Ist die Integration der Ausländer in Frankfurt ein Problem?

In Frankfurt hat rund die Hälfte der Einwohner ausländische Wurzeln. Doch wie sehen die aktuellen Zahlen aus? Welche Nationen sind besonders vertreten? Und wie steht es um ihre Integration?

Ist die Integration der Ausländer in Frankfurt ein Problem?

Frankfurt wird immer bunter: Mit 51,2 Prozent wurde im Jahr 2017 erstmals die 50-Prozent-Marke geknackt. Damit stammt mehr als die Hälfte der Frankfurter Bevölkerung aus dem Ausland oder hat einen Migrationshintergrund. Aber wie sieht es mit den aktuellen Zahlen aus?

Die Zahl der Ausländer in Frankfurt ist im vergangenen Jahr um insgesamt 1,8 Prozent gestiegen, wie das städtische Amt für Statistik in ihrer aktuellen Ausgabe mitteilt. Damit leben 222.621 Ausländer in Frankfurt - das sind knapp 30 Prozent der Einwohner. Deutsche mit Migrationshintergrund machen in Frankfurt einen etwas geringeren Anteil, Stand 2017 um die 23,6 Prozent, aus.

Zahl der EU-Bürger leicht rückläufig

Menschen aus 179 der 197 Staaten der Welt waren zum Ende des Jahres 2018 in Frankfurt gemeldet - also aus etwa 90 Prozent der Länder der Welt. Die Nationalitäten sind dabei unterschiedlich stark vertreten. Nach der deutschen ist die türkische Staatsangehörigkeit mit knapp 25.400 Einwohnern die zweithäufigste Nationalität in Frankfurt. Kroaten nehmen mit circa 16.300 die dritthäufigste Nationalität ein, dicht gefolgt von knapp 15.200 Menschen mit italienischer Staatsangehörigkeit. Zu den Nationen, die neu in Frankfurt vertreten sind, zählen das afrikanische Land Äquatorialguinea, das zentralamerikanische Land Belize und Suriname, ein kleiner Staat an der Nordostküste Südamerikas.

Außerdem ist auffällig, dass die Zahl der EU-Staatsangehörigen leicht zurückgegangen ist, wie es vonseiten des Statistikamts heißt. Dagegen habe aber die Zahl der Migranten aus Indien, Afghanistan, Syrien, Iran und China etwas zugenommen. Der höchste prozentuale Zuwachs konnte mit 22,7 Prozent bei den albanischen Staatsangehörigen festgestellt werden. Auch der nahende Brexit bewirke einen Rückgang: Die Zahl der Frankfurter aus dem Vereinigten Königreich sei vermutlich deshalb etwas zurückgegangen.

Fortschritte in der Integration

„Hier haben wir in Frankfurt in den letzten Jahren Fortschritte gemacht.“ - Jan Pasternack, Dezernat für Integration und Bildung

Doch wie steht es um die Integration dieser Ausländergruppen in Frankfurt? Auf gesellschaftlicher Ebene gibt es zwei Mindestbedingungen für Integration, erklärt Jan Pasternack vom Dezernat für Integration und Bildung. Zum einen müsse ein hoher Grad an gesellschaftlichem Zusammenhalt, zum anderen eine Zugangsgleichheit zu gesellschaftlichen Ressourcen und Positionen vorliegen. „Hier haben wir in Frankfurt in den letzten Jahren Fortschritte gemacht“, so Pasternack.

Allerdings zeige das aktuelle Ergebnis des Frankfurter Integrationsmonitorings, dass Menschen mit ausländischen Wurzeln noch immer in vielen Bereichen des Lebens benachteiligt seien. Dazu zählen insbesondere die Bereiche Teilhabe, Gleichberechtigung und Chancengleichheit.

Zudem stellt sich noch die Frage, ob Frankfurter selbst die Integration der Ausländer als problematisch ansehen. Bei der aktuellen Bürgerbefragung bewerteten insgesamt 1363 deutsche und ausländische Bürger unter anderem die größten Probleme der Stadt. Demnach zählten die Frankfurter neben dem Wohnungsmarkt die Verkehrssituation zu den größten Problemen der Mainmetropole. Nur sechs Prozent der mehr als 1300 befragten Bürger gaben das Verhältnis zwischen Deutschen und Ausländern als Problem der Stadt an. Zwei Prozent sehen mangelnde Integration als problematisch an.

