Tiroler Küche: „Das hat Frankfurt noch gefehlt“

Im Nordend hat ein Österreichisches Restaurant seine Türen geöffnet, das bei seinen ersten Gästen gut ankommt. Dort werden traditionelle Gerichte auf eine leichte Weise und vegan-freudig angeboten.

Tiroler Küche: „Das hat Frankfurt noch gefehlt“

Zwei große rote Schirme sind seit Donnerstag an der Ecke Scheffelstraße/Eckenheimer Landstraße aufgestellt. Darunter sitzt an diesem Abend Renate Pitzke, trinkt ein Bayrisches Bier und liest eine Zeitung. „Diese positive Biergartenatmosphäre gefällt mir sehr gut“, äußert sich die Über-60-Jährige zu dem neuen Tiroler Restaurant „Seefeld“, das sich an der Ecke im Nordend niedergelassen und mit einem Soft-Opening klammheimlich seine Terrasse geöffnet hat.

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Inhaber des Restaurants ist Stephan Barth, der in der Frankfurter Gastronomie-Szene kein Unbekannter ist. Dennoch ist er nicht mit den Barths aus dem Restaurant „Edelweiß“ verwandt, wie er schnell hinzufügt. Seit mehr als zwanzig Jahren habe der Bornheimer von Fine-Dining bis zur Cocktailbar in verschiedensten Gastronomie-Bereichen der Stadt gearbeitet - allerdings als Angestellter. Irgendwann habe er gemerkt, dass er immer als Erster komme und als Letzter gehe und dann auch gleich sein eigenes Restaurant aufmachen könne.

„In Seefeld in Tirol habe ich das erste Mal mit fünf Jahren zusammen mit meiner Oma auf Skiern gestanden.“ - Stephan Barth, Inhaber

„Ich liebe die Tiroler Küche“, begründet der 46-Jährige die kulinarische Richtung seines Restaurants. „Das hat Frankfurt noch gefehlt.“ Beim Namen habe er sich von einer Kindheitserinnerung inspirieren lassen. „In Seefeld in Tirol habe ich das erste Mal mit fünf Jahren zusammen mit meiner Oma auf Skiern gestanden und habe die Bedeutung von Muskelkater kennengelernt“, erzählt Barth, der selbst Vater ist lachend. Er habe der Erste sein wollen, der in der Stadt Schlutzkrapfen (im Seefeld sind das mit Quark und Spinat gefüllte Teigtaschen) anbietet.

Traditionelle Gerichte auf eine leichte Weise interpretiert

Ein Blick auf die Speisekarte zeigt die Richtung des Restaurants. In Barths Worten: „Traditionelle Tiroler Rezepte auf eine leichte und moderne Weise interpretiert.“ Dabei sei die Küche beinahe automatisch ins Vegane geschlittert. Den Kaiserschmarrn gibt es beispielsweise nur vegan, was von manchen Gästen kritisch beäugt wurde, dann aber als gut empfunden worden sei. Doch ein Fisch- und Fleischgericht finde sich auch immer auf der Karte wieder. Dabei liegen die Preise zwischen 6,90 Euro für eine Bruscetta und 29,90 Euro für ein Steak.

Das sei gerechtfertigt sagt Koch Stefan Petermann, verwende er doch Kochmethoden aus der Sterneküche. So wird Olivenöl im Seefeld zu einer Art Mus pacussiert und der Octopus für 24 Stunden in einer Kräutermarinade gegart. Von den Schlutzkrapfen bis hin zu den Schokoladenplättchen auf den Desserts sei fast alles selbstgemacht. Zu einem Sternerestaurant möchten die beiden sich aber nicht entwickeln. Das schrecke nur ab und dann würden die kleinen Gäste den Bürgersteig des Lokals möglicherweise nicht mehr mit bunter Kreide bemalen.

„Wir wollen uns aber Step by Step reinfinden.“ - Stefan Petermann, Koch im Seefeld

Neben Tiroler Weinen und einer wechselnden, saisonalen Karte wollen Barth und Petermann ab August auch ein Frühstück und Torten anbieten. „Wir wollen uns aber Step by Step reinfinden“, sagt Petermann. Zudem müssen in den Innenräumen noch „kosmetische Vorkehrungen“ unternommen werden. Eine Sanierung und Beseitigung einzelner Wände sei in dem denkmalgeschützten Gebäude schon vorgenommen worden.

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Offiziell wird das Seefeld wahrscheinlich Mitte/Ende Juni eröffnen und füllt damit nach zwei Jahren Leerstand erstmals wieder die Erdgeschossräume der Scheffelstraße 1. Spätestens dann möchte Pitzke mit Freundinnen wiederkommen und auch erstmals neben einem Bier das Essen kosten. Barth und Petermanns Empfehlung für alle Nicht-Kenner der Tiroler Küche sind die Schlutzkrapfen, der Backhendel-Salat und der vegane Kaiserschmarrn.

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