Plastikfrei auf dem Wochenmarkt einkaufen

Seit dem 1. Juli läuft auf dem Hanauer Wochenmarkt eine Testphase, in der Kunden bei den Markthändlern einwegplastikfrei einkaufen können. Ziel ist es, dies bald dauerhaft einzuführen. Ist das Projekt auch in Frankfurt denkbar?

Plastikfrei auf dem Wochenmarkt einkaufen

Mit Beginn des Monats startete auf dem Hanauer Wochenmarkt auch der vierwöchige plastikfreie Praxistest. Dabei soll die Tauglichkeit verschiedener Verpackungsalternativen getestet werden - vom Schälchen bis hin zur Tüte. Ein ähnliches Projekt ist auch in Mainz bereits in Vorbereitung (Merkurist Mainz berichtete). Aber wie sieht das Hanauer Wochenmarktprojekt genau aus und ist dies auch für Frankfurt interessant?

Hanau macht’s vor

Auslöser für die Testphase war ein Beschluss der Hanauer Stadtverordnetenversammlung im Juni 2018, nach dem alle städtischen Veranstaltungen auf ihren Einwegplastik-Verbrauch geprüft werden sollten. Ziel war es, Plastik zu reduzieren oder gar zu eliminieren. Auch der Hanauer Wochenmarkt wurde überprüft.

Jetzt in der Testphase sind elf Markthändler dabei – davon stammt je ein Händler repräsentativ aus jeder der auf dem Markt vertretenen Produktgruppen. „Dies ist für den Praxistest ausreichend“, sagt Barbara Battenhausen von der Hanau Marketing GmbH (HMG). Man müsse alle Händler unterstützen und ihnen Alternativen anbieten. Dafür wurden diese nach ihrem Bedarf und Problemen bei der Umstellung auf alternative Verpackungen befragt.

Was in der Testphase anders ist

Die alternativen Verpackungen, die jetzt getestet werden, bestehen aus Papier, Maisstärke und Zuckerrohr. Zu beachten sei jedoch, dass die pflanzenbasierten Verpackungen in den Restmüll kommen und nicht in die Biotonne. „Sie brauchen wesentlich länger zum Kompostieren als Pflanzenmaterial und Essensreste“, warnt Anja Zeller.

"Wir freuen uns, dass viele Menschen schon Stofftaschen und sogar Tupperware oder Glasbehältnisse mitbringen.“ - Anja Zeller, Stabsstelle Nachhaltige Strategien Hanau

Außerdem versuche man die Kunden dafür zu sensibilisieren, ihre eigenen Mehrwegverpackungen mitzubringen, um sie vor Ort befüllen zu lassen. „Wir freuen uns, dass viele Menschen schon Stofftaschen und sogar Tupperware oder Glasbehältnisse mitbringen und Einwegplastik dadurch reduzieren“, sagt Zeller. Auch eigene Becher und Besteck können mitgebracht werden.

Wie sieht es in Frankfurt aus?

In Frankfurt gibt es ein solches Projekt auf den Wochenmärkten bisher nicht. Michael Lorenz von der für die Märkte zuständigen HFM Managementgesellschaft in Frankfurt sieht dafür allerdings auch keine dringende Notwendigkeit.

„Leider sehen viele Kunden und auch Markthändler die Plastiktüte als eine Art ‘Kundendienst’.“ - Michael Lorenz, HFM Managementgesellschaft Frankfurt

„Es gibt bereits seit 2016 diverse Aktionen auf den Frankfurter Märkten, um auf den Verzicht von Plastik aufmerksam zu machen,“ sagt Lorenz. So verteilte die HFM in Kooperation mit der Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ Stoffbeutel an die Besucher der Frankfurter Märkte. Auch Lorenz selbst war bei der Aktion dabei. Viele freuen sich über die Alternative zur Plastiktüte, sagt er - jedoch gibt es auch noch einige, die sich nicht von der Plastiktüte verabschieden möchten. „Leider sehen viele Kunden und auch Markthändler die Plastiktüte als eine Art ‘Kundendienst’“, sagt Lorenz. Andererseits gibt es aber auch viele Kunden, die den Verzicht auf Plastik bei den Händlern geradezu einfordern.

Nachhaltigkeit sei ein Prozess, der sich in Frankfurt schon früh verbreitet hat, sagt Lorenz. Vor allem auf dem Erzeugermarkt an der Konstablerwache werde sehr nachhaltig verkauft und eingekauft. Dort gibt es nach Angaben der Verantwortlichen ausschließlich regionale Produkte direkt vom Erzeuger. Einige Händler haben laut Lorenz Mehrweggeschirr im Einsatz. „Der Nachhaltigkeitsgedanke ist bereits in der Satzung verankert und insbesondere auf dem Erzeugermarkt gelingt das Konzept problemlos“, so Lorenz.

Nach der Testphase

Und wie geht es in Hanau weiter? Nach vier Wochen Testzeit wird festgelegt, ob ein „einwegplastikfreier Wochenmarkt“ an allen Marktständen bis Januar 2020 möglich ist.

"Von Seiten der Stadt und der Hanau Marketing GmbH unterstützen wir den einwegplastikfreien Wochenmarkt sehr gerne.“ - Martin Bieberle, HMG-Geschäftsführer

"Von Seiten der Stadt und der Hanau Marketing GmbH unterstützen wir den einwegplastikfreien Wochenmarkt sehr gerne", sagt HMG-Chef Martin Bieberle. Am Ende liege es jedoch an den Kunden, ob sich das Konzept durchsetzen könne. „Ihre Akzeptanz und Mithilfe ist hier zuvorderst gefragt“, betont Bieberle.

Das Konzept scheint bisher allerdings gut anzukommen. Barbara Battenhausen zufolge stehen die Markthändler sowie die Marktbesucher dem Projekt sehr offen und positiv gegenüber. (ab)

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