Electro made by „Afroschnitzel“

In einem Offenbacher Wohnzimmerstudio produzieren ein DJ und ein MC gemeinsam Electro - mit Jazz-Elementen, Samples aus der Umgebung und allen Einflüssen, die die beiden Künstler an sich heranlassen. Das aktuelle Album heißt "Human Aquarium".

Electro made by „Afroschnitzel“

Wenn unterschiedlichste Einflüsse, Geschichten und Wurzeln aufeinandertreffen, dann ist das meist ein Segen für Kunst und Kreativität. Das zeigt sich auch beim Offenbacher DJ und Producer Moritz Pommer (Mohig, 36) und dem Wiener MC und Percussionist Ayo Aloba (Ayotheartist, 34), die gemeinsam das Musik-Projekt „Afroschnitzel“ vorantreiben. Dabei passt der Style in keine Schublade: Einige Tracks werden von atmosphärischen Sounds und Jazz-Einflüssen dominiert, andere Produktionen sind tanzbare Club-Ansagen mit afrikanischen Drums. Zudem sind Akzente aus Drum'n'Bass, House und Hiphop zu hören.

„Wir gehen in die Natur, nehmen Sounds auf und lassen uns beeinflussen.“ - Ayo Aloba

„Es ist nicht wichtig, dass wir ein bestimmtes Genre machen“, erzählt Moritz. „Als Ganzes ist es eher Jazz, weil wir viel improvisieren. Allerdings ist es kein Jazz im klassischen Sinne.“ Ayo ergänzt: „Im kreativen Prozess sind wir beide ziemlich old-school. Wir gehen in die Natur, nehmen Sounds auf und lassen uns beeinflussen.“ Viel Equipment wird dabei nicht mitgeschleppt - das Smartphone reicht, um Samples aufzunehmen. „Bei der letzten Session sind wir durch Offenbach gelaufen“, sagte Moritz. „Wir haben eine Gruppe von Sinti-und-Roma-Musikern auf der Straße aufgenommen und das mit in einen Track gemischt.“

Dance-Tracks und die Spiritualität Nigerias

Das erste Album „The Cat, The Hen, The Palm Nut“ geht auf die nigerianische Mythologie zurück, und damit auf Ayos afrikanische Herkunft. Dance-Tracks wie „Orbis Terrae“ und „When Plants Talk“ klingen urban und lassen dennoch die organisch-lokalen Einflüsse deutlich erkennen: Vogelgezwitscher, das Zirpen einer Grille, Stimmen und ein Jazzpiano. „Panegyric“ dagegen taucht auf elektronischem Wege in die Spiritualität Nigerias ein. Hörenswert!

„Es ist schon verrückt, was es alles auf unserem Planeten gibt.“ - Moritz Pommer

Die Idee zum aktuellen Projekt „Human Aquarium“ ist im Sommer 2016 während eines gemeinsamen Aufenthalts in London entstanden. Die britische Hauptstadt wirkte auf die beiden wie ein menschliches Aquarium. „Es ist schon verrückt und lustig, wenn man durch die Stadt läuft und man sieht, wie verschieden die Menschen sind und was es alles auf unserem Planeten gibt“, sagt Moritz. Vor Ort haben die beiden Freunde Fotos gemacht und Samples auf dem Smartphone aufgenommen. „Bisher haben wir einen soliden Track und vier kleinere Geschichten“, sagt Moritz. Geplant sind mindestens sechs bis sieben Stücke für das neue Album. (Update: Das neue Album "Human Aquarium" ist zwischenzeitlich fertig geworden und hier verfügbar.)

Inspiration von der Energie des Bahnhofsviertels

Auch von Frankfurt haben sich die beiden inspirieren lassen. „Wir waren im Bahnhofsviertel - rein beruflich natürlich“, lacht Ayo. Fasziniert von der Energie vor Ort, machten die beiden Freunde Videoaufnahmen für ein Musikvideo. Anschließend verarbeiteten sie alte Funk-Samples. „Das gibt genau die Atmosphäre wider, die wir im Bahnhofsviertel erlebt haben“, erklärt Moritz.

Neben dem Album sind auch endlich gemeinsame Live-Gigs für 2017 geplant. Die gab es nämlich unter dem gemeinsamen Label noch nicht. Auftritte hatten die beiden bisher nur separat - als DJ, MC und Percussionist. Davon abgesehen, werden Tracks von Afroschnitzel bereits in Londoner Clubs gespielt.

Moritz Pommer arbeitet hauptberuflich als Grafiker in Frankfurt, Ayo Aloba ist Jugendbetreuer in Wien. Die beiden Künstler verbindet eine lange Freundschaft: Kennengelernt haben sie sich als Teenager auf einer internationalen Schule in Tschechien, wo Moritz bereits die Grundlage für seine spätere DJ-Leidenschaft legte. Ayo, der in Nigeria geboren und in Wien aufgewachsen ist, lebte später in London und ging dann wieder zurück in die österreichische Hauptstadt. Die Stationen von Moritz sind Mannheim, London, Hamburg und jetzt Offenbach. Als Afroschnitzel produzieren sie im Wohnzimmer von Moritz, wo er sich ein Studio eingerichtet hat.

Wo ist Afroschnitzel zu finden?

Das Album „The Cat, The Hen, The Palm Nut“ kann man auf „Bandcamp“ bekommen oder über Soundcloud. Weitere Links und Infos zu Afroschnitzel gibt es hier:

Afroschnitzel.org

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