Dortmund-Fans kritisieren Polizei-Einsatz vor Eintracht-Spiel

Am vergangenen Wochenende ging es für die Eintracht in der Commerzbank-Arena gegen den aktuellen Tabellenführer Borussia Dortmund. Vor dem Spiel kam es allerdings zu einem Polizeieinsatz, den manche Dortmund-Fans kritisieren. Was dahinter steckt.

Dortmund-Fans kritisieren Polizei-Einsatz vor Eintracht-Spiel

Mit einem - wenn auch nur im Endergebnis - eher unspektakulären 1:1-Unentschieden trennten sich Eintracht Frankfurt und der aktuelle Tabellenführer Borussia Dortmund am Samstag in der Commerzbank-Arena. Spektakulärer soll zumindest laut der Fanhilfe Dortmund eine Polizeikontrolle von etwa 65 Fans vor dem Spiel gewesen sein. Laut der Fanhilfe wird jetzt sogar überlegt, ob mögliche rechtliche Schritte eingeleitet werden. Aber was war passiert?

Laut dem Statement der Fanhilfe, das am Dienstag veröffentlicht wurde, waren am vergangenen Samstag rund 65 Dortmund- und einige Eintracht-Fans nahe des Bahnhofs Stadion von der Polizei aufgehalten und kontrolliert worden. Die Fanhilfe Dortmund wurde im April 2018 gegründet und ist nach eigenen Angaben seit der laufenden Saison Ansprechpartner für Fans, die „im Zusammenhang von Spielen ihres Lieblingsvereins in Konflikt mit der Polizei und der Justiz geraten sind“.

Polizeikontrolle „ohne jeden erkennbaren Anlass“

„Ohne jeden erkennbaren Anlass wurde die Gruppe von Fußballfans von den eingesetzten Beamten etwa 150 Minuten lang festgehalten.“ - Statement der Fanhilfe Dortmund

„Ohne jeden erkennbaren Anlass wurde die Gruppe von Fußballfans anschließend von den eingesetzten Beamten etwa 150 Minuten lang festgehalten sowie erkennungsdienstlich behandelt“, so die Fanhilfe in ihrem Statement. „Besonders fragwürdig erscheint darüber hinaus die Tatsache, dass die Beamten während der gesamten polizeilichen Maßnahme den Betroffenen weder den Grund für die Maßnahme, ferner noch die Rechtsgrundlage mitteilen konnten.“ Einzig ein Tweet der Frankfurter Polizei nach dem Einsatz lasse darauf schließen, dass durch die Kontrolle später „Personen für das Tragen von Schlauchschals“ belangt werden sollten.

„Wir fordern die Frankfurter Polizei sowie die beteiligten Einheiten der Bundespolizei deshalb zu einer umfassenden Aufarbeitung des Einsatzes auf.“ - Statement der Fanhilfe Dortmund

Die betroffenen Fans konnten sich laut Fanhilfe nicht frei im Stadionumfeld bewegen, um sich etwa mit anderen Fans zu treffen oder pünktlich zum Anpfiff ins Stadion zu kommen. Die Fanhilfe schätzt die Kontrolle zunächst als unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte ein. „Wir fordern die Frankfurter Polizei sowie die beteiligten Einheiten der Bundespolizei deshalb zu einer umfassenden Aufarbeitung des Einsatzes auf“, schreibt die Fanhilfe in ihrer Stellungnahme. In den kommenden Wochen werde man mit betroffenen Mitgliedern der Fanhilfe Dortmund mögliche rechtliche Schritte zur Überprüfung des Einsatzes besprechen.

Teile der kontrollierten Gruppe „Problemfans“

Aber was sagt die Polizei zu den Vorwürfen? Die besagte Polizeikontrolle habe es tatsächlich gegeben, bestätigt Andrew McCormack, Sprecher der Frankfurter Polizei, gegenüber Merkurist. Grundsätzlich sei ein hohes Polizeiaufgebot gerade bei Risikospielen wie dem am Wochenende üblich - „damit Problemfans beider Lager nicht aufeinandertreffen“. Um solche „Problemfans“ habe es sich bei Teilen der kontrollierten Gruppe auch gehalten. Zwölf der 65 kontrollierten Dortmund-Fans seien bereits polizeilich in Erscheinung getreten und werden als „Gewalttäter Sport“ geführt, so McCormack.

„Solche Schlauchschals werden häufig zur Vermummung genutzt.“ - Andrew McCormack, Sprecher Polizei Frankfurt

Bei den Kontrollen wurden laut Polizei in der Tat wie von der Fanhilfe Dortmund erwähnt Schlauchschals festgestellt. „Solche Schlauchschals werden häufig zur Vermummung genutzt“, so McCormack. Auch sogenannte Passivbewaffnung in Form von Zahnschutz-Schienen sei bei den Fans aufgefunden worden. Eine Person hatte außerdem Amphetamine dabei.

Dass auch vereinzelte Eintracht-Fans bei der kontrollierten Gruppe dabei waren, geht aus den Protokollen, die McCormack vorliegen, nicht hervor. Dafür etwas anderes: Teile der kontrollierten Gruppe sollen bereits bei der Eintracht-Dortmund-Partie im vergangenen Jahr in Frankfurt aufgefallen sein und sich nahe der diesjährigen Kontrollstelle mit rund 25 Eintracht-Fans geprügelt haben.

Nach Vorfällen im Vorjahr auf Fan-Gruppe geachtet

Wegen der Vorfälle im Vorjahr habe die Polizei verstärkt auf die Fan-Gruppe geachtet und sie schlussendlich kontrolliert. „Teile der Personengruppe haben beim Spiel zuvor in Frankfurt die selbe Anfahrroute gewählt“, sagt McCormack. So seien wie 2018 vor allem Fern- und Regionalzüge statt der üblichen Sonderzüge genutzt worden. Auch auf eine vorherige Kontaktaufnahme durch Kontaktpersonen der Polizei habe die Gruppe nicht reagiert.

„Das ist nicht unsere Praxis.“ - Andrew McCormack, Sprecher Polizei Frankfurt

Und was ist mit der Aufklärung über den Grund der Kontrolle? In der Regel sind laut McCormack bei Fußballspielen immer sogenannte taktische Lautsprecherwagen im Einsatz, über die beispielsweise durchgesagt wird, warum eine Kontrolle stattfindet. Der Polizeisprecher selbst war nicht vor Ort. Er geht aber davon aus, dass die Wagen auch diesmal eingesetzt wurden. „Das ist nicht unsere Praxis, deshalb kann ich die Anschuldigung nicht nachvollziehen.“

„Die Ergebnisse zeigen auch, wie erforderlich die Maßnahmen waren.“ - Andrew McCormack, Sprecher Polizei Frankfurt

Wie es mit den Vorwürfen nun weitergeht, ist noch unklar. Seitens der Frankfurter Polizei ist keine explizite Prüfung des Einsatzes geplant - grundsätzlich werde sowieso jeder Einsatz nachbereitet. „Die Ergebnisse zeigen auch, wie erforderlich die Maßnahmen waren.“ Das sieht die Fanhilfe Dortmund, zumindest laut ihres Statements, anders. Ob allerdings tatsächlich rechtliche Schritte zum Vorfall eingeleitet werden, wird sich wohl erst in den kommenden Wochen zeigen. (mr)

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