekt zusammen. Bis zum Sommer muss der Rest der Summe auf dem Konto von NiKa sein. 3,6 Millionen Euro wird die komplette Renovierung kosten. Die Investitionen sollen durch die Mieten wieder eingenommen werden. Im Erdgeschoss wird es außerdem einen Kunstraum und eine Sozialberatung geben.

In Frankfurt gibt es derzeit zwei Häuser dieser Art. Deutschlandweit zählen 111 Wohnprojekte zum „Mietshäuser Syndikat“. Wer NiKa unterstützen möchte, kann dies hier tun.

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