800 Menschen ziehen auf Palästinenser-Demo durch die Innenstadt

Weit weniger Teilnehmer als erwartet bleiben auf dem Protestzug am Samstag friedlich. Sie richteten sich gegen Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

800 Menschen ziehen auf Palästinenser-Demo durch die Innenstadt

Am Samstag haben rund 800 Menschen gegen die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, demonstriert. Während zu Beginn etwa 600 Menschen am Kaisersack versammelt waren, schätzte die Polizei zwischenzeitlich bis zu 1000 Teilnehmer, darunter auch viele Kinder. Damit blieben die Zahlen weit hinter den 2000 bis 2500 Personen zurück, die angekündigt worden waren.

„Donald Trump, hör mal zu, Jerusalem ist tabu.“ - Sprechchor

Sprechchöre sollten klarmachen: „Donald Trump, hör mal zu, Jerusalem ist tabu.“ Die Veranstalter verstehen Jerusalem als die Hauptstadt eines zukünftigen palästinensischen Staates. „Wir werden Trumps Entscheidung nicht akzeptieren. Jerusalem wird für immer und ewig die Hauptstadt Palästinas sein“, so ein Sprecher. Neben palästinensischen waren auch türkische, iranische und deutsche Fahnen zu sehen. Dem Aufruf der Organisatoren, friedlich zu bleiben, folgten die Demonstranten. So kam das massive Polizeiaufgebot, welches unter anderem aus zwei Wasserwerfern bestand, kaum zum Einsatz.

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Zwei Zwischenfälle ereigneten sich kurz nach Beginn der Demonstration. Ein Mann hatte ein Plakat der rechtsextremen Kleinpartei „der III. Weg“ hochgehalten, welches Israel als „Terrorstaat“ bezeichnete. Nach Angaben der Polizei wurde der Besitzer des Plakates von der Veranstaltung ausgeschlossen und eine strafrechtliche Relevanz geprüft. Daneben wurde eine US-Flagge mit Hakenkreuz beschlagnahmt. Gegen den Träger wird wegen der Verwendung verfassungswidriger Symbole und eines Verstoßes des Versammlungsgesetzes ermittelt. Eindeutig antisemitische Sprechchöre, wie sie zuletzt bei ähnlichen Veranstaltungen zu hören waren, blieben aus. Im Vorfeld waren strenge Auflagen festgelegt worden, die Polizei hatte klar gemacht, dass sie jegliche Verstöße gegen diese Auflagen nicht tolerieren werde.

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Trumps Entscheidung ist hoch umstritten

Mit der Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, schlägt US-Präsident Trump ein neues Kapitel in einer mehrere Jahrhunderte dauernden Geschichte auf. Schon bei der Gründung Israels war der Status Jerusalems umstritten. Nach dem Holocaust (auch als Shoa bezeichnet, hebräisch für Katastrophe) sollte die 597 v. Chr. durch die Babylonier begonnene Zerstreuung der Juden in alle Welt ein Ende finden. Israel sollte den Juden nach über 2500 Jahren wieder eine Heimat bieten.

Der Teilungsplan der Vereinten Nationen von 1947 sah eine internationale Verwaltung Jerusalems vor, allen Weltreligionen sollte gleichberechtigt Zugang zu ihren heiligen Stätten gewährt werden. Nach der Unabhängigkeitserklärung Israels 1948 griffen mehrere arabische Länder den neuen Staat an, in der Folge wurde Jerusalem geteilt. Im Sechs-Tage-Krieg 1967 wurde auch der Ostteil der Stadt von Israel erobert und 1980 zur alleinigen Hauptstadt des Landes erklärt. Im Friedensprozess zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde in den 1990er Jahren wurde festgelegt, dass der endgültige Status der Stadt erst in „Endstatusverhandlungen“ festgelegt wird. Diese sind seither nicht erfolgt, daher haben viele Staaten Jerusalem noch nicht als Hauptstadt Israels anerkannt.

Konfliktpotential bietet Jerusalem vor allem, da sich in der Stadt Heiligtümer dreier großer Weltreligionen befinden. Der heiligste Ort des Judentums - die Klagemauer - ist dort ebenso zu finden, wie das drittwichtigste Heiligtum der Muslime, der Felsendom. Den Christen ist die Stadt heilig, da sich dort unter anderem die Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi abgespielt haben sollen. Die Entscheidung Trumps ist weltweit von Regierungsvertretern kritisiert worden. Sie befürchten einen Rückschlag für den Friedensprozess und eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten.

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