Wasserhäuschen: Geliebt und in ein Lied verpackt

Zwei Frankfurter Grundschullehrer singen über ihre Heimatstadt - mal über das Wasserhäuschen, mal über die Grüne Soße aus Sicht einer Essiggurke. Vom gemütlichen Wahnsinn Frankfurts eben.

Wasserhäuschen: Geliebt und in ein Lied verpackt

Wohl jeder Frankfurter kennt die Wasserhäuschen, die in der Stadt verteilt sind. Sobald die Temperaturen steigen, ziehen die kultigen Verkaufsbuden wieder viel Kundschaft an. Doch nicht jeder Frankfurter kennt das Frankfurter Zweierlei - ein Duo, das wohl so schön wie kein Zweiter die sympathischen Kioske besingt: „Des Wasserhäussche um die Eck, was zum Trinke und en Snack, gemischte Tütsche und ne Worscht, doch die meisten haben Dorscht.“

„Wo kriegste noch so leckere weiße Mäusscher - doch nur im scheene Wasserhäussche“. - Liedtext

Jörg Royer und Stefan Ruh (beide 51) sitzen mit Gitarren vor dem Wasserhäuschen „Gudes“ an der Friedberger Landstraße und erzählen singend die Geschichten, die sich um die Verkaufsbuden erzählen lassen. Vom Banker am Morgen, der den Kaffee to go abholt, vom Eintrachtfan, der die Vereinsleistung beim Bier diskutiert oder von Schulkindern, die sich den Süßkram schmecken lassen. „Wo kriegste noch so leckere weiße Mäusscher - doch nur im scheene Wasserhäussche“.

Musik über Frankfurts schöne Ecken

Das Duo hat sich den Schauplatz bewusst ausgewählt. Sie lieben das Flair, das sich aus den ehemals verpönten Trinkhallen entwickelt hat. „Früher war das öffentliche Trinken ja als unterste Stufe angesehen“, so Stefan. Lieber ging man in die Kneipe, wo zumindest die Türen das Laster verborgen haben. Dass das jetzt so öffentlich auch draußen geschehe, findet er „schön und kultig“.

„Die Stadt ist liebenswert mit all ihren Ecken und Kanten.“ - Stefan

Und die Wasserhäuschen sind eben typisch frankfurterisch. „Die Stadt ist liebenswert mit all ihren Ecken und Kanten“, sagt Stefan. Beide Musiker sind Urfrankfurter und lassen sich gerne von den Dingen inspirieren, die an ihrer Heimatstadt so besonders sind. „Der gemütliche tägliche Wahnsinn Frankfurts“ hat es ihnen angetan. Und so gehören das Leben in der Mainmetropole aus der Sicht eines Taxifahrers ebenso zum Repertoire wie aus der Sicht des Henninger Turms oder der Gewürzgurke. Die hat sich nämlich in die Pimpernelle verknallt, eines der sieben Kräuter der Grünen Soße, deren Zubereitung die Gewürzgurke von ihrem Glas aus täglich beobachtet.

Mal witzig, mal melancholisch

Auf ihre Musik „Marke Eigenbau“ sind die beiden Frankfurter, die als Grundschullehrer arbeiten, stolz. Gecovert wird nichts. Und die Ideen stammen aus der Feder von beiden: Stefan mit mehr melancholischem Einschlag, Jörg mit Punkband-Vergangenheit. Mittlerweile gibt es etwa 30 Lieder vom Frankfurter Zweierlei, das zweite Album ist in der Mache. Stilistisch geht es mal humorvoll, mal nachdenklich zu, mal wird in hessischer Mundart, mal auf Hochdeutsch gesungen.

„Frankfurt war schon immer eine ehrlich Stadt.“ - Jörg

Facettenreich eben, ganz wie die Stadt, die sie besingen. „Frankfurt verändert sich und wir uns mit ihr“, sagt Stefan. Dadurch ergebe sich ein ständiges Wechselspiel von Positivem und Negativem. Im Nordend gehörten beispielsweise die Gentrifizierung, der Boom von teuren Eigentumswohnungen und die sie besitzenden „Donnerstagsabreiser“, die das Wochenende über gar nicht in Frankfurt leben, zu den unschönen Seiten, erklärt Jörg. „Frankfurt war schon immer eine ehrliche Stadt mit kurzen Wegen und ganz verschiedenen Welten, die nebeneinander liegen.“

Wer den „gemütlichen täglichen Wahnsinn Frankfurts“ einmal in Musikform des Frankfurter Zweierlei erleben möchte, hat am Freitagabend, den 17. März in Sachsenhausen dazu Gelegenheit. Das Duo ist ab 17:45 Uhr im Mühlberglädchen, Wendelsweg 85, in Sachsenhausen zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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