Dieser Entwurf prägt bald Frankfurts Stadtbild

Die Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ gegen den Bau des „Innovationsquartiers“ hält die Luft an: Die Planung des Bauprojekts wird mit dem Gewinner des Wettbewerbs in die nächste Phase gehen.

Dieser Entwurf prägt bald Frankfurts Stadtbild

„Herr Stadtrat, warum muss die Stadt überhaupt immer größer werden?“ , fragte ein Bürger am Samstag, den 30. Juni, während der Informationsveranstaltung zum städtebaulichen Wettbewerb für das „Innovationsquartier“, das auf einem Areal an der Friedberger Landstraße/südlich des Wasserparks umgesetzt werden soll. Die Stadt müsse Wohnraum schaffen, denn Frankfurts Wohnraum werde immer teurer, war die Antwort des Planungsdezernenten Mike Josef (SPD).

„Es ist ja nicht so, als würden wir sagen: Kommt, uns ist strukturell langweilig!“ - Mike Josef, Planungsdezernent

Für das neue Projekt „Innovationsquartier“ wurden im Laufe des Samstagvormittags verschiedene Entwürfe vorgestellt, der Bürgerdialog gesucht und Ideen und Kritik aufgenommen. „Wandel bedeutet nicht, dass es schlechter werden muss. Es ist ja nicht so, als würden wir sagen: Kommt, uns ist strukturell langweilig“, so Josef. Unumstritten ist das Projekt jedoch bei weitem nicht.

Ein Spagat zwischen Umweltschutz und Wohnungsbau

Bauen,Bauen, Bauen – das scheint in Frankfurt derzeit die Devise zu sein, so zumindest der Eindruck vieler Menschen im Saal. In diesem Fall sollen 1500 neue Wohneinheiten im „Innovationsquartier“ im Anschluss an das Nordend entstehen. Sechs Planungsbüros haben sich die Sorgen und Vorschläge der Bürger angehört und versucht, den Erhalt von möglichst viel Natur mit den Rahmenbedingungen der Stadt zu vereinen. Ein Kompromiss aus Umweltschutz und Wohnungsbau, Erhalt von Bestehendem und Innovation, Frischluftzufuhr und Verkehrsanbindung musste geschaffen werden. Welcher der sechs Entwürfe das Rennen macht und das Frankfurter Stadtbild in Zukunft prägen wird, entschied die Jury im Anschluss an die Veranstaltung.

Die „Grüne Lunge“ protestiert

„Natürlich gibt es einen Konflikt zwischen Grünfläche und Wohnraum.“ - Mike Josef, Planungsdezernent

Die Gegner der Bebauung von der Bürgerinitiative „Grüne Lunge" sind mit dem gesamten Projekt unzufrieden. Frederike Paul-Fariborz meint zu den Innovationsideen der Planungsbüros: „Die Natur ist die größte Innovation an sich!“ Planungsdezernent Mike Josef erkennt das Konfliktpotenzial durchaus: „Natürlich gibt es einen Konflikt zwischen Grünfläche und Wohnraum", meint er vor Beginn der Veranstaltung. Sekunden später kamen Aktivisten der Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ mit einem Sarg, verziert mit Bildern von Tieren und Pflanzen, den sie symbolisch zu Grabe trugen, in den Saal. Das heißt jedoch nicht, dass sie die Hoffnung bereits begraben hätten. Bürgerbegehren werden weiter laufen. Die „Grüne Lunge" will das Projekt unbedingt verhindern. Bürgereinbindung/-beteiligung findet die Stadt laut Josef wichtig, die Entscheidung könne der Stadt jedoch niemand abnehmen.

Am Ende der Veranstaltung trugen sie den Sarg wieder aus dem Saal mit der Kritik: Die Vorgaben der Stadt an die Planer seien zu streng gewesen. Gemeint sind damit die vorgegebenen Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel die Anzahl der Wohneinheiten, die auf 1500 angesetzt wurde.

„Es ist schwierig, mit Ideen zu arbeiten, die von Gegnern einer Bebauung kommen.“ - Hendrik Jansen, Büro BJP

Etwas hat der Protest wohl doch schon gebracht. Die Planer haben versucht, mehr von der Grünfläche auf dem Areal zu erhalten, insbesondere die erhaltenswerten Bäume in ihre Konzepte zu integrieren, und sich so ihre Gedanken zu den Kritikpunkten und Sorgen gemacht. Hendrik Jansen nimmt mit dem Büro BJP (Bläser Jansen Partner aus Dortmund) und dem Entwurf „Urbanes Leben in Grün“ an dem Wettbewerb teil. Er meint: „Es ist schwierig, mit Ideen zu arbeiten, die von Gegnern einer Bebauung kommen. Manche sind jedoch auch konstruktiv.“ Und diese haben die Teilnehmer des Wettbewerbs auf unterschiedliche Weisen in ihre Planung einfließen lassen.

Klimatologe und Preisrichter überzeugt vom Gewinnerentwurf

Der Gewinner des Wettbewerbs wurde am Sonntagabend bekanntgegeben. Die Jury entschied sich für den Beitrag von tobeSTADT, Stefan Bernard Landschaftsarchitekten und Kölling und Voigt Architekten BDA. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass der prämierte Entwurf nur der Rahmen für das Projekt sein wird. Investoren werden diesen dann konkretisieren und schließlich umsetzen.

Der Vorsitzende der Preisrichter Ferdinand Heide begründet die Entscheidung: „Die Arbeit respektiert auf innovative und besondere Art und Weise die Qualität des Ortes und reagiert kreativ auf die Herausforderungen der Aufgabenstellung.“ Auch Stadtklimatologe Lutz Katzschner zeigt sich überzeugt: „Der Entwurf hat einen hohen Grünanteil mit angrenzender 'Wildnis', die zu positiven klimatischen Wechselwirkungen im Quartier führt“, sagt er über die Gewinneridee. Dass die Proteste der Umweltschützer mit der Wahl des Siegers enden, davon ist jedoch nicht auszugehen.

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