Frankfurt-Oberrad: Die Rückkehr der Straßenbahn

Seit April 2017 ist die Straßenbahnlinie 16 aufgrund von Bauarbeiten unterbrochen und endet an der Haltestelle „Balduinstraße“. Nun aber ist ein Ende des Schienenersatzverkehrs in Sicht - doch eine letzte Hürde bleibt.

Frankfurt-Oberrad: Die Rückkehr der Straßenbahn

Seitdem der Bahnhof Oberrad aufgegeben wurde, bildet die Straßenbahn der Linie 16 das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs des Stadtteils im Frankfurter Osten. Mit ihrem Laufweg zwischen den Haltestellen „Ginnheim“ und „Stadtgrenze Offenbach“ sorgt sie für eine Anbindung an die benachbarten Innenstädte Frankfurts und Offenbachs und deren Bahnhöfe.

Endstation Balduinstraße: Ersatzverkehr mit Bussen

Seit dem 24. April 2017 kann sie dieser Aufgabe allerdings nicht mehr nachkommen: Da auf der Offenbacher Landstraße umfangreiche Bauarbeiten vorgenommen werden, kann die Straßenbahn diese nicht mehr wie gewohnt passieren. Bis Fahrbahn, Fußgängerwege und Gleisanlagen erneuert sind, endet die Fahrt der Linie an der Haltestelle „Balduinstraße“. Die Anbindung nach Offenbach erfolgt durch Ersatzbusse zwischen den Haltestellen „Südbahnhof/Bruchstraße“ und „Offenbach Stadtgrenze“ (Merkurist berichtete).

Sollte die Linie 16 zunächst ab Februar 2018 wieder durch Oberrad rollen, wurde auf Schildern und im Internet seitens der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) später das zweite Quartal 2018 als voraussichtlicher Termin für eine Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebs kommuniziert.

Dass diese um mehrere Monate nach hinten verschoben wurde und seitens der VGF kein konkreter Termin für die Fertigstellung der Bauarbeiten genannt werden konnte, stieß unserem Leser Christoph Bremer sauer auf. „Wann fährt die Linie 16 wieder durch Oberrad?“, fragte er im Snip zu diesem Artikel. „Ein Datum für die Wiederinbetriebnahme lässt sich nirgends finden.“

„Dass ein ganzer Stadtteil über einen solch langen Zeitraum hinweg mit einer Ersatzlösung leben muss, ist für mich fragwürdig“ - Christoph Bremer, Snip-Ersteller und Betroffener

Bremer selbst lebt in Oberrad und ist von den Einschränkungen betroffen. Für die Sanierung der Offenbacher Landstraße zeigt er Verständnis. „Aber dass ein ganzer Stadtteil über einen solch langen Zeitraum mit einer Ersatzlösung leben muss, ist für mich fragwürdig“, beklagt er den anhaltenden Zustand. Mit dem Schienenersatzverkehr hat er sich mittlerweile abgefunden. Dennoch bedeutete dieser einen derartigen Umweg, dass viele Oberräder lieber gleich selbst liefen. „Insbesondere zur Hauptverkehrszeit fahren die Busse über vielbefahrene Straßen, sodass sich die Planbarkeit der Anfahrten ohnehin schwierig gestaltet“, beklagt der 31-Jährige.

Natürlich wünsche er sich, dass die Bahnen bald wieder fahren – „am besten gleich am nächsten Morgen“, wie er sagt. Eine verlässliche Information, ab wann der Straßenbahnbetrieb wieder aufgenommen werden kann, reiche ihm vorerst.

Unvorhergesehene Widrigkeiten

„Trümmerschutt musste entfernt und das Erdreich bis ins Plenum neu aufgebaut werden“ - Michaela Kraft, Amt für Straßenbau und Erschließung

Michaela Kraft vom Amt für Straßenbau und Erschließung kann eine Erklärung für die Verzögerungen liefern. „Im Verlauf der Bauarbeiten wurden Kellerfundamente freigelegt, die aufwendig zurückgebaut werden mussten“, räumt die Diplom-Ingenieurin gegenüber Merkurist Komplikationen ein. Trümmerschutt aus dem zweiten Weltkrieg habe entfernt und das Erdreich bis ins Plenum neu aufgebaut werden müssen, um die Tragfähigkeit des Bodens sicherzustellen. Doch auch von anderen Widrigkeiten weiß Kraft zu berichten: So seien etwa unvorhergesehene Arbeiten an den Gas-, Wasser- und Telekommunikationsanlagen notwendig geworden. „Die Asphaltarbeiten werden aber in den nächsten Tagen abgeschlossen“, äußert sie sich zum Stand der Dinge.

Ab 25. Juli sollen die Bahnen auf den neuen Schienen rollen

Auf diese Nachricht scheint auch die VGF nur gewartet zu haben: Am 15. Juni veröffentlichte sie eine Presseerklärung, laut der ab dem 25. Juni 2018 die Straßenbahnen wieder durch Oberrad bis hin zur Endhaltestelle „Offenbach Stadtgrenze“ fahren sollen. Zu diesem Zeitpunkt soll dann auch der Ersatzverkehr mit Bussen der Vergangenheit angehören. Darüber hinaus werde die Linie 16 noch bis zum 5. August durch Fahrten einer weiteren Linie ergänzt. Da die Stammstrecke der S-Bahn über die Sommerferien gesperrt ist, soll der Laufweg der Linie 18 über den Lokalbahnhof hinaus bis zur Stadtgrenze Offenbach verlängert werden. Mitsamt den Trams sollen auch die Busse der Linien 81, 82, n62 und n63 wieder auf ihren angestammten Linienweg zurückkehren.

Letzte Hürde bleibt bestehen

Vorschnell in Jubel ausbrechen sollten Christoph Bremer und alle anderen Oberräder jedoch nicht. Voraussetzung für die Wiederinbetriebnahme „ihrer“ Straßenbahn ist nämlich die erfolgreiche Abnahme des sanierten Streckenabschnitts zwischen Balduinstraße und Buchrainplatz. Entsprechende Messfahrten sollen laut VGF erst unmittelbar am Wochenende vor der der Wiederaufnahme stattfinden. Bleibt zu hoffen, dass nicht bald erneut Ersatzfahrpläne an den Haltestellen aushängen.

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