Wie Türken und Kroaten ihre Integration beurteilen

„Wenn die Eintracht gewinnt, freuen wir uns und feiern mit. Wenn sie verliert, sind wir genauso traurig wie die Deutschen.“- Arif Arslaner, Verein für Kultur und Bildung

Dieser niedrige Wert spiegelt sich auch in der Wahrnehmung der Frankfurter mit türkischen Wurzeln wieder. „Wir sind hier sehr gut integriert“, sagt Arif Arslaner, Geschäftsführer vom Verein für Kultur und Bildung (KUBI e.V.). Dabei verstehen sich die meisten Türken als Frankfurter, identifizieren sich mit der Stadt und auch mit dem Frankfurter Fußballverein, erklärt Arslaner. „Wenn die Eintracht gewinnt, freuen wir uns und feiern mit. Wenn sie verliert, sind wir genauso traurig wie die Deutschen.“ Die Türken fühlten sich wohl hier, da die Stadt sehr international ist. Migranten seien in der Vergangenheit hergekommen und mit der Zeit ein Teil der Stadt geworden. „Ich kenne viele Ecken Deutschlands und Frankfurt ist anderen Städten weit voraus, was Integration angeht“, sagt Arslaner.

„Bei der Wohnungssuche werden Türken zum Beispiel noch immer diskriminiert.“ - Arif Arslaner, Verein für Kultur und Bildung

Hinsichtlich Teilhabe, Chancengleichheit und Gleichbehandlung bestehe noch enormer Nachholbedarf. „Bei der Wohnungssuche werden Türken zum Beispiel noch immer diskriminiert“, so Arslaner. Er kennt viele, die keine Wohnung bekommen haben, weil der Vermieter keine Türken als Mieter haben wollte. „Und das, obwohl wir Türken die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen“, sagt Arslaner. Genauso ist es für Menschen mit türkischen Wurzeln schwieriger einen Ausbildungsplatz zu finden, als für Deutsche. Insbesondere für Kinder von Arbeitsmigranten sei es eine große Herausforderung, im deutschen Bildungssystem Fuß zu fassen.

Trotz der vielen Ängste, die hinsichtlich anderer Kulturen in den vergangenen Jahren geschürt worden seien, sei es für die Mehrheit der Deutschen in Frankfurt kein Problem, wenn ihr Nachbar aus der Türkei komme. „Im Gegenteil - man profitiert und lernt voneinander“, weiß Arslaner. Seiner Ansicht nach bringen die Türken den Deutschen neben ihrer Esskultur auch ihre Werte wie zum Beispiel Solidarität, Gastfreundschaft und den Zusammenhalt in den Familien und Freundeskreisen bei.

„Wir sind gut integriert und daher sowohl sichtbar als auch unsichtbar.“ - Anita Akmadza, Verein Kekev

Auch die Kroaten fühlen sich wohl in der multikulturellen Mainmetropole. „Wir sind gut integriert und daher sowohl sichtbar als auch unsichtbar“, sagte Anita Akmadza vom Verein der Kroatisch Europäischen Kulturgesellschaft (Kekev) in einem früheren Interview gegenüber Merkurist. Unsichtbar seien sie, weil die Kroaten nicht als gesellschaftliche Gruppe durch die Stadt ziehen: „Wir sind uns darüber bewusst, dass unsere Wurzeln in Kroatien liegen, aber wir sind Frankfurter“, erklärt Akmadza.

„Entweder du willst hier mitmachen oder nicht.“ - Anita Akmadza, Verein Kekev

Integrationsprobleme entstehen laut Akmadza nur dann, wenn man sich als Gruppe abkapsele. Bei einzelnen Gruppen in Frankfurt sei dies zwar der Fall, aber die kroatischstämmigen Menschen seien davon ausgenommen. „Entweder du willst hier mitmachen oder nicht“, sagt Akmadza über die Integrationsproblematik der Ausländer. (lo/ab)

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